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Coburg
Gericht

Sie sollte einfach "still sein": Angeklagter soll Lebensgefährtin bewusstlos getreten haben

Der Angeklagte K. streitet vor dem Landgericht Coburg ab, seine Freundin bewusstlos getreten zu haben. Er sieht sich selbst in der Opferrolle - Zeugen zeichnen allerdings ein anderes Bild.
 
Eingang zum Justizgebäude in Coburg. Vor dem Landgericht wird wegen versuchten Totschlags verhandelt.
Eingang zum Justizgebäude in Coburg. Vor dem Landgericht wird wegen versuchten Totschlags verhandelt. Foto: Foto: Jochen Berger

Ein Angeklagter, der sich als Opfer sieht, Zeugen mit völlig anderer Wahrnehmung - dennoch rückte am zweiten Verhandlungstag am Coburger Landgericht die Antwort auf folgende Frage ein Stück näher: Was ist am 24. Juni 2020 im Regionalexpress nach Coburg passiert?

Die Staatsanwaltschaft wirft Karl-Heinz K. vor, rechtsextreme Parolen gerufen und seine damalige Lebensgefährtin Stefanie A. gewürgt und anschließend bewusstlos getreten zu haben. Am Montagnachmittag schilderten sowohl der Angeklagte als auch Zeugen ihren jeweiligen Blickwinkel.

Hat er seine Lebensgefährtin bewusstlos getreten?

"Ich habe sie nie verletzt", beteuert K., der sich wie auch am ersten Verhandlungstag in der Opferrolle sieht. Schon am Bahnhof in Lichtenfels soll A. ihn angegriffen und später im Zug mit einer Wodkaflasche bedroht haben. Als er ihr die Flasche wegnehmen wollte, soll es zu einem "kleinen Gerangel" gekommen sein. Er habe sie nicht gewürgt, sondern nur am T-Shirt gepackt und von sich weg gedrückt. Dann sei sie ohnmächtig geworden. K. glaubte sich offenbar getäuscht. Denn er erklärt: "Das hat sie vorher schon oft gespielt." Deshalb sei er auch aus dem Zug gestiegen, ohne Stefanie A. zu helfen: "Ich hatte die Schnauze von ihr einfach voll."

Und die rechtsextremen Parolen? K. weist auch hier die Schuld von sich. Er habe nur "auf ihre Äußerungen reagiert", denn sie habe durch ihren Ex-Freund Kontakte in die rechtsextreme Szene. Er habe sie in die Schranken gewiesen und dabei lediglich ihre Formulierungen wiederholt.

In den Schilderungen der Zeugen zeichnet sich ein anderes Bild ab. Eine Zeugin berichtet, er sei durch lautstarke Obszönitäten aufgefallen, bevor er schließlich "Heil Hitler" gerufen habe. Eine weitere Zeugin sagt, sie habe sich deswegen im Zug vom Angeklagten und seiner Begleiterin weiter weg gesetzt. Mehrere Zugpassagiere geben an, gesehen zu haben, dass Karl-Heinz K. beide Hände um den Hals seiner Lebensgefährtin gelegt und diese angewiesen habe, nun "endlich still zu sein".

Täter sieht sich als Opfer: Zeugen zeichnen ein anderes Bild

Eine dritte Zeugin, die schauen wollte, was da los ist, und näher kam, um notfalls eingreifen zu können, sagt, sie habe gesehen, wie K. seiner Begleiterin gegen den Kopf trat. Vorher habe sich A. noch lautstark gewehrt. "Nach dem Tritt war sie leise", schildert die Zeugin das, was sie am 24. Juni erlebt hat. Alle drei Augenzeuginnen betonen, sie seien sich sicher, dass die Ohnmacht von Stefanie A. echt gewesen sei.

Ebenfalls gaben die drei Mitfahrerinnen an, dass sowohl Karl-Heinz K. als auch Stefanie A. schon vor dem Zwischenfall betrunken auf sie gewirkt hätten. Tatsächlich gab K. zu, am Tattag Alkohol getrunken zu haben. Wie viel genau, bleibt trotz seiner Schilderungen vage: Es ist die Rede von "einem Schnapper Wodka" und "ein paar Bier". Er habe sich lediglich angetrunken gefühlt, nicht betrunken, waren seine Angaben. Zusammen mit Stefanie A. habe er alle drei bis vier Tage Alkohol konsumiert - fünf bis sieben Bier, manchmal auch Schnaps oder Jack Daniel's.

Als ihn die zuständige Richterin darauf anspricht, dass er bei der Aufnahme in der JVA angegeben habe, 15 bis 20 Bier am Tag zu trinken, wird der Angeklagte aggressiv: "Meine Fresse, das ist doch unwichtig!" Am 1. März wird die Verhandlung gegen Karl-Heinz K. in Coburg fortgesetzt.