Ein Enfant terrible ist sprichwörtlich ein "schwarzes Schaf". Im Sport ist das oft ein Spieler, der sich provokant über Regeln und Vereinbarungen hinwegsetzt, damit bei seinen Teamkollegen aneckt oder sie sogar schockiert. Ein solcher Typ wird aber oft auch als Draufgänger bewundert, einer der den Unterschied ausmacht und dem Team mit seiner individuellen Klasse weiterbringt. Der HSC 2000 Coburg hat seinen Kader möglicherweise exakt mit so einem besonderen Spieler ergänzt: Florian Billek (26) bringt auf den ersten Blick nämlich genau alles das mit, was einen solchen Sportler ausmacht.
Spektakuläre Flugeinlagen, Diagonalsprints über die gesamte Platte, mitreisende Torjubler, die Faust! Adrenalin pur.

Tätowierter Draufgänger

Der auffällig tätowierte Draufgänger avancierte am Samstag in der ersten Hälfte mit fünf Toren schnell zu einem neuen Publikumsliebling in der Arena. Die Fans waren von dem 1,87 Meter großen Ex-Erstligaspieler begeistert. Ein Rechtsaußen, wie ihn Handball-Coburg noch nicht gesehen hat! Nach seinem tollen Debüt war er begeistert und stellte zufrieden fest: "Das Wichtigste war, dass wir zwei Punkte geholt haben. Darauf lässt sich aufbauen."
Trotz seiner herausragenden Leistung musste der ehemalige Zögling von Jan Gorr zu Hüttenberger Zeiten schon nach 21 Minuten für Kapitän Ronny Göhl Platz machen und durfte erst in der 46. Minute wieder auf die Platte. Eine lange Verschnaufpause für so ein Energiebündel.
Vielleicht zu lange, denn Billek, der sich immer wieder über Emotionen zu Höchstleistungen anspornt, brachte mit einer Unbeherrschtheit seinen Trainer kurz nach dem Comeback zur Weißglut.
Jan Gorr feuerte seine grüne Auszeit-Karte wütend in die erste Zuschauerreihe, weil Billek völlig unnötig meckerte und eine dumme Zeitstrafe kassierte. Das mag Gorr gar nicht.

Disziplinarische Sofortmaßnahme

Für derartige Undiszipliniertheiten hat der Coburger Trainer absolut kein Verständnis. Er würdigte anschließend seinen Neuzugang keines Blickes mehr und reaktivierte sofort den schon auf Feierabend eingestellten Göhl.
Nach Ablauf der Zeitstrafe stellte sich Gorr demonstrativ Billek in den Weg, als der nach seiner Buße wieder aufs Feld sprinten wollte. Eine disziplinarische Maßnahme. Ohne Kompromisse. Ohne Zögern und Zaudern. Bitter für Billek, perfekt für Gorr. Spätestens jetzt hat auch der letzte Spieler im Kader kapiert, wer der Chef beim HSC ist. Gorr nach dem Spiel: "Emotionen gehören dazu, da bin ich auch dabei, wir müssen das aber besser lösen."
Die Bezeichnung Enfant terrible kommt übrigens aus dem Französischen und bedeutet wörtlich übersetzt "schreckliches Kind" - ein solches ist Florian Billek sicher nicht.
Aber der coole Typ, der zwischen den Trainingseinheiten gerne mit seiner attraktiven Freundin und einer Cappy mit Schild nach hinten durch Coburgs Straßen bummelt, ist ein weiterer interessanter Farbtupfer im bunten HSC-Kader. Auf seine spektakulären Tore, aber auch auf seine persönliche Entwicklung darf Handball-Coburg sehr gespannt sein. Egal ob mit oder ohne die eine oder andere Entgleisung.