Bach und Händel, Buxtehude und Telemann - wer würde heute bei diesen Namen noch wirkliche Überraschungen erwarten. Interpretatorisch ist eigentlich schon alles ausprobiert worden - vom romantisierenden Gestus eines Karl Richter bis zum entschlackten Klangbild auf den Spuren von Nikolaus Harnoncourt, Ton Ko opman und vielen anderen Verfechtern der sogenannten historischen Aufführungspraxis.

"Kleine Gaben des Himmels"

Dennoch sind selbst auf diesem scheinbar gut bestellten Feld noch Entdeckungen möglich, wie das Gastspiel des Ensembles "Fontana di Musica" im großen Saal des Pfarrzentrums St. Augustin beweist: Bach und Händel lassen sich auch im Jahr 2013 noch verblüffend neu, ja aufreizend anders spielen.
"Kleine Gaben des Himmels" - unter diesem Etikett präsentiert das erst vor vier Jahren gegründete Ensemble auf Einladung der "Gesellschaft der Musikfreunde" und des
Kulturbüros der Stadt Coburg ein abwechslungsreiches, riskant und spannungsvoll musiziertes Programm.


Schon bei Buxtehudes Sonate G-Dur für Violine, Flöte, Viola da gamba und Continuo demonstrieren Elisabeth Wirth, Christian Handschke, Christoph Urbanetz und Elina Albach, wie lebendig, nuancenreich und ausdrucksintensiv sich die Musik des gerne unterschätzten norddeutschen Barockmeisters Dietrich Buxtehude deuten lässt. Mit routiniert abgespulter Dutzendware des 17. Jahrhunderts hat das ganz und gar nichts zu tun.


Diese vier jungen Spezialisten für die sogenannte Alte Musik ziehen mit Klängen in Bann, die aus der Bewegung heraus entstehen und ihrerseits wieder zur Bewegung werden. Manchmal sieht es fast so aus, als tanze Christian Handschke mit seiner Barockvioline die Musik geradezu. Immer wieder geht er in die Knie, dreht sich halb, hebt die Geige dann wieder nach oben, schließt die Augen, als lausche er dem eigenen Spiel nach.
Dabei wirkt sein reichlich bewegungsintensives Musizieren in keinem Moment affektiert, weil Klang und Bewegung bei ihm aus der gleichen Quelle zu entspringen scheinen.


In jeweils wechselnder Besetzung vom Cembalo-Solo bis zum Quartett beweist das Ensemble seine Entdeckerfreude und seine Neugier. Das reaktionsschnelle Zusammenspiel gestattet ihnen ein agogisch sehr freies Musizieren mit vielen kleinen Tempoveränderungen, die die Musik regelrecht pulsieren lassen.

Händel als Zugabe

Das gilt beispielsweise für Johann Sebastian Bachs e-Moll-Sonate für Flöte und Basso continuo ebenso wie für Telemanns Triosonate a-Moll oder abschließend eine Sonate von Johann Gottlieb Goldberg.
Bisweilen spröde im Klang, aber stets ausdrucksvoll und nuancenreich - so klingt das Musizieren dieses Ensembles, das bereits eine Reihe von Preisen errungen hat und vom Deutschen Musikrat in die Liste der Stipendiaten aufgenommen wurde. Das Publikum im großen Saal des Pfarrzentrums St. Augustin dankt mit ausdauerndem Beifall und erhält schließlich noch einen Händel-Satz als Zugabe.


Junge Spezialisten historischer Aufführungspraxis

"Fontana di Musica" Das Ensemble gründete sich im Jahr 2009 in Berlin und beschäftigt sich mit der historischen Aufführungspraxis des 17. und 18. Jahrhunderts. Die Blockflöte spielt Elisabeth Wirth, die Barockvioline Christian Handschke, Christoph Urbanetz die Viola da gamba und Elina Albach musiziert auf dem Cembalo. Großen Einfluss auf die Gruppe hat neben anderen auch der Geiger Georg Kallweit, der 2011 und 2013 das Philharmonische Orchester des Landestheaters im Riesensaal der Ehrenburg schon zweimal bei eindringlichen Barockkonzerten geleitet hat.