Bad Rodach
Kandidaten

Rainer Möbus: typisch, nicht klassisch

Rainer Möbus kandidiert für die FW im Wahlkreis. Der 59-Jährige legt Wert darauf, sich nicht im etablierten Parteisystem zu bewegen.
Da ist er daheim: Rainer Möbus am Gipfel des Georgenberges bei Bad Rodach. - Foto: Berthold Köhler
Da ist er daheim: Rainer Möbus am Gipfel des Georgenberges bei Bad Rodach. - Foto: Berthold Köhler

Lokalpolitisch gesehen, ist Rainer Möbus gar kein Freier Wähler. Er sitzt schließlich seit 2014 für das "Zukunftsforum" im Bad Rodacher Stadtrat und ist dort beileibe nicht immer einer Meinung mit den FW-Kollegen. Aber genau das macht ihn, sagt der 59-Jährige, dann doch wieder zu einem typischen FW-Kandidaten: "Die Freien Wähler sind seit jeher ein Sammelsurium von Leuten, die gar nicht in eine klassische Partei wollen."

Unternehmer, Ehrenamtler, Kommunalpolitiker - da gibt es viele Bereiche, bei denen Rainer Möbus immer wieder mal über die große Politik den Kopf geschüttelt hat. Nicht zuletzt auf Anraten seiner Frau ("Dann bewirb Dich doch.") will er jetzt nicht bloß mosern, sondern es selbst besser machen in der großen Politik. Da aber das "Zukunftsforum" nicht für die Bundestagswahl gelistet ist, wurde Rainer Möbus zum Kandidat der Freien Wähler. Das ist für ihn nicht neu, schließlich sitzt er für die bereits im Coburger Kreistag.

Nicht kämpfen, nicht schwurbeln

Der Zeitpunkt für seine Bewerbung in Richtung Berlin ist gut, meint Möbus. Schließlich werden nach dem Ausscheiden des langjährigen Bundestagskandidaten Hans Michelbach (CSU) die Karten neu gemischt. Zudem haben es die Freien Wähler mit derzeit 3,5 Prozent Stimmenanteil auf Bundesebene sogar bis ins Wahlbarometer der Bild-Zeitung geschafft. Das stimmt optimistisch. Bei überwiegend jungen Mitbewerbern um das Direktmandat im Wahlkreis für Berlin fühlt sich Rainer Möbus in einer guten Position, getreu seinem Motto: "Wer die Wahl hat, braucht eine Auswahl." Und da passe ein 59-Jähriger Familienvater gut ins Angebot. Erst Recht, wenn dieser Wert darauf lege, eben nicht aus einem etablierten Parteisystem zu kommen. Deshalb liegen Möbus Begriffe wie der "Wahl-Kampf" fern, "Standardphrasen und Geschwurbel" auch.

Rainer Möbus fühlt sich "im besten Alter für den Bundestag" und hat natürlich auch die Jungen im Blick. Regelmäßig postet er neue Videos auf Facebook und Instagram. Zwar hat in der Vorbereitung eine professionelle Agentur mitgeholfen, aber die Clips leben hauptsächlich vom unübersehbaren Show-Talent, das Rainer Möbus seit Jahrzehnten auf der Heldritter Waldbühne immer wieder unter Beweis stellt. Ein bisschen Show gehört dazu, sagt der Geschäftsführer von "Rodacher Flüssiges Obst" und grinst. "Das Internet ist die beste Möglichkeit, um sich bei der jungen Generation bekannt zu machen."

Bei dem, was ihn in Berlin erwarten würde, gibt sich Rainer Möbus keinen großen Illusionen hin. Auf die Frage, was er denn im Bundestag für die Region tun wolle, wiegt er ein paar Mal den Kopf hin und her und sagt dann: "Der Bundestag ist jetzt nicht unbedingt ein Gremium, das mit unseren regionalen Themen viel zu tun hat." Da müsse man das große Ganze sehen, wobei auch Berliner Entscheidungen durchaus bis in den privaten Haushalt durchschlagen. Seine Erfahrung von drei Jahrzehnten an der Spitze eines mittelständischen Unternehmens, bei dem die nächste Generation bereits mit eingebunden ist, sei da sicher nicht fehl am Platze. Er könne Wegbegleiter für kleine Startups in der Region genauso sein wie Ansprechpartner für die großen Unternehmen.

Wie ist das mit dem Lückenschluss?

Mehr Geld aus Berlin täte auch der Kultur gut. Denn wie brutal die vergangenen beiden Corona-Jahre die Kulturschaffenden nahezu in den Niedergang getrieben haben, tut dem Urgestein des Heldritter Waldbühnen-Ensembles im Herzen weh. Jetzt noch in diesem Bereich den Rotstift anzusetzen, wäre nach Ansicht von Möbus grundfalsch. Genauso wie ein strikt auf Wirtschaftlichkeit ausgelegte Denken, das zunehmend in den Kulturbetrieben herrscht. Da müsse man ehrlich sein: "Es gibt Sachen, die rechnen sich nicht." Einige Bereiche der Kultur auch nicht - "aber sie sind ein wichtiger Teil in unserem Zusammenleben."

Und dann kommt doch noch der handfeste Punkt, bei dem Rainer Möbus in Berlin gerne was fürs Coburger Land bewegen würde: der Bahn-Lückenschluss Richtung Südthüringen. Auf lokaler Ebene sieht der Kreisrat das Projekt auf dem richtigen Weg, wenn auch ein bisschen spät dran: "Mit den Planungen hätte man vor 30 Jahren schon anfangen können." Persönlich favorisiert Möbus dabei eine Verbindung über Bad Rodach und Hildburghausen. Da könne man die von Bund und Land geforderte Wirtschaftlichkeit erreichen, sagt der 59-Jährige und verweist auf die Einpendler, die aus Südthüringen zu Arbeitgebern wie Haba und Valeo nach Bad Rodach kommen: "Wenn wir nur zehn Prozent davon weg vom Auto bekommen, dann wär' das Zügla voll." Zudem wäre eine Zugverbindung über die Bad Rodacher Sackgasse hinaus Richtung Westen ein positiver Aspekt für den Tourismus. Dass auch da ein Wandel in der Art der Mobilität kommen wird, will Rainer Möbus nicht ausschließen: "Heute kommen viele Gäste mit dem Wohnmobil, irgendwann vielleicht mal mit dem Zug."

Kandidaten antworten uns in 280 Zeichen

Sind Sie für oder gegen die Impfpflicht? Es sollte jeder selbst entscheiden, ob er geimpft werden will oder nicht. Ich selbst bin geimpft und kann es nur empfehlen.

Sind Sie für oder gegen das Tempolimit auf Autobahnen? Ich hätte kein Problem mit einem Tempolimit, wie es in vielen Ländern üblich ist. In Deutschland ist es wohl politisch schwer durchzusetzen, weil es sich um so etwas wie eine Glaubensangelegenheit handelt.

Sprache: gendern oder nicht? Gendern beim Sprechen gerne. Aber wenn unsere Sprache holprig wird und ihre Schönheit verliert, sollte man es lassen.

Würden Sie privat Migranten aufnehmen? Meine Familie hatte schon immer ein international offenes Haus. Wenn Not am Mann wäre, stünde auch Platz für Migranten zur Verfügung.

Was darf ein Kilo Schweinefleisch kosten? Der Preis für Schweinefleisch ist in unserem Wirtschaftssystem eine Angelegenheit des Marktes. Solange die Mehrheit der Verbraucher zu den billigsten Preisen einkauft und die Landwirtschaft zu diesen Preisen anbietet, beziehungsweise anbieten muss, wird das Preisniveau niedrig bleiben.

Haben Sie jemals abgeschrieben? Selbstverständlich! Bereits früh habe ich erkannt, dass man, wenn man nicht mehr weiter weiß, externe Experten zu Rate ziehen muss. Früher habe ich meine Quellen nicht angegeben, heute würde ich das natürlich tun.

Wie hoch muss die monatliche Rente mindestens sein, um davon leben zu können? Die Rente muss sogar so hoch sein, dass man gut davon leben kann. Um die Höhe, die immer wieder angepasst werden muss, herauszufinden, werden viele Expert:innen beschäftigt. Klar muss sein, dass, wenn die erarbeitete Rente nicht ausreicht, in irgendeiner Weise aufgestockt wird.

Was darf ein Liter Benzin kosten? Auch das ist das Ergebnis von Angebot und Nachfrage. Ziel sollte es jedoch sein, dieses endliche Gut immer weniger zu brauchen und andere Energieträger zum Autofahren einzusetzen.

Sind Sie für oder gegen den Einsatz von Glyphosat? Ich bin gegen alle Mittel, die nachweislich unserer Gesundheit schaden.

Steckbrief: Rainer Möbus (Freie Wähler)

Name: Rainer Möbus (Bundesvereinigung Freie Wähler). - Geburtsdatum: 15. Januar 1962. -

Wohnort: Bad Rodach - Familienstand: verheiratet. - Erlernter Beruf: Industriemeister Fruchtsaft und Getränke. - Hobbies: Schauspiel, Feuerwehr, Kultur, Musizieren, und vieles mehr. - Bezahlte Posten außerhalb der Politik: Geschäftsführer Rodacher Fruchtsäfte GmbH.