In diesem Fach gibt es keine Noten - nur lehrreiche Erfahrungen. Zum Beispiel, dass Kartoffeln nicht am Baum wachsen. Und ein Apfel gesund ist und dazu auch noch richtig lecker schmecken kann. Während an diesem Tag der wohltuende Duft von Bratäpfeln aus der Mensa durch die Grundschule zieht, erklärt Hauswirtschafterin Kerstin Haas, dass der Apfel in den vergangenen Wochen für die Klassenstufen zwei und drei ein großes Thema war.

"Uns ist es wichtig, dass wir saisonal kochen", erklärt sie. Kerstin Haas ist begeistert, dass sie von Direktorin Susanne Thaler die Chance bekommen hat, hier in kleinen Gruppen den Schülern ihr Wissen rund um Ernährung in Theorie und Praxis nahezubringen. Und die Direktorin ist sichtlich erfreut, wie gerne die Kinder in der Küche werkeln.

Mit im Team der gesunden Ernährung an der Melchior-Franck-Schule ist Förderlehrerin Christine Heider. Ihr Bestreben ist es, kindliche Begeisterung im Umgang mit gesunder Ernährung zu wecken und ein Bewusstsein dafür zu schaffen, ohne den sogenannten pädagogischen Zeigefinger zu erheben: "Wir wollen den Kindern zum Beispiel zeigen, was zu welcher Jahreszeit wächst." Dazu hat sie an der Melchior-Franck-Schule einen Schulgarten ins Leben gerufen, dessen Pflege die Kinder fasziniert.
"Viele haben zu Hause keinen Garten. Wir wollen hier an der Schule die Möglichkeit bieten, den Kreislauf vom Anpflanzen bis zum Ernten mitzuerleben", sagt Heider.

Der siebenjährige Paul würde heute am liebsten wieder in den Garten gehen, die zarten Schneeflocken, die vor dem Fenster vorbeitanzen, faszinieren ihn zu sehr. Aber Paul und die anderen Schüler aus der Gruppe wissen schon, dass der Garten im Winter schläft und sie nichts beackern können. Dafür genießen sie heute die kuschlige Wärme in der Küche der Mensa. Und sie freuen sich auf ihre Bratäpfel - die sind es nämlich, die heute für ihre Gruppe - sie nennen sich die "Schlaubirnen" - auf dem Menüplan stehen.


Köstliche Mischung

Kerstin Haas hat zu den Äpfeln auch Mandeln und Zimt mitgebracht. Die Mandeln müssen die Kinder zunächst unter ihrer Anleitung zermahlen, dann die Raspeln mit dem Zimt und ein wenig Zucker vermischen. Mit Hilfestellung versuchen die Kinder nun, den Apfel in der Mitte auszuhöhlen, damit die köstliche Mischung auch gut reinpasst.

Lea und Lena haben großen Spaß, das so entstandene Loch im Apfel zunächst mal als Fernrohr zu benutzen. Die beiden Mädchen mit Down-Syndrom werden von ihrer Förderlehrerin Christine Heider betreut. "Wir von der Mauritiusschule haben ja hier eine Partnerklasse an der Melchior-Franck-Schule", erklärt Heider, "so können wir auch mit einigen unserer Schüler hier beim Kochen dabei sein." Liebevoll hilft die Förderlehrerin nun den beiden, die Mandel-Zimt-Mischung in den Apfel zu füllen. Die anderen Kinder, die schon fertig sind, haben ihren Apfel bereits aufs Blech gestellt und warten nun, bis Kerstin Haas alle endlich in den Ofen schiebt, die Vorfreude ist schon ziemlich groß. Aber bevor es an den Genuss geht, gibt es am großen Tisch vor der Schultafel noch ein wenig Theorie:


Steinobst oder Kernobst?

Was ist Steinobst und was Kernobst? Wann wachsen Erdbeeren? "Zum Kochen gehören nicht nur motorische Fähigkeiten, sondern auch das Wissen um Lebensmittel und ihre Zubereitung", sagt Kerstin Haas. Trotzdem: Die Praxis schmeckt den Kindern (noch) besser. Vor allem die köstliche Vanillesoße, die sie jetzt zu ihren dampfenden Äpfeln genießen dürfen. "Die Mischung ist es, die den Kindern schmeckt", davon sind Kerstin Haas und Christine Heider überzeugt. "Denn gesunde Ernährung besteht nicht nur aus Dinkel-Vollkornmehl und Sprossen, sondern es dürfen auch mal eine Limo oder Chips sein, wichtig ist die Ausgewogenheit." Ihr Engagement und ihr Konzept kommen an. Noch heute schwärmen Yigit und Dominik von den Obstspießen im Sommer: "Zusammen mit der Schoko drauf war das voll lecker."