Die Schäden am Coburger Landestheater sind schon rein äußerlich nicht mehr zu übersehen: An den Giebeln des Mittelhauses bröckeln die steinernen Konsolfriese, von den Türen der Nebeneingänge blättert die Farbe, die Fassade hat an vielen Stellen Flecken, Abplatzer und Scharten. Im Innern des klassizistischen Baus sieht es kaum besser aus. Dass die Generalsanierung - die letzte große ist 40 Jahre her - unumgänglich ist, steht seit Jahren fest. Wann es genau losgehen kann, steht noch nicht fest, denn die Finanzierungsvereinbarung mit dem Freistaat, die die genaue Kostenaufteilung regeln soll, hängt derzeit noch in den Ministerien in München fest. "Wir sind aber optimistisch, dass wir in Kürze den endverhandelten Vertrag vorliegen haben", sagte Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) am Montag bei einem Pressegespräch im Rathaus.

Er werde immer wieder gefragt, wann es endlich losgehe, sagte Tessmer. Deshalb habe er entschieden, die Coburger in regelmäßigen Intervallen über den Sachstand zu informieren. "Das Ganze ist keine Maßnahme der Stadt Coburg, sondern des Freistaats", betonte Tessmer ausdrücklich. Deshalb kann die Stadt derzeit auch kaum etwas anderes tun als abzuwarten. Denn die drei Münchner Ministerien - das Finanzministerium, das Innenministerium (Oberste Baubehörde) und, federführend, das Ministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst - sind aktuell dabei, aus einem Vertragsentwurf eine Vereinbarung zu machen. Diese muss auch noch vom Landtag abgesegnet werden.

Coburg, ein Präzedenzfall

"Die drei Ministerien tun sich schwer damit, weil es für sie ein Präzedenzfall ist", bat Klaus Anderlik, Leiter des Coburger Amtes für Schulen, Kultur und Bildung, um Verständnis. Dem Staatsvertrag von 1920 ist es nämlich zu verdanken, dass der Freistaat das Coburger Landestheater zu 40 Prozent mitfinanziert - in Bayern ist das eine einzigartige Regelung.

Momentan sprechen sich die Ministerien untereinander ab. Dass der Freistaat 75 Prozent der Kosten für die Generalsanierung übernehmen wird, stehe schon länger fest, so Anderlik. Weil das Theater dringend in unmittelbarer Nähe weitere Flächen braucht, soll das Kyrill-Palais (derzeit noch Kinderhaus) umgebaut werden. Solche Erweiterungen sind im Staatsvertrag zwar nicht enthalten, die Stadt als Eigentümerin des Palais hat aber die Aussicht, dass der Freistaat die Hälfte der Kosten übernimmt.

Wenn alles weiterläuft wie geplant, könnte dem Stadtrat in der Oktober-Sitzung die Finanzierungsvereinbarung vorgelegt werden. Eine Prognose, wann die Sanierung beginnen könnte, will Tessmer deshalb ungern abgeben - vielleicht 2017.

Die andere große Frage, neben der Finanzierung: Wohin weicht das Landestheater während der Sanierung aus? Rund drei Jahre und neun Monate, so schätzt Peter Cosack vom städtischen Hochbauamt, werden die Arbeiten wohl dauern. Derzeit wird eine Machbarkeitsstudie erstellt, die klären soll, ob die Angerturnhalle sich als Ausweichspielstätte eignet. Die Zuschauerzahl - rund 450 - würde dort keine Probleme bereiten, "aber die Raumhöhe ist ein Makel", sagt Cosack. Für die Bühnentechnik bräuchte man nämlich eigentlich rund zehn Meter. Die kann die Turnhalle aber nicht bieten. Und: Ehe in der alten Halle Theater gespielt werden kann, muss die neue Dreifachhalle an der Karchestraße fertig sein, damit der Schulsport reibungslos laufen kann.

Das Coburger Landestheater

Geschichte Nach drei Jahren Bauzeit, Eröffnung des heutigen Theaters am 17. September 1840. Der Entwurf stammt vom herzoglichen Bauinspektor Carl Balthasar Harres, einem Schüler Schinkels. Endgültige Fertigstellung: 1847. Betrieb seit 1920 als Landestheater. Letzte Sanierung: 1970 bis 1977.

Sanierung Erneuert wird die komplette Bühnentechnik im Großen Haus, ebenso der Brandschutz, der längst nicht mehr heutigen Anforderungen entspricht. Vorgesehen sind neue Fenster und behindertengerechte Einrichtungen. Hinzu kommen neue Probenräume für Ballett und Orchester. Das Kyrill-Palais (Kinderhaus) soll dafür umgebaut werden.

Grundsatzentscheidung Bereits im September 2011 hatte der Coburger Stadtrat seine grundsätzliche Zustimmung zur Durchführung und Finanzierung der Generalsanierung gegeben. Zuvor hatte der Freistaat Bayern im April 2011 einen damals noch undotierten Haushaltstitel für die Generalsanierung des Landestheaters in seinen Doppelhaushalt 2011/2012 aufgenommen.