Große Gegensätze enthielt das Programm des letzten Sinfoniekonzerts dieser Spielzeit unter der Leitung von Roland Kluttig. Wurde doch ein zeitgenössisches avantgardistisches Werk einer romantischen Sinfonie gegenüber gestellt.


Bei dem modernen Werk handelte es sich um ein Orchesterwerk mit Frauenstimme von dem Würzburger Kompositionsprofessor Klaus Ospald, dem das Rückert-Gedicht "Ungefroren ist die Erde" aus den "Kindertotenliedern" zugrunde liegt. Die Komposition ist Teil eines größeren Opus und kam hier in einer reduzierten "Coburger Fassung" zur Uraufführung.


Sphärische Klänge aus Einzeltönen und Akkorden, teilweise mit Tonverfremdungen bilden interessante Klangflächen, in welche die Singstimme wie ein Instrument integriert wird.
Die in Coburg bestens bekannte Sopranistin Hanna Herfurtner bewältigte den anspruchsvollen Part mit klarer, sauber intonierender Stimme und feinem Gespür für ausdrucksvolle Gestaltung.


Für die schwierigen Einsätze war bisweilen eine Stimmgabel nötig; feines Gehör zeigte die Sängerin auch bei den gelegentlich geforderten Vierteltönen. Das Orchester zeigte sich den ungewöhnlichen Aufgaben dieser Musik in jeder Phase gewachsen, sicher geleitet von ihrem mit modernen Werken bestens vertrauten Dirigenten Roland Kluttig, der - wie er eingangs bemerkte - zum ersten Mal in seiner Coburger Zeit eine Uraufführung im Programm hatte. Der anwesende Komponist konnte sich mit den Ausführenden über reichen, anhaltenden Beifall freuen.


Die beliebteste und am häufigsten gespielte Sinfonie Anton Bruckners ist die 7. in E-Dur. Wegen ihr vor allem hatte man auch den akustisch dankbaren Kirchenraum gewählt, in dem erst die gewaltigen Klangwogen seiner Werke so richtig zur Wirkung kommen. Die Sinfonie ist König Ludwig II. von Bayern gewidmet und hat noch eine weitere Besonderheit: Während der Komposition des Adagios traf die Nachricht vom Tod Richard Wagners ein und Bruckner beendete den Satz mit einer Trauermusik für den verehrten Meister.


Bewegende Aufführung

Man erlebte in der Morizkirche eine weihevolle, bewegende Aufführung dieses gewaltigen Werks mit einem üppig klangvoll agierenden Orchester und Roland Kluttig als überlegenem Klangregisseur, der durch organische Steigerungen und eine reiche dynamische Palette großartige Geschlossenheit erreichte. Weihevoll klangen die verwendeten Wagnertuben, gewaltig und majestätisch das vereinigte Blech, geschmeidig und beweglich die Holzbläser, ausdrucksvoll in allen Lagen die Streicher.


Mit stehenden Ovationen und minutenlangem Beifall dankten die Zuhörer Orchester und Dirigent für diesen erhebenden musikalischen Genuss.