In der Ernststraße, direkt neben der Polizei, befindet sich einer von acht Zebrastreifen in Neustadt. Er liegt auf dem direkten Weg vom Arnoldplatz in die Innenstadt. "In der Dienststelle haben wir mitbekommen, dass Autofahrer oft Vollbremsungen machen mussten. Andere Autos haben wiederum gar nicht angehalten", sagt Alexander Höhne, der als Verkehrssachbearbeiter bei der Neustadter Polizei tätig ist.

Für Autofahrer, die in Richtung Sonneberg fahren, sind Fußgänger zum Teil erst dann sichtbar, wenn diese den Zebrastreifen betreten oder kurz davor sind. Der Grund: Das Eckhaus direkt neben dem Überweg steht kaum einen Meter von der Straße entfernt.

Unfallschwerpunkt Zebrastreifen

Damit Fußgänger, die aus der Innenstadt kommen, für die Autofahrer nicht völlig überraschend hinter dem Haus hervortreten, wurden im vergangenen Herbst Pflanzenkübel aufgestellt. Wie Höhne berichtet, habe sich die Situation seitdem verbessert: "Die Fußgänger gehen um die Pflanzenkübel herum und mittig auf den Zebrastreifen zu." Wenn der Umbau des Marktplatzes abgeschlossen ist, möchte die Stadt Neustadt die Ernststraße planerisch angehen. "Eine Möglichkeit wäre es, hier eine Engstelle zu bauen, sodass immer nur aus einer Richtung ein Auto über den Zebrastreifen fahren kann", sagt Detlef Heerlein vom Ordnungsamt der Stadt Neustadt. Für die anderen sieben Zebrastreifen in Neustadt bestehe kein Nachbesserungsbedarf. Die Autofahrer hätten hier eine bessere Sicht auf die Wartestellen.

Wie Heerlein aus Erfahrung berichtet, sind Zebrastreifen eine schnell von Schülern, Senioren und Fußgängern herbeigesehnte Maßnahme. "Generell wird oft angenommen, dass die Sicherheit sich erhöht, wenn ein Zebrastreifen angelegt wird. Das kann funktionieren, muss es aber nicht." Vor zehn bis 15 Jahren sind vermehrt Zebrastreifen installiert worden. "Danach wurde festgestellt, dass sich die Unfälle hier häufen. Die Fußgänger fühlen sich sicher und achten nicht auf die Autofahrer, die beispielsweise durch das Radio abgelenkt sein können."

Um einen Zebrastreifen anzulegen, müssen drei Voraussetzungen erfüllt sein. "Die Fußgänger müssen sich genau an der Stelle kanalisieren, sonst bringt der Zebrastreifen nichts", sagt Heerlein. Es sei schwer, den Weg über die Straße durch am Straßenrand platzierte Ketten zu leiten. Schließlich könnten die Leute problemlos an diesen vorbei und über die Straße gehen.

Die Sichtbarkeit als Kriterium

Darüber hinaus ist die Frequentierung der Straße dafür entscheidend, ob ein Zebrastreifen angelegt wird oder nicht. "Eine gewisse Anzahl von Fußgängern und Autos pro Stunde an der betreffenden Stelle ist die Voraussetzung für den Fußgängerüberweg", sagt Heerlein. Wenn zwischen 300 und 600 Autos die Straße stündlich befahren und in derselben Zeit 100 bis 150 Fußgänger die Straße überqueren, wird ein Zebrastreifen empfohlen. Das steht in den Richtlinien für die Anlage und Ausstattung von Fußgängerüberwegen.

Neben der Kanalisierung und der Frequentierung der Stelle, an der der Zebrastreifen angelegt werden soll, ist auch deren Sichtbarkeit entscheidend. "Die Autofahrer müssen die Wartestellen, an denen die Fußgänger stehen, gut sehen können." In Bereichen, in denen eine Geschwindigkeit von 50 Stundenkilometern erlaubt ist, muss der Zebrastreifen aus einer Entfernung von 100 Metern und die Wartestelle aus 50 Metern Entfernung erkennbar sein. In einer Tempo-30-Zone sind 50 Meter für den Zebrastreifen und 30 Meter für die Wartestellen vorgeschrieben. Alternativen für den Zebrastreifen sind Druckampeln und Verkehrsinseln. In Neustadt gibt es hiervon jeweils acht. "Es gilt immer abzuwägen, welche die richtige Maßnahme ist. Hier an dieser Stelle in der Ernststraße gibt es zu wenig Autofahrer und Fußgänger für eine Druckampel, für eine Verkehrsinsel ist die Straße zu schmal."

Fakten über Zebrastreifen

1953 wird der gestreifte Fußgängerüberweg in die Straßenverkehrsordnung aufgenommen. Der Grund: Durch die Zahl der steigenden Autos war die Zahl der Unfalltoten gestiegen.

Fußgänger haben erst seit 1964 das Vorrecht beim Überqueren von Zebrastreifen. Vorher waren Autofahrer nicht gesetzlich verpflichtet zu warten.

3D-Zebrastreifen wurden bereits in Österreich und Island getestet und werden so auf die Straße gemalt, dass der Autofahrer den Eindruck hat, er fährt auf ein Hindernis zu. Denn pro Jahr sterben noch immer rund zwei Dutzend Menschen beim Überqueren von Zebrastreifen. Quelle: WDR