Die markanten Rufe der Mauersegler über dem Pausenhof des Gymnasiums Ernestinum dienten an diesem Abend als gutes Omen. "Die Mauersegler fliegen weit oben oben - das lässt uns hoffen, dass es lange genug trocken bleibt", sagte Sonja Alfrink vom Organisationsteam von Cultur im Contakt. Open Air im Pausenhof oder doch im großen Kirchenraum von St. Moriz? Die "Cultur im Contakt"-Macher haben sich beim Re-Start nach monatelangem Lockdown ganz bewusst für die Freiluft-Variante entschieden.

Freiluft-Kultur steht hoch im Kurs in diesen Wochen - auch in Coburg mit seinen bislang sehr erfolgreichen Sommerfestspielen im Hofgarten. Unter Corona-Vorzeichen sind Open-Air-Bühnen und -Konzertpodien sehr gefragt. Der Pausenhof des Gymnasiums Ernestinum in der Unteren Realschulstraße hat jetzt jedenfalls seine Eignung als Konzertort überzeugend unter Beweis gestellt - beim Gastspiel eines Liedermacher-Duos unter dem Motto "Hannes Wölfel trifft Fräulein Rita".

Mehrmals verschoben

Der Auftritt, ursprünglich bereits im vergangenen Jahr geplant, konnte auch beim ersten Nachholtermin Ende Februar in der Morizkirche nicht stattfinden, wurde nun aber mit weiteren knapp vier Monaten Verzögerung nachgeholt.

Corona-Zeiten sind bekanntlich auch für Kultur-Veranstalter herausfordernde Zeiten. Viele Termine mussten in den letzten Monaten abgesagt oder auf unbestimmte Zeit verschoben werden - bisweilen gar mehrfach verschoben werden. Das Organisationsteam der seit eineinhalb Jahrzehnten erfolgreichen Reihe Cultur im Contakt aber hat sich auch von diversen Rückschlägen durch die wiederholte Verlängerung des Lockdowns nicht entmutigen lassen - auch dann nicht, als sogar das modifizierte Konzept Cultur ohne Contakt mit Abstand und limitierter Besucherzahl zunächst nicht umsetzbar war.

"Gänsehaut pur"

"Es ist frustrierend, wenn man nichts machen darf", sagte Sonja Alfrink im Rückblick auf lange Lockdown-Monate. Erst vor rund zwei Wochen war dann die Info gekommen, dass Konzerte grundsätzlich wieder möglich wären.

Doch wo? Denn die Kapazitäten im Haus Contakt wären unter Corona-Bedingungen zu klein. Norbert Berger, Deutschlehrer am Gymnasium Ernestinum und zugleich Mitglied im Team von Cultur im Contakt brachte dann den Pausenhof des Gymnasiums ins Gespräch. Immerhin hatte er hier mit einem eigenen Schülertheater-Projekt schon gute Erfahrungen gesammelt. Mit letztlich nur eineinhalb Wochen Vorlaufzeit wurde das Konzertprojekt schließlich in die klingende Tat umgesetzt. "Gänsehaut pur, endlich wieder Musik hören zu können", freute sich Sonja Alfrink.

Zum Re-Start präsentierte das doppelte fränkische Liedermacher-Duo eine melodienreiche Auswahl eigener Stücke, aber auch einige Rockklassiker von Sting bis Kansas. Für Fräulein Rita war der Auftritt übrigens ein künstlerisches Heimspiel - denn eigentlich heißt Fräulein Rita mit bürgerlichem Namen Veronika Schleicher und ist als Musiklehrerin am Ernestinum tätig.

Für die seit Pandemie-Beginn abgesagten oder verschobenen Reine gibt es nun bis Januar 2022 Nachholtermine (siehe Info-Box "So plant Cultur im Contakt"). "Wenn klar ist, dass wieder alles normal laufen kann, werden wir weitere neue Termine planen", verspricht Alfrink.

Option für die Zukunft

Und vielleicht bleibt ja die Freiluft-Variante auch in Zeiten nach der Pandemie eine Option für Cultur im Contakt in der Sommerzeit. Sonja Alfrink kann sich das nach der ersten positiven Erfahrung jedenfalls vorstellen - immer vorausgesetzt, das Ernestinum stellt dann wieder den Pausenhof zur Verfügung.jb

So plant Cultur im Contakt

16., 17. Oktober: Gizelah

14. November: A Glezele Vayn

26. November Solina Cello-Ensemble

16. Dezember: Queens Six (mit Vorbehalt)

23. Januar 2022: Faltenradio gemeinsam mit Gesellschaft der Musikfreunde