"Ein komisches Gefühl ist es schon", gibt Dekan Pfarrer Roland Huth unumwunden zu. Schließlich schließe die katholische Kirche St. Augustin eben nicht nur für ein paar Wochen, sondern die Türen sind die nächsten eineinhalb Jahre zu. Aber: "Ich sehe die Zeit auch als Chance, zu überlegen, wohin wir als christliche Gemeinde wollen."

Jahrelang geplant

Nach fünf Jahren, solange dauert nun schon die Planung, sei es an der Zeit, dass die Baumaßnahme beginne. Pfarrer Huth hat die Pläne im Pfarrbüro ausgebreitet und erklärt umfassend, welche Arbeiten einschließlich des Neubaus vorgenommen werden. Heute, an Fronleichnam, werden die Gläubigen zum letzten Mal auf den alten Kirchenbänken in dem altehrwürdigen Gotteshaus sitzen, bevor die Kirchentüren bis zum Winter 2015 geschlossen bleiben.


Jetzt heißt es, die Kirche komplett ausräumen, Büsche und Hecken stutzen, bevor im August die Bauarbeiten beginnen. Die Kirchenbänke haben bereits eine neue Verwendung gefunden: "Die Bänke bekommt eine polnische Gemeinde", sagt Pfarrer Huth. Bei den Planungen und intensiven Besprechungen zum Bau habe man Wert darauf gelegt, dass kein Stückwerk, sondern ein stimmiges Gesamtkonzept entstehe. Zum einem sollte die alte Substanz der Kirche saniert werden, es sollte aber vor allem auch ein Raum entstehen, in dem sich eine kleinere Gemeinde wohl fühle, ob bei Trauungen oder Taufen. Die kleine Sakristei solle auch für die Kindergottesdienste genutzt werden, die bisher im gegenüberliegenden Pfarrzentrum abgehalten wurden. Mit dem Anbau entsteht eine Verbindung von alter Kirche und neuem Haus mit barrierefreien sanitären Anlagen. " Das ist ein moderner Punkt in alter Architektur."

Das Konzept sieht vor, dass sich die Wände des neuen Raumes nach außen öffnen lassen. Damit, so Pfarrer Huth, soll auch pastoral etwas ausgedrückt werden, nämlich: "Hier seid ihr willkommen." Freilich sei der Anbau der Kirche nicht nur auf Gegenliebe gestoßen, es habe auch Kritik gegeben. Doch damit kann Pfarrer Huth umgehen. Es fehle bisher ein kleiner Raum der Geborgenheit, und außerdem sieht er in dem Konzept auch einen Schritt in die Zukunft. Auch die Kirche müsse sich den veränderten Gegebenheiten anpassen, die Gemeindestrukturen hätten sich nun mal verändert.

Kosten fünf Millionen Euro

Die Kirche St. Augustin, am Hofgarten gelegen, sei auch einen Visitenkarte der Stadt Coburg, sagt der Pfarrer. Gut fünf Millionen Euro sind für die Baumaßnahme geplant, davon trägt die Diözese den Hauptanteil von 65 Prozent, der Rest der Kosten verteilt sich auf Gemeinde, Stadt, Staat, Stiftungen und Spenden.
Nach den Baumaßnahmen werden die Besucher die Kirche über zwei Ebenen erreichen können, denn das Dach des Anbaus wird begehbar sein. "Es könnte ja dort ein Gottesdienst im Freien abgehalten werden", sagt Pfarrer Huth. Der Platz vor der Kirche soll eine autofreie Zone werden und Ort der Begegnung.

Von außen nach innen

Die Arbeiten werden außen beginnen, bevor die im Jahr 1860 geweihte Kirche saniert wird. Die alte Gruft, die ja von europäischer Bedeutung ist, soll wieder vorzeigbar sein, die marode Freitreppe mit Stufen aus den 1960er-Jahren soll zurück gebaut werden, der Innenraum der Kirche wird komplett ausgeräumt, alle liturgischen Orte wie Taufstein, Altare, Ambo und Tabernakel werden weichen müssen. Das leere Kirchenschiff soll von Künstlern gestaltet werden, ein Wettbewerb läuft bereits. Am heutigen Feiertag werden also die Gläubigen einer besonderen Predigt lauschen. Obwohl eine Predigt zu Fronleichnam immer etwas Besonderes ist - diesmal wird Pfarrer Huth auf das bevorstehende "Exil" eingehen. Gott habe sein wanderndes Volk immer begleitet, sagt Huth.
Während der Bauzeit werden die Sonntagsgottesdienste im Pfarrsaal von St. Augustin abgehalten, alle anderen Gottesdienste im Seelsorgebereich.