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Coburg
Basketball

Der Bamberger Weg in Coburg

Trainertalent Valentino Lott hat in der neuen Saison das Sagen beim BBC Coburg. Dabei ist der 28-Jährige längst nicht der einzige Bamberger Import in der Vestestadt. Weitere sollen durch die geplante Kooperation mit Brose Bamberg folgen.
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Der gebürtige Bamberger Valentino Lott durchlief sämtliche Leistungsmannschaften im Jugendprogramm von Brose Bamberg, konzentriert sich seit einigen Jahren aber voll auf seine Trainerkarriere.  Foto: Hagen Lehmann
Der gebürtige Bamberger Valentino Lott durchlief sämtliche Leistungsmannschaften im Jugendprogramm von Brose Bamberg, konzentriert sich seit einigen Jahren aber voll auf seine Trainerkarriere. Foto: Hagen Lehmann

Die A73 gute 60 Kilometer in Richtung Norden fahren und nach knapp 40 Minuten ist es geschafft - die Strecke zwischen Bamberg und Coburg. Valentino Lott, ab der neuen Spielzeit Cheftrainer des Basketball-Drittligisten BBC Coburg, nimmt diesen Weg fast jeden Tag auf sich. Der Basketball ist selbst auf der Autobahn fast immer Thema.

Am Mittwochnachmittag nahm sich der 28-jährige gebürtige Bamberger, Sohn eines US-Amerikaners und einer deutschen Mutter, die Autofahrt Zeit, um seine Spielidee und Ziele für die nächste Saison zu erläutern. Noch mehr ins basketballerische Detail geht es, wenn die Bamberger BBC-Fraktion um Lott, den letztjährigen Cheftrainer und neuen Sportlichen Leiter Ulf Schabacker sowie die Spieler Timo Dippold und Sven Lorber eine Fahrgemeinschaft bilden. Den Fünfsitzer komplettieren könnte Jessica Miller, die neue Coburger Assistenztrainerin, ebenfalls wohnhaft in Bamberg.

Zum Kleinbus fehlt da nicht mehr viel - erst recht nicht, wenn die angepeilte Kooperation zwischen dem neunfachen deutschen Meister Brose Bamberg und dem BBC in naher Zukunft festgezurrt wird. Bereits seit vergangenem Sommer wird über eine engere Zusammenarbeit der beiden Klubs getuschelt, spätestens nach dem Baunacher Ausscheiden als Brose-Farmteam scheint Bewegung in die Sache zu kommen. "Es ist logisch, dass wir als Hauptsponsor in Coburg und in Bamberg natürlich Interesse daran haben, dass zwischen beiden Klubs eine abgestimmte Arbeit stattfindet", erklärte Michael Stoschek, Aufsichtsratsvorsitzender bei Brose Bamberg, am Dienstag.

Gespräche über eine Kooperation sind nicht zuletzt aufgrund der Tatsache ins Stocken gekommen, dass der Bundesligist zuletzt munter sein Führungspersonal tauschte. Johan Roijakkers beerbte Roel Moors als Trainer, Philipp Galewski Arne Dirks als Geschäftsführer. "Das Thema liegt auf dem Tisch und ist sehr wichtig", sagt BBC-Trainer Lott. "Nach diesen personellen Wechseln ist es aber klar, dass wir uns noch etwas gedulden müssen. Ich bin mir aber sicher, dass in den nächsten Wochen, hoffentlich schon in den nächsten Tagen, etwas passieren wird."

BBC will nicht nur ausbilden

Willig sind beide Parteien, es geht nur um die Rahmenbedingungen der Partnerschaft. Denn ein zweites "Baunach", sprich ein reines Brose-Ausbildungsteam, wollen die Coburger nicht sein. Das hatten die BBC-Verantwortlichen in den vergangenen Monaten fast schon gebetsmühlenartig wiederholt. Coburg setzt zwar bei seinen Akteuren auf die Gütesiegel "hungrig" und "fränkisch", verfolgt aber mit dem mittelfristigen Ziel "Aufstieg in die ProA" nicht nur Ausbildungserfolge.

Coburger Leistungsträger etwa wie der gebürtige Bamberger Christopher Wolf (25), Constantin Ebert (24) und Daniel Urbano (24, beide Würzburg) sind zwar noch entwicklungsfähig, aber bereits über den Status "Talent" hinaus. Über diesen verfügen aber zweifellos die Ex-Baunacher wie Elias Baggette (18), Moritz Plescher (19) oder Kay Bruhnke (19) - drei potenzielle Doppellizenz-Kandidaten für Bamberg und Coburg. Konkrete Spielernamen lässt Lott unkommentiert, verrät aber seine generelle Wunschvorstellung. "Es wäre hilfreich für uns, zwei, drei Spieler unter 20 Jahren zu haben, die perspektivisch in die Bundesliga wollen. Diese könnten sich bei uns auf ProB-Level entwickeln und maximal gefördert werden", so Lott.

In der vergangenen Saison kooperierten die Coburger mit dem Bundesligisten Medi Bayreuth. Die Talente Nico Wenzl, Jevon Perschnick und Johannes Krug wurden mit einer Doppellizenz ausgestattet und trainierten abwechselnd bei beiden Klubs mit. Bayreuths Trainer Raoul Korner hatte sich allerdings mehr versprochen, wie er in einem Interview auf der Vereinshomepage verriet: "Die Kooperation mit dem BBC Coburg hat sich in logistischer und sportlicher Hinsicht als nicht sinnvoll erwiesen."

Aus Coburger Sicht bilanziert Lott etwas positiver und spricht von wertvollen Erfahrungen. "Es kamen viele Faktoren zusammen, die man nicht beeinflussen kann. Beide Vereine hatten großes Verletzungspech und hatten teilweise nur noch neun Spieler im Training, das führte zu Problemen", sagt der 28-Jährige. "Und bei vier bis fünf Fahrten pro Woche war die Fahrzeit von 1:15 Stunden schon problematisch. Die Jungs waren am Ende des Tages länger auf der Straße als in der Halle."

In fränkischen Basketballhallen hielt sich Lott, der in Walsdorf (Landkreis Bamberg) aufgewachsen ist, bereits in jungen Jahren am liebsten auf. Der 1,82-Meter-Mann durchlief als Aktiver alle Leistungsteams im Jugendprogramm von Brose Bamberg - der Sprung in den Profibereich blieb ihm aber verwehrt. "Die beste Definition, die ich über mich als Spieler gehört habe, war, 'eine wilde 2' (Anm. d. Red: 2 ist die Position des Shooting Guards)", sagt Lott grinsend. Mittlerweile hat er seine Sneakers an den Nagel gehängt und sich ganz dem Trainerdasein verschrien.

Durchbruch in Thüringen

Bereits im Alter von 19 Jahren sammelte Lott erste Trainererfahrungen bei der Damenmannschaft des SC Kemmern. "Ich habe irgendwann gemerkt, dass ich mit meiner Art Spielerinnen und Spieler weiterbringen kann und das, was ich sage und mache, auch Erfolg hat", erklärt der Bamberger seinen frühen Einstieg in den Coachingbereich.

Nach dem Abitur zog es Lott nach Wien, wo er zwei Jahre lang Betriebswirtschaftslehre studierte. Sein damaliges Hobby verlor er dabei etwas aus den Augen. "Als ich wieder in Bamberg war, habe ich eine Jugend-Auswahlmannschaft betreut, aber professionell als Trainer zu arbeiten, hatte ich nicht wirklich auf dem Schirm", erzählt er. In Schwung kam Lotts Trainerkarriere dann schließlich 2016, als ihn die Bamberger Wolfgang Heyder und Florian Gut ins ambitionierte Programm der Rockets Gotha/Erfurt holten.

In Thüringen war Lott als Tausendsassa gefragt: er trainierte die U14, U16, die zweite Mannschaft in der 2. Regionalliga, war als Videocoach der "Ersten" in der ProA und BBL aktiv und schnürte sogar zwischenzeitlich selbst seine Schuhe in der Regionalliga. Sein großes Engagement blieb auch 120 Kilometer südlich nicht verborgen. Zu Beginn der vergangenen Spielzeit sicherte sich der BBC Coburg die Dienste von Lott. Als Co-Trainer beerbte er zunächst Johannes Wunder. Sein Stellenprofil: "Assistent plus". Da Schabacker als Geschäftsführer eines Veranstaltungsservice vielfältig eingespannt ist, bekam Lott bereits viele Freiheiten in der Trainingssteuerung.

Schabacker und Jasikevicius

Einen Vertrauensvorschuss, den der baldige Inhaber einer B-Lizenz nachweislich nutzte. Die Entwicklung zum Coburger Headcoach bezeichnet Lott daher als "sehr organisch". "Für Außenstehende mag es eine Überraschung gewesen sein, für die Spieler sicher nicht."

Für Lott ist Schabacker, der dem BBC als Sportlicher Leiter und Assistenztrainer erhalten bleibt, ein echtes Vorbild: "Er ist ein sehr emotionaler Trainer, der Spieler, die nicht 100 Prozent geben, so anpacken und motivieren kann, dass sie es wieder tun."

Eine Qualität, die auch Lotts zweites Vorbild, Sarunas Jasikevicius, neuer Trainer des Euroleague-Klubs FC Barcelona, mitbringt. Der BBC-Coach bewundert am Litauer den besonderen Draht zu seinen Akteuren und wie schnell er den Übergang vom früheren europäischen Spitzenspieler zum Toptrainer geschafft hat.

Bekannt ist Jasikevicius seit jeher für seine Blicke, die "töten" können. Hat die Lott auch schon in seinem Repertoire? "Wenn man die Fotos durchgeht, die es von mir an der Seitenlinie gibt, würde ich sagen, nein", sagt er und fügt lachend hinzu: "Aber ich kann auch anders."

Die Vorbereitung des BBC Coburg auf die ProB-Saison 2020/21

Der BBC Coburg hat die Vorbereitung auf die im voraussichtlich Mitte Oktober startende ProB-Spielzeit bereits im Juni aufgenommen. Nach einigen Einheiten unter strengen Corona-Auflagen dürfen die Coburger Basketballer seit dieser Woche wieder mit Kontakt trainieren. "Die Freude war groß. Die Jungs sind heiß drauf, wieder ordentlich zu trainieren, schließlich ist Basketball ja ein Kontaktsport", sagt Trainer Valentino Lott. Neben aktuell zwei Basketball-Einheiten in der Halle stehen für die BBC-Spieler noch vier Konditions- bzw. Krafteinheiten pro Woche auf dem Programm. Aufgrund der außergewöhnlich langen Vorbereitungsphase möchten Lott und seine Assistenten Jessica Miller und Ulf Schabacker die Belastung wohl dosieren und der Mannschaft bis Mitte Oktober auch den einen oder anderen freien Tag oder ein langes Wochenende gönnen. Christopher Wolf, Constantin Ebert, Daniel Urbano, Sven Lorber und Timo Dippold stehen unter Vertrag. Das Quintett wird im Training aktuell von Coburger Jugendspielern, ehemaligen BBC-Akteuren und anderen Gastspielern ergänzt. Die weiteren Personalplanungen auf den deutschen Positionen hängen stark von der möglichen Zusammenarbeit mit Brose Bamberg zusammen. In Kontakt stehen die BBC-Verantwortlichen weiter mit den letztjährigen Importspielern Princeton Onwas und Tidjan Keita. Die Coburger würden mit beiden gerne weiter zusammenarbeiten, Lott rechnet aber auf dem komplizierten Spielermarkt im Corona-Jahr nicht mit einer zeitnahen Entscheidung.