Derbysieger, Derbysieger, Derbysieger! Der HSC Coburg hat es geschafft. Mit 27:26 (15:18) besiegten die "Gelb-Schwarzen" den fränkischen Rivalen HC Erlangen. In der nur mit Helfern und Funktionären besetzten Ballsporthalle spielten die Gastgeber konzentriert, waren von Beginn an hochmotiviert und perfekt auf den keineswegs übermächtigen Gegner eingestellt. Varvne, Billek & Co. ließen zu keinem Zeitpunkt der wohltuend fairen Partie Zweifel an der aus ihrer Sicht großen Bedeutung dieses Derbys aufkommen. Mit diesem unerwarteten Sieg kratzt der HSC zumindest an diesem Abend an der Erlanger Vormachtstellung in Handball-Franken.

Klar, dass HSC-Aufsichtsratsvorsitzende Matthias Dietz nach der Schluss-Sirene begeistert war und sich euphorisch äußerte: "Nach der schwächeren ersten Halbzeit haben wir uns super gesteigert und verdient gewonnen. Ich bin begeistert von unserem Team, schließlich war es eine saugeile zweite Halbzeit. Ein toller Derbysieg, den wir jetzt genießen."

Eine böse Überraschung erlebte dagegen der Favorit. Die Mannschaft von Trainer Michael Haaß hatte sich das Derby beim Tabellenletzten sicher ganz anders vorgestellt. Während die Gastgeber mit diesem ersten Heimsieg der Saison weiterhin im bislang verzweifelten geführten Abstiegskampf hoffen dürfen, erlitten die Mittelfranken nach ihrem tollen Heimsieg gegen die Berliner Füchse einen unerwarteten Rückschlag.

1. Bundesliga

HSC Coburg gegen

HC Erlangen 27:26 (15:18)

Geburtstagskind Milos Grozdanic brachte den HSC in der 5. Minute mit 3:2 in Front. Gegen die Schlagwürfe der beiden Erlanger Rückraum-Riesen Antonio Metzner und Simon Jeppssen war jedoch kein Kraut gewachsen. Dazu kamen drei entschlossene Aktionen von Nationalspieler Sebastian Firnhaber am Kreis (5:8/11.). Trainer Alois Mraz stellte Konstantin Poltrum für Jan Kulhanek ins Tor - ohne den erhofften Erfolg. Denn auch der zweite Coburger Torsteher brachtet keinen Finger an den Ball.

Neuhold bringt viel Schwung

Dafür lief es jetzt im Angriff besser: Pontus Zetterman, Tobias Varvne und vor allem der für Andreas Schröder gekommene Christoph Neuhold mit drei HSC-Toren in Folge setzten aus dem Rückraum Akzente (9:11/20.). Zwar hatten die Coburger ihren Ex-Kollegen Nico Büdel gut im Griff, doch im Positionsangriff fanden die Gäste immer wieder eine Lücke. Nicht gerade leichter wurde es für den HSC durch zwei Zeitstrafen gegen Abwehrorganisator Drasko Nenadic - der deshalb vorerst auf der Bank Platz nahm. Die Coburger - haderten in dieser Phase mit den beiden Schiedsrichtern, die Varvne und Kreisläufer Stepan Zeman in aussichtsreichen Positionen zurückpfiffen (13:16/27.). Auch deshalb blieb es bis zur Pause beim Drei-Tore-Rückstand der Vestestädter, denen ein paar gehaltene Bälle gut getan hätten.

Gleich nach der Pause durfte wieder Kulhanek ran - eine gute Entscheidung von Mraz. "Wolle" hatte maßgeblichen Anteil am tollen Start in den zweiten Durchgang: Billek und Zeman schlugen eiskalt zu. Plötzlich stand es nur noch 18:19 (37.) - frühe Auszeit Erlangen. Jetzt wurde das Derby emotionaler und der HSC steigerte sich zunehmend.

HSC jetzt wie im Rausch

Erst recht als der Jubilar aus Serbien zum Ausgleich traf und kurz darauf Kapitän Schröder die zweite Führung erzielte (20:19/39.). Varvne, der immer selbstbewusster wurde, machte mit zwei Treffern den 7:2-Lauf der Coburger binnen zwölf Minuten perfekt. Zwei-Tore-Führung Coburg - der Favorit wurde nervös, wackelte, fiel aber nicht. Noch nicht!

Jetzt war es ein Rivalenkampf auf Augenhöhe - rund 3400 Zuschauer in der sicher restlos ausverkauften HUK-Arena wären begeistert gewesen. Auch Publikumsliebling Florian Billek lief zur Höchstform auf. Der Wirbelwind traf von Außen und sogar vom Kreis: 25:23 und nur noch acht Minuten auf der Uhr - Crunchtime im Derby.

Die Gäste glichen nicht nur schnell aus, sondern kamen in Überzahl durch ein tolles Tor von Rechtsaußen Floria von Gruchalla auch zur Führung (25:26/55.) - Auszeit HSC. Mit durchschlagenden Erfolg, denn der HSC drehte die Partie. Natürlich dank Varvne - der unermüdliche Kämpfer wuchtete den Ball in die Maschen zum 27:26. Auszeit Erlangen, noch 26 Sekunden. Doch die HSC-Abwehr stand perfekt und ließ nichts mehr anbrennen. Es war vollbracht. Derbysieger, Derbysieger, Derbysieger...

Die Statistik

HSC 2000 Coburg: Kulhanek, Poltrum - Sproß, Kelm, Nenadic, Billek (5/1), Mustafic, Zetterman (1), Varvne (7), Schikora, Dettenthaler, Zeman (3), Grozdanic (7/2), Schröder (1), Neuhold (3)

Trainer: Alois Mraz

HC Erlangen: Ziemer, Ferlin, Sellin - Overby, Fäth, Kellner, Firnhaber (5), Ivic (2), Büdel (1), Bissel (3), Schäffer, Metzner (7), Link, Gruchalla (1), Jeppsson (7), Olsson - Trainer: Michael Haaß

Schiedsrichter: Colin Hartmann/Stefan Schneider

Spielfilm: 2:2 (3.); 5:5 (8.); 7:10 (16.); 9:12 (21.); 11:15 (23.); 14:17 (28.); 15:18 (30.) - 19:19 (37.); 22:21 (44.); 23:22 (48.); 25:23 (51.); 25:25 (53.); 26:26 (57.); 27:26 (59.).

Zeitstrafen: Nenadic (2), Zeman / Firnhaber, Bissel, Ivic, Link

Siebenmeter: 3/4 Billek trifft einmal; Grozdanic verwandelt zweimal, scheitert einmal / 1/1 Ivic

Beste Spieler: Varvne, Neuhold / Metzner

KOMMENTAR von Christoph Böger

Glücksgefühle Mindestens für einen Abend darf sich der HSC Coburg als die Nummer 1 in Handball-Franken fühlen. Der Auftritt der "Gelb-Schwarzen" am Donnerstagabend in der HUK-Arena war beeindruckend. Kampfgeist pur - so kann es mit dem Klassenerhalt doch noch etwas werden. Nicht nur für Matthias Dietz war es ein "saugeiler" Abend!

Und dabei hat der Neuling aus der Vestestadt vom Aufstieg bisher kaum profitiert. Tristesse statt Euphorie herrscht auf den Rängen im Sporttempel.

Corona hat den Plänen des HSC bisher einen Strich durch die Rechnung gemacht. Anstatt Team und Umfeld weiter zu entwickeln, bremste der Virus den Aufsteiger jäh aus. Dieser Derbysieg macht Mut und wird zusätzliche Kräfte frei machen.

Aber selbst wenn es sportlich am Ende nicht zum Klassenerhalt in der 1. Liga reichen sollte, wirtschaftlich wird die Pandemie diesen Klub mit seinen ehrgeizigen Machern an der Spitze nicht in die Knie zwingen. Den treuen Sponsoren sei Dank - allen voran der HUK Coburg, die den Handball in Coburg in finanziell schwierigen Zeiten nicht im Stich lassen wird.

Zum Unterlegenen und der eigentlichen Nummer 1 im Frankenland: Der HC Erlangen ist im wahrsten Sinne des Wortes gut aufgestellt, doch der nächste Schritt wird kein leichter sein. Erlangen will endlich raus aus dem Niemandsland der stärksten Liga der Welt, dauerhaft am liebsten in einstellige Tabellenregionen vorstoßen. Starke Leistungen wie zuletzt gegen die Füchse Berlin gibt es immer wieder. Aber reicht das? Die Verpflichtung eines auf Champions-League-Niveau agierenden Spielers für die Position im zentralen Rückraum steht im Raum. Auch ein international anerkannter Sportdirektor soll installiert werden - ehrgeizige Pläne, um den HCE auf das nächste Niveau zu hieven.

c.boeger@infranken.de