Kevin Krawietz und Wesley Koolhof - von Insidern gerne auch kurz als "Koolwietz" bezeichnet - zeigten im Viertelfinale der BMW-Open am Donnerstagnachmittag jede Menge Spielwitz. Und der war auch notwendig, denn mit den beiden eingespielten Australiern John-Patrick Smith und Matthew Ebden hatten sie eine harte Nuss zu knacken, um das angestrebte Ziel bei diesem ATP-250-Turnier zu erreichen.

Das Halbfinale fällt für die beiden aus, denn Yannik Hanfmann, der mit Dominik Koepfer die Gegner in der Vorschlussrunde gewesen wären, musste verletzungsbedingt kurzfristig absagen. Deshalb steht Kevin Krawietz in seiner Wahlheimat bereits im Finale. "Ich bin wahnsinnig glücklich hier in München einmal das Endspiel erreicht zu haben, schließlich habe ich jahrelang hier aufgeschlagen", sagte der Witzmannsberger erleichtert und unmittelbar nach dem Spiel auf dem Centre Court.

Das Viertelfinale war am Ende eine klare Sache. Vor den Augen seiner Eltern Ingrid und Rudolf reichte es für Kevin Krawietz und seinen Partner zu einem 6:4, 6:3 Zwei-Satz-Sieg. "Wir sind nach dem schnellen 2:4-Rückstand gut zurückgekommen und haben danach eine solide Leistung gezeigt", so die treffende Kurzanalyse des zweifachen French-Open-Siegers.

Im Finale gegen zwei Deutsche?

Wenn die an Position Eins gesetzte deutsch-holländische Kombination allerdings das Turnier gewinnen will, muss sich das Duo steigern. Luft nach oben, sprich mehr Potenzial, sollte das nicht eingespielte Doppel noch entwickeln. Gegner im Finale werden die Sieger des einzigen Halbfinales sein. Dort stehen sich heute (Freitag) das Überraschungsdoppel Dustin Brown und Peter Gojowczyk, das dank einer Wildcard startberechtigt ist, und die an Drei gesetzten Belgier Sander Gillé/Joran Vliegen gegenüber.

Zwar gewann der Witzmannsberger sein erstes Aufschlagsspiel, doch sein Partner hatte zu Beginn Probleme bei eigenem Service.

Der 1. Satz

Koolhof wurde zum 1:3 gebreakt. Die Australier nutzten diesen kleinen, aber oft entscheidenden Vorsprun jedoch nicht zum Satzgewinn. "Koolwietz" steigerten sich. Ihnen gelang bei 3:4-Rückstand das erhoffte Re-Break auf dem fast leeren Centre-Court und waren danach nicht mehr zu stoppen. Krawietz servierte nahezu perfekt (5:4) und Smith zeigte Nerven. Die Folge: Das nächste Break und der erste Satz war mit 6:4 unter Dach und Fach.

Der 2. Satz

Mit der Führung im Rücken spielten die Top-Gesetzten befreit auf und gaben jetzt deutlich die Richtung vor. Apropos Rücken: Der zwickte beim Lokalmatador nicht mehr. Wurde Krawietz nämlich noch am Vortag während des Viertelfinales behandelt, so schlug er am Donnerstag wieder schmerzfrei auf. Bei seinem ersten Aufschlagspiel wehrte der Witzmannsberger zwei Breakbälle ab. Die keineswegs enttäuschenden Australier wirkten zunehmend frustriert ob ihrer vergebenen Chancen und hatten bei den entscheidenden Ballwechseln jetzt immer das Nachsehen.

Beim Stand von 3:2 gelang den Favoriten mit tollen Returns das entscheidende Break. Koolhof ballte siegessicher die Faust und sein Partner klatschte nach einem tollen Passierball anerkennenden ab. Kurz danach war Schluss, weil sich "Koolwietz" nun keine Blöße mehr gaben und mit 6:3 siegten. Nicht nur der Applaus seiner Eltern war Kevin in diesem Moment gewiss. Ein dickes Lob gab es nämlich auch noch von seinem Partner: "Kevin kam erst spät aus Barcelona zurück und wir konnten kaum zusammentrainieren, aber es macht viel Spaß mit ihm zu spielen".oph