Die Menschen in Stadt und Landkreis Coburg sind überwiegend friedlich ins Jahr 2022 gerutscht: Zu 18 Einsätzen musste die Polizei Coburg in der Silvesternacht ausrücken, darunter eine Handvoll Körperverletzungen, Sachbeschädigungen und Verstöße gegen das Waffengesetz. "Die Lokale waren gut gefüllt", teilt die Polizei Coburg auf Nachfrage mit. Auch wenn schwere Straftaten ausgeblieben sind, hätten die Einsatzkräfte viel zu tun gehabt.

Die Polizei beschränkte sich weitestgehend darauf, Präsenz zu zeigen. Die Kontrollen der bayernweiten Corona-Regeln (2G, maximale Personenanzahl) übernahm das Personal in den Bars, Restaurants und Gaststätten, die geöffnet hatten. Einige Wirte hatten extra für die Silvesternacht Sicherheitspersonal abgestellt, das vor der Tür den Einlass kontrollierte.

Neujahrsprost ohne Abstand

Einmal die Kontrolle passiert, konnte das Coburger Feiervolk den Jahreswechsel im Etablissement seiner Wahl weitestgehend unbehelligt von Abstandsregeln verbringen. Und auch wenn jeder irgendwo seine Maske dabei hatte, wurde die nach dem dritten Sekt beim Gang auf die Toilette auch schon mal vergessen. Zwar durfte um Mitternacht in der Coburger Innenstadt nicht geböllert werden und der Nachthimmel über Schloss- und Marktplatz blieb auch weitestgehend dunkel. Hier und da bewiesen eine Leuchtrakete oder der markerschütternde Knall eines Chinaböllers aber doch, dass es mit dem Verbot nicht jeder ganz genau nahm. Das war sonst noch in der Silvesternacht los:

Randale und illegales Geballer

Eine Gruppe Jugendlicher tobte sich auf der Skaterbahn in Bad Rodach aus. Nach einer kurzen Rangelei untereinander richtete sich ihre Aufmerksamkeit der dortigen Holzhütte. Sie schlugen und traten gegen die Hütte und rissen Bretter heraus. Belohnt wurde der Vandalismus bei einem Jugendlichen mit leichten Verletzungen der Hand. Die Polizei fand bei einem von ihnen noch ein verbotenes Messer. Zu der Anzeige wegen Sachbeschädigung erwartet ihn auch eine wegen des Verstoßes gegen das Waffengesetz.

Es sollten nicht die einzigen unerlaubten Waffen bleiben: Ein 31-Jähriger und ein 14-Jähriger benutzten unmittelbar nach Mitternacht in der Karl-Türk-Straße einen Schreckschussrevolver. Sie konnten vor der Polizei keinen Waffenschein nachweisen.

Auch kleinere Diebstähle wurden begangen. In Grub am Forst wurden zwei Ortsschilder gestohlen. Der entstandene Schaden für die Gemeinde beläuft sich auf mehrere Hundert Euro. In Cortendorf wurde außerdem das Kennzeichen eines VWs gestohlen. Die Besitzerin bemerkte den Diebstahl am späten Nachmittag.

Ebenfalls Diebesgut sowie verbotene Pyrotechnik fanden die Polizeibeamten bei einem 15-jährigen Kronacher. Eine Streife kontrollierte den Jugendlichen am Coburger Bahnhof. Neben einem gestohlenen Hinweisschild fanden die Beamten Polenböller.

Naziparolen und Faustschläge

Zwei stark betrunkene Männer liefen am Neujahrsmorgen durch die Ketschengasse und riefen laute Naziparolen. Als die Polizei eintraf, lag der 39-Jährige regungslos auf der Straße. Ein Zeuge teilte den Beamten mit, dass der Mann kurz zuvor ein flüssiges Medikament eingenommen hätte und anschließend bewusstlos geworden sei. Der 39-Jährige kam ins Klinikum Coburg. Sein Begleiter, ein 66-jähriger Mann, der ebenfalls Naziparolen grölte, beleidigte noch einen ausländischen Mitbürger, bevor er in eine Kneipe einkehren wollte.Das allerdings unterband der Wirt aufgrund der Pöbeleien und des hohen Promillegehalts des Mannes. Als Reaktion darauf, dass er draußen bleiben musste, kassierte der Wirt noch einen Faustschlag ins Gesicht von dem aggressiven 66-Jährigen.

Dass in vielen Innenstädten nicht geböllert worden durfte, wirkte sich positiv auf die Notaufnahmen aus. Größere Verletzungen beim Hantieren mit Feuerwerk blieben aus. Ein 25-Jähriger zog sich im Landkreis Bayreuth eine schwere Augenverletzung zu. Mehrere Geschosse seiner Feuerwerkbatterie landeten in seinem Gesicht.

Der Coburger Straßenreinigung kommt das Verkaufs- und Böllerverbot jedenfalls zugute, muss so doch deutlich weniger Pyromüll von den Straßen und Plätzen gefegt werden als in einem Nicht-Pandemiejahr. Zu tun gab es für die Reinigungskräfte trotzdem genug. "Mit dem Feuerwerksverbot ist es wie mit der D-Mark", weiß Norbert Scholz vom Coburger Entsorgungs- und Baubetrieb. "Man bekommt sie zwar seit Jahren nicht mehr, aber geböllert wird immer noch."