Die Verantwortlichen der Stadt Coburg versuchten am Donnerstag erst gar nicht, um den heißen Brei herumzureden. "Wir wissen, dass es ein doofer Zeitpunkt ist", sagte Citymanagerin Andrea Kerby. "Es trifft leider die Händler und Gastronomen", räumte Nicole Hentschel vom Ordnungsamt ein. Aber: In Absprache mit SÜC und CEB sind sich (fast) alle einig, dass die sechs Wochen Sommerferien der beste Zeitraum sind, um diverse Kanal- und Leitungsarbeiten in Herrn- und Grafengasse sowie in der Rückertstraße durchzuführen.

Marco Cestone sieht das etwas anders. "Warum konnte das nicht während des Lockdowns gemacht werden?", fragt sich der Geschäftsmann (Immobilien Lange). Er selber werde zwar nicht so sehr unter der Baustelle leiden, aber er denkt vor allem an die vielen Einzelhändler in der Herrngasse, zu denen auch seine Frau Steffi (Emozione Mode) gehört. Eine weitere Alternative wäre es seiner Meinung nach gewesen, mit den Arbeiten noch bis Oktober zu warten: "Dann gibt's sowieso keine Außengastronomie mehr." Den August allerdings hält er auch mit Blick auf hoffentlich viele Touristen, die in die Stadt kommen, für "sehr ungünstig".

Über Sommerferien Baustelle in Coburg: Warum nicht im Lockdown?

Bei SÜC und CEB wiederum werden die Sommerferien sehr wohl für einen guten Zeitpunkt gehalten. Denn die Baustelle hat auch Folgen für den Stadtbusverkehr (siehe Infos am Textende) - und die sind etwas leichter abzufedern, wenn täglich nicht auch noch Hunderte von Schülern befördert werden müssen.

SÜC-Abteilungsleiter Johannes Schmidt erklärte am Donnerstag auch, was genau in den drei Straßen gemacht werden muss. Ausgangspunkt für alles war, dass in der Grafengasse zwei Häuser an das Fernwärmenetz angeschlossen werden. Das ist einerseits gut, weil dadurch die klimaneutrale Wärme einem noch größeren Nutzerkreis angeboten werden kann. Andererseits müssen aber eben komplett neue Leitungen verlegt werden. Bei SÜC und CEB hat man sich entschlossen, im Zuge dieser Fernwärme-Baumaßnahme auch gleich alle Gebäude in Herrn- und Grafengasse mit Leer-Rohren für Glasfaser anzubinden. Und dann kam man noch auf die Idee, bei dieser Gelegenheit auch alle Trinkwasserleitungen zu erneuern.

Auftakt aller Maßnahmen wird am Montag, 2. August, zunächst in der Rückertstraße sein: Dort verlegt Vodafone eine Leitung - bereits am Donnerstag, 5. August, soll diese kleine Einzelmaßnahme beendet sein. Die gesamte Bauphase dauert bis Mitte September und wird von der Citymanagerin mit einem "Baustellenmarketing" begleitet. Ziel ist es, dass trotz Baustelle auch weiterhin viele Besucher (und vor allem Kunden!) in diese Ecke der Innenstadt kommen. Andrea Kerby plant deshalb nicht nur bunte Banner am Bauzaun sowie musikalische Events. Außerdem soll die Rückertstraße zur "Sommerstraße" werden. An Samstagen wird es dort, direkt vor dem Puppenmuseum, zahlreiche Spielmöglichkeiten für Kinder geben. Außerdem kann die "Loreley" in der Rückertstraße ihren Biergarten aufbauen, für den in der Herrngasse vorübergehend kein Platz mehr ist.

Wunsch an die Stadt: Parken auf dem Schlossplatz

"Loreley"-Wirt Jakob Stadlmeyer ist froh, dass es diese Ausweichmöglichkeit gibt. Ebenso wie Marco Cestone hätte er aber noch einen Wunsch an die Stadt: "Gut wäre, wenn der Schlossplatz im August - zumindest teilweise - als Parkplatz genutzt werden darf." Das könnte den Gewerbetreibenden im "Sommerloch" helfen - erst recht, weil ja auch das Parkhaus Mauer im August für drei Wochen gesperrt ist.

Hintergründe zur Sperrung des Parkhauses Mauer gibt es hier

Die Vollsperrung der Achse Rückertstraße - Grafengasse hat auch Auswirkungen auf den Stadtbusverkehr. Ab Montag, 2. August, bis voraussichtlich Montag, 13. September, können die Haltestellen Mohrenbrücke, Mohrenstraße und Theaterplatz nur noch von den Linien 2 und 3 angefahren werden. Die Nutzer anderer Linien können am ZOB (Lossaustraße) in die "2" und die "3" umsteigen. Die SÜC richten zudem Ersatzhaltestellen ein und informierten bereits jetzt mit Aushängen an den betroffenen Haltestellen, die vorübergehend nicht angefahren werden.