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Coburg
Initiative

Partnerschaft Chico: Ein Händedruck unter Brüdern

Es ist 50 Jahre her, dass Hans-Gernot Kleefeld als erster bayerischer Pfarrer nach Afrika ausgesandt wurde. Inzwischen besteht eine enge Verbindung zwischen den Dekanaten Coburg und Chimala in Tansania - die Partnerschaft Chico.
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Dekan Christoph Liebst und Laurant Ng'umbi demonstrieren die Verbundenheit zwischen Coburg und Chimala. Fotos. Alexander Rosenmeyer
Dekan Christoph Liebst und Laurant Ng'umbi demonstrieren die Verbundenheit zwischen Coburg und Chimala. Fotos. Alexander Rosenmeyer
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Sie hatten in Brandt in Tansania das einzige aus Ziegelsteinen gebaute Haus. Im Luxus lebten die Kleefelds aber nicht - damals, 1964, als sie in das afrikanische Land kamen, um die dortige Missionsanstalt zu betreuen. Die Patenschaft für diese Mission hatte das Dekanat Coburg übernommen. "Anfangs gab es kein Wasser. Wir haben eine Grube gegraben, und das Wasser musste aufs Dach in einen Hochbehälter getragen werden", erinnert sich Hans-Gernot Kleefeld, Jahrgang 1935 und heute Pfarrer im Ruhestand.

Das Haus, in dem er mit seiner Frau Traudl, Sohn Andreas und später Sohn Frieder wohnte, lag mitten im afrikanischen Busch. Es war nur über eine schlechte Straße, die durch ein Reisfeld führte, zu erreichen. "Wir kannten auch die Sprache nicht, ich musste erst Suaheli lernen. In den Behörden konnten wir englisch sprechen", erzählt Hans-Gernot Kleefeld.
Während er als Pfarrer tätig war, kümmerte sich Traudl Kleefeld um die Frauen. "Am Mittwochvormittag haben die Frauen die Predigt gehalten. Durch sie haben wir auch den Weltgebetstag kennengelernt."

Die offizielle Aussendung des Coburger Pfarrers gründete sich auf einen Beschluss des Weltkirchenrats von 1961. Der besagte, dass die Kirchen selbst die Verantwortung für die Weltmission übernehmen sollten. Bis dahin war das allein den Missionsgesellschaften überlassen.


Eine Mark für Brandt

" Für Bayern setzte das Dekanat Coburg als erstes diesen Beschluss um." Hans-Gernot Kleefeld wurde also nach Brandt geschickt, wo er vier Jahre lang die Aufgaben der einst von der Berliner Mission gegründeten Station übernahm. Eine erste große Aktion des Partners Coburg: Günther Grötzner, Pfarrer der Gemeinde St. Johannes Hut/Wüstenahorn, bat seine Gemeindemitglieder, zu jeder Mark, die sie für den Neubau der Kirche gaben, eine weitere für die Station in Brandt zu geben.

Von 1964 bis 2001 lebten sieben bayerische Pfarrfamilien in der Station. Sie waren Distiktmissionare im Dekanat Uwanji/Usangu. Daraus wurde später das Dekanat Chimala. Die Partnerschaft zum Dekanat Coburg trägt deshalb den Namen Chico.

Es blieb nicht bei einseitigen Besuchen der deutschen Partner in Tansania. Die erste Delegation aus dem afrikanischen Land kam 1974 nach Deutschland und besuchte Gemeinden im Dekanat Coburg. Damit wurde die Grundlage für Gegenseitigkeit gelegt.


Jubiläumsfeier in Chimala

50 Jahre Partnerschaft sind jetzt Anlass für eine Feier im Dekanat Chimala, zu der am Freitag, 8. August, neun Mitglieder des Coburger Partnerschaftsausschusses reisen - zusammen mit zehn Mitgliedern des Freundeskreises Fema (Fechheim-Matamba). Der Grundstein für diesen Freundeskreis wurde in den 80er Jahren gelegt.
Von Juni 1987 bis Juni 1991 lebte und arbeitete der jetzige Bischof der tansanischen Südwest-Diözese, Job Mbwilo, in der Kirchengemeinde Fechheim. Es entwickelte sich eine Verbindung zum Heimatort des Pfarrers, Matamba. Und daraus wurde schließlich der Freundeskreis Fechheim-Matamba, kurz Fema-Kreis. Dessen Vorsitzende ist Heidrun Mücke. Sie erzählt von Projekten, die vor Ort in Tansania unterstützt wurden. Da ist zum einen das Gemeindehaus - in den 90er Jahren mit deutscher Hilfe gebaut - und ein Waisenhaus, dessen Bau 2005 begann und das heute fertiggestellt ist. "Wir können in Matamba unter anderem deshalb so viel erreichen, weil uns vor Ort Bischof Mbwilo zur Seite steht", sagt Heidrun Mücke.

In beiden Dekanaten, sowohl in Coburg als auch in Chimala, koordiniert ein Partnerschaftsausschuss die Arbeit. Der Dekanatsmissionspfarrer Alexander Rosenmeyer gibt diesem Ausschuss ehrenamtlich Unterstützung. "Die Mission geht weiter", sagt er. "Deshalb müssen wir uns überlegen, wie wir die jungen Gemeindemitglieder mit einbeziehen." In zwei Jahren soll eine Jugenddelegation nach Tansania reisen. "Das Interesse ist da." Außerdem gibt es eine Partnerschaft des Gymnasiums Ernestinum mit der Igumbilo Lutheran Girls Secondary School.
" Derzeit haben 16 Gemeinden aus dem Landkreis eine Partnerschaft in Tansania", sagt Alexander Rosenmeyer und ergänzt: "Eine Partnerschaft wird von Menschen getragen." Vom 8. bis 23. August wird nun gefeiert. Beim offiziellen Festakt sind die Leute vom Fema-Kreis noch dabei. Dann verabschieden sie sich und machen sich auf den Weg nach Matamba. Denn auch sie wollen ihre Partnerschaft immer wieder mit Leben füllen.