Hakan Balkan, HSC-Gründungsmitglied und Tausendsassa in Sachen Werbepartner, Busfahrer und früher auch "Koch" bei Auswärtsspielen, hat mit dem HSC Coburg sehr viel erlebt. So viel wie kaum ein anderer. Am 27. Oktober 2001 betreute er während des Auswärtsspiels beim TSV Friedberg die Tochter von HSC-Spieler Elvedin "Elvis" Mustafic. "Babysitter" Balkan meisterte die Aufgabe mit Bravour. Bei einer 11:3-Führung strahlte er mit der dreijährigen Sara um die Wette. Nebenbei kümmerte er sich um einen großen Topf Spaghetti mit Hackfleischsoße.

Doch plötzlich lief alles schief: Sara quengelte, Friedberg holte auf, Hakan huschte zwischen Kochtopf, Sara und dem Spielfeldrand hin und her. Am liebsten wäre der Heißsporn den Schiedsrichtern an den Kragen, denn die spuckten dem HSC mächtig in die Suppe: Es gab rote Karten für Dirk Wolf und Thomas Steichele; Karel Jindrichovsky und Martin Glier schieden verletzt aus. Die Folge: Mit einem 12:2-Lauf drehte Friedberg die Partie, gewann 24:21. "Vom Traumhandball zum Alptraum" titelte das Tageblatt.

Der Multitasker

Das war zu viel für den Multitasker. In seiner ganzen Wut und Erregung landete das Essen beim Abgießen im großen Waschbecken der Umkleidekabine. Der HSC wurde später dennoch mit sieben Punkten Vorsprung vor Erlangen Bayerischer Meister und stieg in die Regionalliga auf. Aber warum musste Balkan sich überhaupt um Sara Mustafic kümmern? Die heute beim ESV Regensburg in der 3. Liga aktive Spielerin bekam just an diesem Tag ein Brüderchen, den heutigen HSC-Spieler Dino Mustafic.

Der "clevere Apfel"

Zwei Jahre später, am 4. Oktober 2003, gastierten die Coburger zum zweiten Mal in der Lutherstadt beim SV Wittenberg-Piesteritz. Sie gewannen das packende Regionalligaspiel knapp mit 31:30. Während ein Großteil der Mannschaft noch den Erfolg lautstark feierte, duschte der damalige Torhüter und jetzige Vorstandssprecher Stefan Apfel schon genüsslich, ausgiebig und mit warmen Wasser. Das blieb seinen Teamkollegen versagt. Denn die Zahl der Duschmarken war begrenzt. Der "clevere Apfel" nutzte seinen Wissensvorsprung aus dem Vorjahr.

Das Wunder von Potsdam

Am vorletzten Spieltag der Saison 2002/03 musste der HSC beim VfL Potsdam ran. Die Vestestädter siegten in einer wahren Schlacht hauchdünn mit 27:26 und alle Kontrahenten im Abstiegskampf verloren. Der HSC schaffte das nicht für möglich gehaltene Handball-Wunder und war gerettet. Mann des Spiels war der während der Saison verpflichtete DDR-Nationalspieler und Olympiateilnehmer von 1988, Jens Fiedler. Er erzielte fünf Treffer. Welch eine Energieleistung des lange Zeit abgeschlagenen Schlusslichtes: Vor dem Hinrunden-Spiel gegen Potsdam hatte der HSC 3:25 Punkte, am Ende waren es 28:36 - Wahnsinn!

Die Aufstiegsfeiern

Anger, Café Anders, Rathausbalkon und dann im Netz Der HSC hatte sich seine Aufstiegsfeier zum 20-jährigen Jubiläum ganz anders vorgestellt, doch die Pandemie machte dem Klub im Sommer 2020 einen Strich zu die Rechnung.

Alle geplanten Aktionen fielen aus, der zweite Erstliga-Aufstieg wurde nur im Netz virtuell gefeiert. Kaum Emotionen. Das war in der Nacht vom 4. Juni 2016 bei lauen Temperaturen anders. Als damals die Coburger Handball-Helden im Steinweg eintrafen und von Hunderten Fans empfangen wurden. Stunden zuvor hatten sie bei den Handballfreunden Springe zwar eine 22:25-Niederlage kassiert, aufgrund der besseren Tordifferenz jedoch Platz Drei vor der TSG Friesenheim verteidigt. 5930 Tage nach Vereinsgründung war der HSC erstklassig.

Die Aufstiegsfeier nur zehn Stunden später auf dem Coburger Marktplatz mit einem Empfang auf dem Rathausbalkon bleibt bis heute für viele Fans unvergessen. Neun Jahre zuvor war alles etwas gediegener. Nach dem letzten Spieltag am 17. Mai 2007 musste das Dach des Café Anders und der davor liegende Biergarten für die spontanen Festivitäten nach dem ersten Zweitliga-Aufstieg herhalten. Und beim ersten Aufstieg 2002 in die Bayernliga wurde noch direkt vor der inzwischen abgerissenen Angerhalle getanzt und gesungen. Das war am 9. Mai nach der erfolgreichen Relegation gegen SG Bietigheim/Metterzimmern, TV Oppenweiler, SG LVB Leipzig und SG Haslach-Herrenberg-Kuppingen.