Er ist schwierige Situationen gewohnt, kennt sich in Krisentagen aus. Trotzdem hat ihn der Abstieg seiner Mannschaft sehr getroffen: "Es ist total frustrierend", gibt Olaf Teuchert auch einen Tag nach dem "Super-Gau von Friesen" ehrlich zu. Nach einer 1:2-Niederlage gegen den VfR Johannisthal musste der erfahrene Übungsleiter mit dem TBVfL Neustadt/Wildenheid aus der Bezirksliga absteigen.

48 Punkte und positives Torkonto

Und das obwohl der Coburger mit dem Team während der Serie stolze 48 Punkte holte und dabei sogar ein positives Torkonto herausschoss. Aber das zählt jetzt alles nichts mehr: "Ich habe von Anfang an gesagt, dass wir in 38 Spielen mit 20 Mannschaften mindestens 50 Punkte holen müssen. Nur dann bist du auf der sicheren Seite.
Das haben wir nicht geschafft und deshalb steigen wir jetzt ab".

Teuchert analysiert trotz des tief sitzenden Stachels der Enttäuschung nüchtern. Aber er übt auch ordentlich Kritik: Da sei die nicht nachvollziehbare Urlaubsplanung einiger Spieler oder die extrem schwache Trainingsbeteiligung. Der Abstieg hätte sich seit der Winterpause angekündigt.

Zeichen der Zeit nicht erkannt?

"Ich habe Spieler und Verantwortliche immer wieder gewarnt. Aber manche haben einfach die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Alle haben gesagt, die Qualität ist doch vorhanden - wir schaffen das schon".

Und Teuchert redet weiter Tacheles: "Man hat doch am Sonntag genau gesehen, dass unsere Spielweise nichts mit Bezirksliga-Fußball zu tun hat. Wir üben seit Wochen Kurzpassspiel, doch im Spiel schlagen wir dann viele Bälle unüberlegt vorne rein". Allerdings sei man nicht jetzt abgestiegen. Die Mannschaft hätte es schon während der Punktrunde verpasst, die nötigen Punkte zu holen.

Wie es jetzt mit dem TBVfL und speziell mit ihm als Trainer selbst weitergeht? Olaf Teuchert lässt diese Frage offen. Seine Tendenz gehe in Richtung einer Auszeit. "Ich habe zwar zugesagt, dass ich hier weitermache, aber man muss sich jetzt bei diesen neuen Voraussetzungen anständig über die Zukunft unterhalten." Klingt nach Abschied!

Rücktrittsgedanken

Teuchert hätte in der Kreisliga künftig quasi zu jedem Auswärtsspiel näher, als zu einer Trainingseinheit nach Wildenheid. Allerdings schließt er auch nicht aus, beim TBVfL weiterzumachen. Er kann sich nämlich auch einen Neuaufbau in Neustadt vorstellen. "Dann müssen aber ausreichend Spieler zur Verfügung stehen" - sowohl qualitativ, als auch quantitativ.

Doch danach sieht es derzeit beim TBVfL Neustadt/Wildenheid nicht aus. Nach dem Frustspiel von Friesen spielen mehrere Akteure mit dem Gedanken das "sinkende Schiff" zu verlassen. Und mehrere externe Spieler, die Rede ist von vier, haben ihre Zusage beim TBVfL mit dem Verbleib in der Bezirksliga verbunden. Nicht nur aus diesen Gründen ist für heute Abend eine Krisensitzung anberaumt.

Wer kommt - wer geht?

Steffen Müller wird mit dem SC Sylvia Ebersdorf in Verbindung gebracht, Daniel Oppel wird gehen, auch wenn sein Ziel noch nicht feststeht. Einiges spricht für einen Wechsel zum Bezirksliga-Aufsteiger TSG Niederfüllbach, aber auch der TSV Mönchröden soll Interesse haben. Die Zukunft von Stürmer Markus Büchner, der beruflich so gut wie nie trainieren konnte, oder die von Torwart Luca Volk sind ungewiss.

Routinier Michael Pertsch wird Vater und will deshalb kürzer treten. Der Abschied von Fabio Canonne und Marco D'Antimi (beide zum TSV Mönchröden) sowie André Wittmann (SV Ketschendorf) stehen schon seit längerer Zeit fest. Dazu kommen zu allem Überfluss jetzt auch noch mehrere wechselwillige Reservespieler, die sich ab der neuen Serie dem FC Adler Weidhausen anschließen wollen.

Vor großer Herausforderung

Zweifelsohne schwere Zeiten für den Fusionsverein, der aus dem traditionsreichen VfL Neustadt und dem TBV Wildenheid entstand und nicht zum ersten Mal vor einer großen Herausforderung steht. Jetzt wäre ein "Krisen-Manager" wichtig...