Die Maschinen brummen und piepsen, der Geruch von Pappe und heißem Wasserdampf liegt in der Luft. "Ich bin früher hier mit dem Dreirad durch die Produktion geflitzt", erzählt Björn Schumacher, der Geschäftsführer der Schumacher Packaging Gruppe. Jetzt führt er eine Gruppe, darunter Gesundheitsministerin Melanie Huml und ihr CSU-Fraktionskollege Martin Mittag und Bezirksrat Sebastian Straubel, durch die Hallen in Ebersdorf.

Die Pappe wird mit Dampf und Walzen zur Wellpappe geformt, die Bögen zu Verpackungen verarbeitet, getrocknet und dann bedruckt. Und hier zeigt Schumann stolz seine jüngste Innovation: Eine große computeraffine Maschine - "im Grunde ist das nichts anderes als ein Drucker, den Sie auch zu Hause oder im Büro stehen haben."

Digitaler Druck

Die Farbe wird direkt in kürzester Zeit auf den Karton gedruckt. Die Vorteile im Gegensatz zur alten Druckerplatte: "Mit diesem Druckverfahren sparen wir Millionen Liter Wasser, die Maschine beziehungsweise die Farben müssen nicht ausgewaschen werden." Das zog auch immer einen Produktionsstopp von ein bis eineinhalb Stunden mit sich. Darüber hinaus wird Farbe gespart und jeder Druck sieht gleich aus. "Es sind erstaunliche Mengen an Ressourcen, die wir so einsparen können", sagt der Geschäftsführer.

Es ist nun möglich, schnell auf Kundenwünsche zu reagieren, wenn ein anderes Design gewünscht wird. Innerhalb weniger Minuten sei das Druckmotiv neu eingestellt. Als Beweis zeigt Schumacher ein Pappschild, auf dem ein Foto von ihm und Melanie Huml zu sehen ist, das wenige Minuten zuvor geknipst wurde. Die Ministerin zeigt sich erstaunt: "Das ist ja spitze!"

"Karton ist kein emotionales Produkt, es versprüht keine Emotion, es ist kein Hightech, sondern Massenproduktion", so Schumacher. In diesem Verdrängungswettbewerb könne man nur erfolgreich sein, wenn man neue Wege geht - so wird neben den digitalen Druck auch rollbarer Wellkarton hergestellt. "Wir als regionaler fränkischer Hersteller müssen uns was einfallen lassen, um zu bestehen", sagt er. Wie regionale Kunden vom Digitaldruck profitieren, weiß er: "Man muss sich immer wieder neu erfinden, da hilft das Thema Verpackung."

Das haben seiner Meinung nach die Kunden auch erkannt: "Früher konnte sich ein kleiner Tomatenanbauer keine Verpackung leisten, heute kann er sie einfach mit seinem eigenen Logo bedrucken lassen." Als Beispiel zeigt er Displays, also Verkaufsstände aus Karton. Für einen Wurstverkäufer hat er die Kartons im Weihnachts- und Oktoberfest-Design oder in einer grellen Farbe drucken lassen. "Da steht es nächste Woche auf einmal in pink im Supermarkt. Das fällt dem Kunden auf, da schaut er hin." Durch die stetig wechselnde Aufmachung könne man mehr Gewinne erzielen. In Kooperation mit den Agenturen erhalten sie die Grafiken und Logos dann digital geschickt.

Welche Hürden sind zu meistern?

Doch einen Haken hat das Ganze: Die Geschwindigkeit der Daten war anfangs trotz Glasfaser nicht schnell genug."Wir reden hier von Digitalisierung und Industrie 4.0", macht Björn Schumann deutlich. Früher habe man die Dateien einmal im Jahr erhalten, mittlerweile kommen diese täglich an. "Es kamen permanent Files von Kunden, da konnten wir am Anfang nicht mal mehr Mails rausschicken", sagt er. Zwar sei er froh über die Glasfaser, aber das "zeigt die Herausforderung heutzutage."

Neben der schlechten Infrastruktur haben viele fränkische Unternehmen auch mit dem Fachkräftemangel zu kämpfen. "Damit haben wir nicht so ein großes Problem wie andere Firmen", erzählt Schumacher. Von 700 Mitarbeitern am Standort in Ebersdorf seien etwa zehn Prozent Auszubildende. Er setzt auf Employer-Branding, das heißt die Marke Schumacher Packaging soll in der Region als attraktiver Arbeitgeber bekannt gemacht werden. Das Aushängeschild: "Das Thema Familienbetrieb wird gelebt."

"Obwohl wir vieles automatisiert haben, mussten wir durch das schnelle Wachstum nie Mitarbeiter entlassen." Bis in die 90er Jahre war Ebersdorf der einzige Standort des Unternehmens - in den vergangenen zwanzig Jahren sind weitere 28 Standorte hinzugekommen. "Ihre Standorttreue und trotzdem das globale Denken hat mich sehr beeindruckt", sagt Huml. Zwar räumt Schumacher ein, dass der "Spagat zwischen mittelständischen Unternehmen und Konzern" nicht leicht ist - Im Konflikt stehen sie aber nicht: "Man muss internationaler denken, sonst kann man den Standort nicht halten."