Seit Dienstag muss sich ein 63-jähriger Masseur aus dem Landkreis vor der Ersten Großen Strafkammer des Landgerichts verantworten. Die Anklage lautet auf sexuellen Missbrauch. Der 63-Jährige, so lautet die Anklage, habe bei fünf Patientinnen über einen Zeitraum von Mitte 2014 bis September 2015 sexuelle Handlungen vorgenommen, die über den Rahmen einer normalen Massage weit hinausgehen.


Finger im Unterleib?

Mitte 2014 soll der Mann während einer Behandlung eine Patientin mit dem Finger penetriert haben, um ihre Beschwerden im Unterleib zu lindern. Auch eine weitere Frau habe er so behandelt, nachdem er vorher ihren Unterleib abgetastet habe, so die Anklageschrift. Einer dritten Klientin habe er die unbekleidete Brust massiert. Auch eine Mutter und deren 14-jährige Tochter behandelte er im September letzten Jahres. Während er bei dem Mädchen, das unter Skoliose leidet, den Körper und die Brust abgetastet haben soll, wollte er nach Auffassung der Staatsanwaltschaft bei einer Massagesitzung mit der Mutter auch den Geschlechtsverkehr vollziehen. Der Angeklagte habe in allen Fällen nicht aus therapeutischen Gründen, sondern in der Absicht, sich sexuell zu erregen, gehandelt, lauten deshalb die Vorwürfe von Staatsanwalt Michael Koch.

Der Mann, der zurzeit in der Justizvollzugsanstalt in Bayreuth sitzt, leidet unter einer extremen Herzinsuffizienz. Ein Sachverständiger bescheinigte dem Masseur dennoch einen stabilen Zustand und damit Verhandlungsfähigkeit. Der gebürtige Usbeke mit deutscher Staatsbürgerschaft, der von zwei Rechtsanwälten vertreten wird und vom Gericht aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse zudem einen Dolmetscher zur Seite gestellt bekam, betonte, an der Verhandlung unbedingt teilnehmen zu wollen. "Ich will Aussagen machen", bekräftigte er, widersprach aber gleichzeitig dem Sachverständigen. Sein Blutdruck sei aufgrund der Stresssituation in der Haft in Richtung 180 und gar 200, sagte er aus. Nur ein Spenderherz könne ihm noch helfen.


In Existenznot

Laut den Aussagen von Rechtsanwalt Alexander Schmidtgall, der für seinen Mandanten eine Erklärung verlas, verbüßte der Angeklagte bereits wegen eines ähnlichen Vergehens eine Haftstrafe, aus der er 2009 entlassen worden sei. Demnach hatte er große Schwierigkeiten, sich wieder einzugliedern. "Er hatte eine wirtschaftliche Existenznot gehabt und brauchte Geld", sagte der Rechtsbeistand. Sein Mandant habe sich bereit erklärt, wieder Kundinnen zu massieren. Die Massagetätigkeit sei ihm - er sei auf eine Gehstütze angewiesen - allerdings sehr schwer gefallen. "Er kam kaum alleine die Treppe hoch", sagte der Rechtsanwalt.

Er könne ohne Sauerstoffgerät nicht schlafen, jede Anspannung führe dazu, dass sein Herz stehen bleiben könne, sagte der Angeklagte aus. Ein ärztliches Gutachten habe festgestellt, dass er mit seiner 90-prozentigen Behinderung nicht in der Lage sei, einen Geschlechtsakt zu vollziehen.


Kein Interesse an den "intimen Stellen" der Frauen

Der Mann äußerte sich detailliert zu den einzelnen Tatvorwürfen. "Seit 30 Jahren versuche ich, Menschen mit der tibetischen Massage zu helfen", erklärte er. "In Deutschland blicke ich auf eine 14-jährige Massagetätigkeit zurück." Er habe kein Interesse an den "intimen Stellen" der Frauen, sagte er aus.

Keine seiner Patientinnen habe er gegen deren Willen behandelt, stellte er fest. "Sie können das vielleicht kaum glauben", erklärte er, "aber ich habe diese Fähigkeit, mit meiner Energie die inneren Organe der Menschen zu spüren." Das sei wie bei einer Ultraschalluntersuchung. Das sogenannte "Scannen", wie der Angeklagte es nannte, habe er auch bei der 14-jährigen Tochter einer Patientin angewandt, die wegen einer Skoliose bei ihm vorstellig geworden sei. Nach der Dorn-Breuß-Methode - der Angeklagte zeigte dabei seine Urkunde - habe er ihr "die Wirbelsäule wiederhergestellt und das Becken wieder eingerenkt". Zudem seien bei der Behandlung des Mädchens vier Personen anwesend gewesen, teilte er mit, außer ihm, der Patientin und ihrer Mutter noch seine Lebensgefährtin, die als Dolmetscherin fungiert habe. Er widersprach dem Vorwurf, das Mädchen an der Brust massiert zu haben. Er habe die Hand der Mutter gelenkt, sagte er aus, und mit ihr zusammen die Kreisbewegungen ausgeführt, um Salzablagerungen aufzulösen.
Der Prozess wird am Mittwoch, 6. Juli, um 9 Uhr fortgesetzt.