Der vielleicht wichtigste Satz stand ganz am Ende der oft seitenlangen Einladungen: "Bringt eure Töchter mit!" Wenn der Adel des Mittelalters zum Turnier lud, ging es nicht nur um Waffengänge und höfisches Zeremoniell. "Das war auch ein Heiratsmarkt", sagt Arne Koets.

Der Niederländer weiß aber nicht nur, was in den Einladungen stand und wer alles zu solchen privaten Turnieren eingeladen wurde. Er weiß auch, wie die Sättel beschaffen waren, in denen die Turnierreiter saßen, er weiß, was ein Pferd können und aushalten muss, das in einem Tjost gegen einen anderen Ritter angaloppieren soll, und er weiß, welche Anforderungen das an einen Reiter stellt. "Im Prinzip ist das Tango tanzen mit einem Vierbeiner, mit Rüstung, Waffen und Gewalt." Arne Koets ist, wenn man so will, Berufsritter: Er bildet andere Reiter in mittelalterlichen Reit- und Kampfstilen aus, er forscht, wie diese Waffengänge abliefen, und er zeigt die Kampftechniken bei Mittelalterveranstaltungen.

Ab heute wird er viermal gegen andere Reiter antreten. Sein Wallach Maximilian wird ihn tragen, sein Hengst Sultan wird unter dem Australier Phillip Leitch ins Turnier gehen. Weltweit gebe es 24 Reiter, die tjosten können, sagt Koets, und davon elf beherrschen diese Kampftechnik auch ohne die Mittelschranke, die bei großen Turnieren üblich sei. Fünf dieser Reiter treten nun in Coburg auf.

3,40 Meter lang sind die Lanzen, die bei den Kämpfen zum Einsatz kommen; sie sind ungeschwächt, haben also kein Mittelstück aus Balsaholz, wie es bei Showturnieren oft zum Einsatz komme, erläutert Koets. Daneben zeigen er und seine Kollegen noch den Kampf mit der Streitaxt und mit dem Schwert.

Viele der Karten für die Turniere heute, am Donnerstag, Samstag und Sonntag sind schon verkauft. Karten gibt es nur noch bei den Kunstsammlungen der Veste Coburg (Telefon 09561/879-19).

Doch selbst, wenn man keinen Tribünenplatz ergattert, lohnt sich der Besuch auf der Veste, deren Bärenbastei und Burghöfe sich schon wieder in ein Ritterlager verwandelt haben. Oben, auf der zweiten Plattform des östlichen Burghofs, bereitet Andrej Pfeiffer-Perkhuhn das Bankettzelt vor. Normalerweise dient es als Museumszelt, und Pfeiffer-Perkhuhn vermittelt darin anschaulich Wissen über Leben und Arbeit im Mittelalter. Auf der Veste ist er für das Ritterbankett zuständig, und er hat dafür sogar extra neue Zinntellerchen nach alten Vorlagen gießen lassen. Das Bankett, bei dem die Ritter gleichrangig nebeneinandersitzen und heute zum Beispiel Rindfleisch in Rotwein speisen, gehörte zum Ritual.

Da die Ritter schon einige Stunden vor dem Turnier zu tafeln gedenken, können Veste-Besucher gerne zuschauen. Bis die Ritter und ihre Rösser dann startklar sind, dauert es "mindestens zwei Stunden", sagt Arne Koets und zieht eine Rossstirn und ein Crinet aus einer Kiste. Beides sind Rüstungsteile fürs Pferd - die Rossstirn schützt den Kopf, das Crinet aus beweglichen Platten den Hals.

Die Plattenrüstungen, die Koets und seine Mitstreiter tragen, wurden im 15. Jahrhundert entwickelt - nach dem Aufkommen der ersten Feuerwaffen. Vorher genügte dem Ritter ein Kettenhemd. Gleichzeitig entwickelte sich der Lanzenkampf zum Turniersport weiter und war in Adelskreisen durchaus eine Prestigesache.
Der Aufwand war damals schon hoch ("zu einem Ritter gehörten 20 bis 30 Pferde", sagt Andrej Pfeiffer-Perkuhn) und ist heute nicht geringer. "Die erste Lanze brechen kostet 100 000 Euro", sagt Arne Koets. Und da seien die Kosten fürs Pferd noch nicht einmal eingerechnet.

Deshalb spricht er wie Alfred Geibig, Kurator der Kunstsammlungen auf der Veste, "von einer in Deutschland einmaligen Veranstaltung". Vor fünf Jahren gab es das erste große derartige Turnier mit ungeschwächten Lanzen in St. Wendel. Der "Pas d'Armes" (oder Paso Honroso), der nun viermal auf der Veste gezeigt wird, wurde über zwei Jahre lang vorbereitet; 2013 führten Geibig und Koets die ersten Gespräche darüber.

"Die Besucher können wirklich eintauchen in die Welt des Mittelalters", verspricht Geibig. "Und sie können ziemlich viel lernen."