Das Coburger Bahnhofsviertel komplett unter Wasser, wie zuletzt zu Jahresbeginn 2003 - dieses Schreckensszenario soll bald endgültig der Vergangenheit angehören. Mit der Fertigstellung des zweiten Bauabschnitts an der Lauter hat das Wasserwirtschaftsamt Kronach (WWA) nun einen weiteren wichtigen Baustein für den Hochwasserschutz in der Innenstadt gesetzt. Doch mit der offiziellen Einweihung am Dienstag, 22. September, ist das Großprojekt noch lange nicht abgeschlossen. Zwei weitere Bauabschnitte - zwischen Raststraße und der Agip-Tankstelle in der Callenberger Straße - liegen noch vor den Bauherren.

Im Dezember 2008 hatte der Bezirk Oberfranken damit begonnen, die Lauter in ein Bett zu legen, das die umliegenden Stadtviertel - wenn die Maßnahme dereinst abgeschlossen ist - vor einem hundertjährlichen Hochwasser schützen soll. Zu beiden Seiten wird der Fluss mit stabilen, ausreichend hohen Ufermauern eingefasst.
Im Zuge des ersten Bauabschnitts, von der Lauter-Einmündung in die Itz am "Coburger Eck" (bei der Heilig-Kreuz-Kirche) bis zur Heilig-Kreuz-Schule, wurde auch die Fußgängerbrücke an der Brückenstraße erneuert. Sie ist nun auch bei Hochwasser noch begehbar.

Außerdem wurde am Schlei fanger ein Pumpwerk errichtet, dass bei heftigen Niederschlägen zum Tragen kommt. Denn durch die hohen Ufermauern kann ein Teil des Regenwassers nicht mehr von selbst in die Lauter laufen. Das Pumpwerk nimmt dieses Wasser aus den Regenwasserkanälen auf und führt es wieder der Lauter zu. Bei heftigem Regen fungiert das Pumpwerk auch gleich als eine Art Vorfluter, denn es kann viele Kubikmeter Wasser zwischenlagern.

Nach der Einweihung des ersten Abschnitts am 8. April 2013 folgte knapp dreieinhalb Monate später der Spatenstich für Abschnitt zwei - von der Heilig-Kreuz-Schule bis zur Brücke in der Raststraße. Die Regie hatte nun das WWA, wie dessen stellvertretender Amtsleiter Friedrich Schubart erinnert. 2009 hatte das WWA die Zuständigkeit vom Bezirk übernommen. Dank seines Präsidenten Günther Denzler, der 2008 "schnell noch" diverse Projekte startete, habe die Kostenbeteiligung der Stadt Coburg für diesen Abschnitt noch bei 25 Prozent gelegen, so Schubart. Beim zweiten Bauabschnitt muss die Stadt 35 Prozent der Gesamtkosten von rund 2,7 Millionen Euro tragen.

Nun ist auch dieses rund 300 Meter lange Teilstück mit Ufermauern versehen. Zusätzlich wurde die Brücke in der Raststraße erneuert und der Bereich um die Mündung des Rottenbachs in die Lauter, hinter dem Arbeitsamt, naturnah gestaltet.

Mit dem dritten Bauabschnitt (bis zur Brücke im Kanonenweg) werde voraussichtlich erst Ende 2016 begonnen, so Schubart. Zum einen müsse die Maßnahme europaweit ausgeschrieben werden (Schubart: "Das wird dauern"), zum anderen wolle man die Bewohner des Viertels um die Lauter "erst einmal durchschnaufen lassen".
Wenn schließlich der letzte Abschnitt bis zur Agip-Tankstelle in der Callenberger Straße geschafft ist (zwischen Goldbergsee und Tankstelle gibt es bereits Ufermauern), ist der Hochwasserschutz für das Bahnhofsviertel endlich komplett.