"Wir hören nicht auf zu spielen", brüllt BBC-Trainer Valentino Lott seinen Mannen zu. Zu dem Zeitpunkt laufen gerade die letzten Sekunden von der Anzeigetafel in der Strullendorfer Hauptsmoorhalle herunter. Das Spiel zwischen dem BBC Coburg und den EPG Baskets Koblenz ist beim Stand von 99:72 längst entschieden. Doch der 29-jährige Lott lässt genauso wie sein Team nicht locker, zeigt bis zur letzten Sekunde Einsatz und Leidenschaft.

Sein Gegenüber, Danny Rodriguez, ein Jahr älter, konnte beziehungsweise durfte das nicht. Nach seinem zweiten technischen Foul musste der Koblenzer Trainer bereits vor der Schlusssirene die knapp 30 Stufen zu den Kabinen in der Trainingshalle von Brose Bamberg erklimmen. "Ihr seid so lächerlich", kam Rodriguez eine Minute zuvor in Richtung der Unparteiischen über die Lippen. Spätestens als der 30-Jährige in der Gästekabine angekommen war, dürfte ihm aber klar gewesen sein, dass die Schiedsrichter an diesem Tag das geringste Problem seiner Mannschaft waren. Während das Frustlevel von Rodriguez ob der 27-Punkte-Niederlage seiner Mannschaft zu dem Zeitpunkt seinen Höhepunkt erreicht haben dürfte, darf Lott wenige Momente nach Spielende auf dem Parkett über Luxusprobleme sprechen.

Sein Team hatte die "magische 100" um einen Zähler verpasst. Den "Wermutstropfen" an diesem Abend grinst der BBC-Coach weg: "Das war heute definitiv eine der besten Saisonleistungen. Wir haben eine Mannschaft mit vielen guten Offensivspielern bei 72 Punkten gehalten, mit 27 Punkten gewonnen. Das haben wir schon ganz gut gemacht. Offensiv hat sich jeder der zehn Spieler eingebracht und gepunktet, das ist sehr erfreulich."

Den Sieg widmeten die Coburger auch ihrem Kapitän. "Wir spielen auch für Chris", sagte Topscorer Constantin Ebert. Bei Christopher Wolf war bei Untersuchungen ein Geschwür an der Lunge festgestellt worden. "Wir haben nicht nur einen sehr wichtigen Spieler verloren, sondern das war natürlich auch menschlich ein Schock. Wir hatten das schon einige Tage im Kopf." Inzwischen sieht es stark danach aus, als hätte Wolf Glück im Unglück gehabt: Die schlimmsten Befürchtungen bestätigten sich nicht. Der Kapitän konnte das Spiel gemeinsam mit seinen Teamkollegen von der Bank aus verfolgen.

Pro B Süd

BBC Coburg -

EPG Baskets Koblenz 99:72

(27:20, 20:19, 25:15, 27:18)

Der Begriff des funktionierenden Kollektivs wird im Sport zuweilen überstrapaziert, doch am Samstagabend war ein solches beim BBC Coburg tatsächlich zu sehen. Sieben Coburger Akteure erzielten mindestens acht Punkte und kamen auf einen Effektivitätswert von zwölf. Und auch die drei statistisch unauffälligen Spieler - Johannes Mavridis, Lucas Wobst und Adrian Bergmann - trugen vor allem mit ihrer Energie in der Defensive dazu bei, dass nie ein Bruch ins Coburger Spiel kam. "Jeder Spieler ist selbstbewusst genug, um Aktionen zu setzen. Es gibt bei uns nicht den Spieler, den wir hervorheben wollen", erklärt Lott. "Heute war es Consti Ebert, der eine klasse Leistung gezeigt hat, in einem anderen Spiel ist das jemand anderes. Das macht uns unberechenbar, das macht uns gefährlich."

Gefährlich waren Ebert und Co. für die ambitionierten Koblenzer von der ersten Minute an. Gefremdelt haben die Coburger bei ihrem Heimspiel in Strullendorf dabei zu keiner Sekunde. Das war auch nicht zu erwarten, schließlich kennen die BBC-Akteure, insbesondere die Ex-Baunacher, die sieben Kilometer entfernte Halle von Bamberg genauso gut wie die HUK-Arena. Coburg-typisch drückten die Gastgeber nach Ballverlusten und Fehlwürfen ihres Gegners aufs Gaspedal und forcierten leichte Punkte durch Schnellangriffe. Das taten nicht nur die Guards, sondern auch die großen Spieler. Beispielhaft die Szene, die zur ersten zweistelligen BBC-Führung nach 14 Minuten führte. Der 2,04 Meter große Power Forward Mateo Seric dribbelte über das ganze Feld, traf den Korbleger zwar nicht, doch Doppellizenz-Kollege Moritz Plescher war mit dem "Tip-in" zur Stelle (36:25). Dass es Seric auch selbst kann, bewies der Rechtshänder knapp zwei Minuten mit einem krachenden Dunk - mit der linken Hand.

Doch den Gästen aus Rheinland-Pfalz gelang es in den ersten 20 Minuten trotz des guten Coburger Auftritts in Schlagdistanz zu bleiben (47:39). Vor allem dank des US-Guards Daryl Woodmore und des deutschen Power Forwards Brian Butler. Letzterer war der einzige Koblenzer, auf den der BBC über die gesamte Spieldauer keine Antwort fand. Mit seiner Mischung aus Körperlichkeit und Athletik war der 29-Jährige im Eins-gegen-Eins von keinem Coburger zu bändigen. Mit zwei kraftvollen Dunkings stellte er auch die Korbanlagen in Strullendorf vor eine Belastungsprobe. Diese hielten dem Druck - wohl auch zur Freude der BBC-Verantwortlichen - stand. Mit 24 Punkten und 14 Rebounds war Butler der effektivste Spieler des Abends, aber nicht der Spieler des Spiels.

Denn dafür enttäuschte seine Mannschaft im zweiten Durchgang zu sehr. Während der BBC die Intensität im dritten Viertel mindestens halten konnte und den Ball im Setplay noch flüssiger bewegte, gingen den EPG Baskets, die auf einige Akteure verzichten mussten, die Kräfte aus.

Überhaupt nicht mehr zu halten war nach der Halbzeitpause Spielmacher Constantin Ebert, dem insgesamt 24 Punkte bei 70-prozentiger Wurfquote gelangen. Bei seinem Dreier zum 62:47 (25.) drehte sich der gebürtige Würzburger bereits bevor der Ball durch das Netz flog, um - das spricht für jede Menge Selbstbewusstsein. Ebert war es dann auch nach dem ersten technischen Fouls des Gästetrainers an der Freiwurflinie vorbehalten, den Vorsprung erstmals auf 20 Punkte hochzuschrauben (69:49, 28.). Der Koblenzer Widerstand war endgültig gebrochen.

Dass den EPG Baskets ausgerechnet im dritten Viertel der Zahn gezogen wurde, war für die Coburger eine Genugtuung. Schließlich brach der BBC bei der deutlichen Hinspielniederlage (103:85) in Koblenz im gleichen Spielabschnitt völlig (37:20) ein. "Wir haben das Hinspiel mit 18 verloren, das war damals schwer zu verdauen, nachdem wir mit viel Euphorie in die Saison gestartet waren. Das haben wir denen jetzt definitiv zurückgezahlt", so Lott nach der Partie.

"Spielt nicht wie Magic Johnson!"

Dass der Coburger Coach mit seinem Team auch den direkten Vergleich unbedingt gewinnen wollte, war ihm bei seiner lautstarken Ansprache vor dem letzten Viertel bei einer zwischenzeitlichen Führung von genau 18 Punkten (72:54) anzuhören. Der 29-Jährige kritisierte sogar das "overpassing" seiner Mannschaft, die es für zwei, drei Minuten mit der Uneigennützigkeit übertrieb. "Spielt nicht wie Magic Johnson!", warnte Lott sein Team in Anspielung auf einen der besten Point Guards aller Zeiten, der in den 1980er Jahren für seine kreativen Anspiele bekannt war. So ganz befolgen konnten die Coburger die Anweisung ihres Trainers dann doch nicht. Denn der BBC sorgte auch im vierten Viertel für einige magische Momente. Der Gewinn des direkten Vergleichs und der achte Sieg in Folge waren damit perfekt.

Die Statistik

BBC Coburg: Ebert (24 Punkte), Seric (14, 7 Rebounds), Bulic (14, 6 Rebounds), Lorber (10, 5 Assists), Urbano (9), Plescher (9, 6 Assists), Dippold (8), Mavridis (5), Wobst (4), Bergmann (2)

Baskets Koblenz: Butler (24, 14 Rebounds), Woodmore (16, 7 Assists), Mayer (11), Thompson (8), Westerhaus (5), Lübken (4), Jean-Louis (4), Schaake, Wellian