Licht besitzt viele Kräfte. Besonders faszinierend: die Fähigkeit zur Verwandlung. Denn Licht kann nicht nur erhellen, sondern auch verwandeln und ganz gezielt Akzente setzen. Und manchmal wird durch die Verwandlung etwas sichtbar, das in der Vergangenheit schön war - oder in der Zukunft schön werden könnte.

So lässt sich ein neues Lichtprojekt im Coburger Lohgraben beschreiben.

Denn hier, im Sanierungsgebiet zwischen Steinweg und Schenkgasse, Kaufhof und ehemaliger Hauptpost lenkt der Lichtplaner Michael Müller den Blick ganz gezielt auf Gebäude und Flächen, die in den nächsten Jahren saniert werden sollen. "Licht im Lohgraben" lautet denn auch das naheliegende Motto der Aktion, die gemeinsam von der Hochschule Coburg und dem Coburger Designforum Oberfranken in Kooperation mit der Wohnbau Stadt Coburg geplant und umgesetzt wurde.

Anreiz zum Verweilen schaffen

Die Nacht ist gnädig mit dem Lohgraben, der einst rund sieben Jahrhunderte lang Standort der Gerberzunft, wie Reiner Wessels, Abteilungsleiter Sanierung der Wohnbau Stadt Coburg (WSCO) erläutert. Denn die Nacht überdeckt, was am Tag offensichtlich ist: der Lohgraben ist ein reiner Durchgangsort beispielsweise vom Parkhaus Post Richtung Innenstadt. Aufenthaltsqualität im Lohgraben derzeit: Fehlanzeige. Das freilich soll sich ganz entscheidend ändern. Die ehemalige Lebensader der Stadt, so Wessels, soll Anreiz zum Verweilen bieten.

Verwöhnt von zu viel Licht

Das Lichtprojekt soll unmissverständlich zeigen, wo Sanierungsbedarf besteht, aber zugleich auch aufzeigen, "wo Potenziale sind", wünscht sich WSCO-Geschäftsführer Christian Meyer. Wie sich mit Licht der Blick lenken lässt, demonstriert und erläutert der Lichtplaner Michael Müller, der das Projekt gemeinsam mit Studierenden der Hochschule Coburg umgesetzt hat. Müllers Grundansatz: sparsam und wohldosiert mit künstlichem Licht umgehen. "Wir sind verwöhnt von zu viel Licht", ist Müller überzeugt. Sein Gegenentwurf: "Wir wollen mit dem Schatten spielen."

Die Aktion "Licht im Lohgraben" lenkt ganz gezielt den Blick auf Schlüsselprojekte - vom sogenannten jungen Leben, das auch in der Steinweg-Vorstadt künftig gezielt Platz finden soll, bis hin zum Mehr-Generationen-Wohnen, das dem Steinweg mehr Lebensqualität bescheren soll.

Als der Hahnfluss verrohrt wurde

Viele Details sind noch zu klären in der konkreten Umsetzung des Sanierungskonzepts. Klar aber ist: im Lohgraben, der vor mehr als einem halben Jahrhundert sein Gesicht grundlegend veränderte, als der Hahnfluss verrohrt wurde, soll das Thema Wasser wieder eine Rolle spielen. Nicht in Gestalt des Hahnflusses, aber mit einem künstlichen Gewässer, das helfen soll, Menschen im Lohgraben zum Verweilen zu verlocken.

Rund um das Sanierungsgebiet und die Aktion "Licht im Lohgraben"

Der Lohgraben früher wurde als Schnittstelle zwischen Steinwegvorstadt und den einstigen Auwiesen wurde geprägt vom Hahnfluss, der einst die Hahnmühle sowie die Gerberhäuser mit Wasser versorgte. Die einstigen Auwiesen sind heute überwiegend Standorte von Großbauten.

Der Lohgraben heute ist nach der Verrohrung des Hahnflusses und der damit verbundenen Anhebung des Bodenniveaus geprägt durch Leerstände und den schlechten Bauzustand vieler bestehender Gebäude sowie durch großflächige Versiegelung.

Der Lohgraben künftig soll einen "vornehmlich von Rad- und Fußverkehr frequentierten, durchgrünten Weg als Ergänzung zum parallel verlaufenden Steinweg" bieten. Das jedenfalls war die Leitidee des Realisierungswettbewerbs der Wohnbau Stadt Coburg (WSCO) in den Jahren 2019 und 2020. Vorgegeben bei diesem Wettbewerb waren die Anbindung der Erdgeschosse der historischen Gerberhäuser an den öffentlichen Raum sowie eine akzentuierende Gestaltung der Steinweg-Zubringer Schenkgasse und Brunngasse."

So soll es werden Gewonnen wurde der Wettbewerb vom Berliner Büro "A24Landschaft". Dessen Konzept sieht vor, den Straßenraum in einen fußgängerfreundlichen Stadtraum für alle zu verwandeln. Der Ziel dabei: Der Lohgraben soll eine "alternative Wegeroute durch die Steinwegvorstadt bieten". Die Wohnbau wünscht sich eine "Flanierzone abseits des Trubels".

Für die Umsetzung des Konzepts sind zwei Bauabschnitte vorgesehen. Begonnen wird mit dem Abschnitt zwischen Schenkgasse und Gerbergasse. Dabei soll der vorhandene Baumbestand mit der markanten Reihe von Hainbuchen besser zur Geltung kommen. Dieser Baumbestand hebt den Lohgraben ab von den weitgehend vegetationsfreien Bereichen der Umgebung.

"Licht im Lohgraben"

Licht-Entdeckertouren: Freitag, 21. Januar, Freitag, 28. Januar, 19 Uhr. Treffpunkt ab 18.30 Uhr auf der großen Fläche Schenkgasse zwischen der neuen Fahrradscheune und Parkhaus Post (früherer Treffpunkt wegen Kontrolle der erforderlichen 2G-Nachweise). Das Tragen einer FFP2-Maske ist aktuell erforderlich. Anmeldungen per Mail an hanna.rancke@wohnbau-coburg.de oder per Telefon 09561/877-161. Maximal 40 Personen dürfen an einer Entdeckertour teilnehmen, es gilt die Reihenfolge der Anmeldung (weitere Infos unter www.wohnbau-coburg.de/licht-im-lohgraben).