Tschaikowski zu Beginn und am Ende, dazwischen Prokofjew - ein ausschließlich "russischer" Abend, dieses 4. Sinfoniekonzert des Landestheaters, bei dem man viel von der legendären "russischen Seele" spürte, weshalb auch das Motto des Konzerts "Pathétique" lautete.



Zum Auftakt ein frühes Meisterwerk von Tschaikowsky


Am Beginn stand ein frühes Meisterwerk von Peter Tschaikowski, die Fantasie nach Shakespeare "Der Sturm" op. 18. Man spürt am Anfang die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm, bevor nach einem feierlichen Bläserchoral die Elemente entfesselt werden und das Orchester tumultuöse Partiturseiten zu überstehen hat. Aber es gibt auch die Ruhe nach dem Sturm, abermals große Steigerungen, jedoch einen verhaltenen Schluss in Moll.


Glänzend instrumentiert


Das Werk ist nicht so häufig im Konzertsaal zu hören und lässt auch noch zwingende melodische Einfälle wie in späteren Werken vermissen. Allerdings ist die glänzende Instrumentation schon ein echter Tschaikowski und das Orchester brachte sie unter der packenden Gestaltung durch Roland Kluttig ebenso zum Erklingen.


Stürmischer Beifall

Auch quasi ein Jugendwerk ist das 1. Violinkonzert D-Dur op. 19 von Sergej Prokofjew, das anschließend zur begeisternden Aufführung gelangte. Am Ende ausgiebig gefeierte Solistin war 1992 in Korea geborene Hyeyoon Park, die bereits 2013 an dieser Stelle in einem Sinfoniekonzert mit dem Violinkonzert d-Moll von Benjamin Britten Furore machte. Das Prokofjew-Konzert spielte sie sicher auswendig mit berückend lyrischer Tongebung nicht nur in den Flageoletts, aber auch energischem Ton und Strich in den motorischen Passagen des 1. Satzes.

Hohe Virtuosität zeigte sie in dem folgenden wilden Scherzo, wiederum expressive Tongebung und brillante Läufe im Finale, das wie auch die beiden Tschaikowski-Werke mit verhaltenem Schluss endet.

Die junge vielversprechende Künstlerin wurde mit stürmischem, anhaltendem Beifall bedacht, für den sie sich mit einer virtuosen Zugabe von Edward Elgar (aus Etudes characteristiques op. 24) bedankte. Wiederum beeindruckend beim Violinkonzert die geschlossene, klangvolle Orchesterbegleitung unter der sorgsamen Leitung von Roland Kluttig.


Als Hauptwerk des Abends erklang nach der Pause die 6. Sinfonie h-Moll, die "Pathétique", von Peter Tschaikowski.


Grandiose Aufführung

Man erlebte eine mitreißende, zutiefst beeindruckende Wiedergabe dieses ergreifenden "Schwanengesangs" des Komponisten von der düsteren Fagott-Einleitung des ersten Satzes über die Eleganz des "verhinderten Walzers" im fünfviertel Takt und das marschartige zündende Scherzo bis zum weltschmerzlichen Finale, welches im Nichts verlöscht.


Trotz verständlicher Begeisterung für so eine grandiose Aufführung eines Spitzenwerks der sinfonischen Literatur sollten manche Zuhörer ihr Beifallsverhalten besser kontrollieren, um nicht die verständliche Ergriffenheit der Mehrzahl des Publikums durch zu frühes Applaudieren zu zerstören.




Junge Solistin zu Gast im Landestheater



Hyeyoon Park Die in Südkorea geborene junge Geigerin Hyeyoon Park war bereits 2013 erstmals im Landestheater Coburg zu Gast. 1992 in Seoul geboren, errang sie zahlreiche Preise und Auszeichnungen. Mit 17 Jahren gewann sie als jüngste Teilnehmerin den 1. Preis sowie zwei Sonderpreise beim ARD-Musikwettbewerb in München. Hyeyoon Park ist schon mit einer Vielzahl wichtiger Klangkörper aufgetreten - vom Deutschen Symphonie-Orchester Berlin bis zum Sinfonieorchester des Mariinsky-Theaters St. Petersburg.