Unheil liegt in der Luft im Palast des Herodes. Etwas Schreckliches wird passieren. Herodes spürt das. Doch aufhalten kann er das drohende Unheil nicht. Im Gegenteil: Herodes selbst setzt es in Gang - mit seinem Versprechen, das er seiner Stieftochter Salome gibt, wenn sie für ihn tanzt, nur für ihn tanzt.

"Schreckliches kann geschehen" - immer wieder warnt ein Page gleich am Anfang in Richard Strauss" "Salome". Der Weg freilich von der vagen Sorgen bis zum bekannten blutigen Ende - er ist gesäumt von raffiniertem Wohlklang und ebenso raffinierten Dissonanzen.

Golden glitzerndes Bühnenbild

Mit klug dosiertem Wohlklang und einer von der ersten Szene an stimmigen und detailgenauen Inszenierung zieht die "Salome"-Neuinszenierung am Coburger Landestheater das Publikum in Bann. Prominenter Premierengast im historischen Coburger Musentempel: Gwyneth Jones, eine international gefeierte "Salome"-Interpretin früherer Jahre.

Regisseur Tobias Theorell, vor drei Spielzeiten mit einer spannend-verstörenden "Freischütz"-Deutung in Coburg zu Gast, liefert eine Inszenierung, die den in biblischer Zeit angesiedelten Stoff bei den dramaturgischen Wurzeln packt und nah an Oscar Wildes Text entlang feinfühlig interpretiert. Dazu hat Alejandro Tarragüel Rubio ein raffiniert einfaches Bühnenbildkonzept entworfen. Er verwandelt den Bühnenraum in ein riesiges golden glitzerndes Zelt. Prägnant charakterisierend geraten seine Kostüme.

Tanz der sieben Schleier

Theorell verzichtet in seiner Regie auf grelle Akzente oder eine plakative psychologisierende Deutung der Titelfigur. Für ihn ist "Salome" das Drama einer verwöhnten Tochter aus reichem Haus, die das Liebesobjekt, das sie nicht bekommen kann, am Ende zerstört.

Mit Ute Döring steht Theorell für seine Deutung eine Darstellerin der Titelpartie zur Verfügung, die genau dieses Konzept mit großer Intensität und großem Einfühlungsvermögen umsetzt. Bei ihrem Rollendebüt bewältigt sie die heikle und sehr umfangreiche Partie stimmlich mit kluger Differenzierung auf hohem Niveau. Auch darstellerisch gelingt ihr eine facettenreiche Interpretation.

Der Tanz der sieben Schleier ist das wohl berühmteste Stück dieser Oper, nicht unbedingt jedoch das beste. Die choreografische Unterstützung durch Ballettdirektor Mark McClain sorgt dafür, dass diese Szene nicht im plakativen Klischee hängen bleibt. Wenn Salome für Herodes tanzt, sieht es so aus, als wolle sie ihn hypnotisieren.
Zweiter Gast im insgesamt bewerkenswert homogen agierenden Solistenensemble: Christian Franz als Herodes. Der Bayreuth-erfahrene Tenor gibt einen schauspielerisch wie stimmlich wohltuend differenzierten Herodes, der sich hingezogen fühlt zu seiner Stieftochter Salome und sich durch dieses Begehren zu einem fatalen Versprechen hinreißen lässt. Gleichzeitig aber hat dieser Herrscher ein feines Gespür für das Unheil, das er fürchtet und doch nicht aufhalten kann. Christian Franz zeigt diesen Herodes auch als einen Zweifler und Zauderer.

Der dritte Gast auf der Besetzungsliste ist der Bariton Thomas de Vries. Als Prophet Jochanaan verströmt er derart salbungsvollen Wohlklang, dass sehr wohl nachvollziehbar wird, warum Salome so bedingungslos dem Zauber dieser Stimme verfällt.


Raffinierter Klangreichtum

Sonderapplaus verdient sich das Philharmonische Orchester. Unter der Leitung von Coburgs Generalmusikdirektor Roland Kluttig entfaltet das Orchester den raffinierten Klangreichtum der üppig instrumentierten Partitur dynamisch und farbig fein differenziert. Zugleich sorgt Kluttig dafür, dass die harmonischen Widerhaken der Musik hörbar werden - jene Passagen beispielsweise, in denen sich Strauss fast bis an den Rand der Atonalität vorwagt.

Gleichsam selbstverständlich garantiert Kluttig zudem, dass Vokalsolisten und Orchester selbst im dichtesten Gewimmel stets bestens in Balance bleiben. Auch dafür gibt es am Ende eines umjubelten Premierenabends bemerkenswert ausdauernden Beifall. "Salome" in Coburg - für Strauss-Fans eine Reise wert.




Weitere Aufführungen und sämtliche Mitwirkenden


Termine Richard Strauss "Salome" -


Fr, 13.02.2015 - 19.30
Fr, 20.02.2015 - 19.30
Do, 26.02.2015 - 19.30
Sa, 14.03.2015 - 19.30
Di, 24.03.2015 - 19.30
So, 05.04.2015 - 18.00
Mi, 15.04.2015 - 19.30
Do, 07.05.2015 - 19.30
Mi, 20.05.2015 - 19.30

Landestheater Coburg

Karten-Vorverkauf Tageblatt-Geschäftsstelle, Theaterkasse

Produktions-Team Musikalische Leitung Roland Kluttig/Adrian Müller
Inszenierung Tobias Theorell
Bühnenbild und Kostüme Alejandro Tarragüel de Rubio
Dramaturgie Renate Liedtke

Besetzung Herodes, Tetrarch von Judäa Christian Franz/Karsten Münster

Herodias, seine Gattin Gabriela Künzler

Salome, Tochter von Herodias Ute Döring

Jochanaan, ein Prophet Thomas de Vries

Narraboth, Hauptmann José Manuel/David Zimmer

Ein Page Herodias/Ein Sklave Kora Pavelic/Sonja Koppelhuber a.G.

Erster Jude Dirk Mestmacher

Zweiter Jude Jan Korab

Dritter Jude Sascha Mai

Vierter Jude David Zimmer

Fünfter Jude Michael Lion

Erster Nazarener Tapani Plathan

Zweiter Nazarener Jiří Rajniš

Erster Soldat Michael Lion

Zweiter Soldat Tapani Plathan

Ein Coppadocier Thomas Unger