"Die Patienten stehen in der Notaufnahme in allen Ecken, werden auf den Gängen behandelt. Manche warten im Wartezimmer bis zu sieben Stunden." So schildert es eine Pflegekraft aus dem Klinikum Coburg, die ihren Namen zwar nicht in der Zeitung lesen möchte, aber auch nicht mehr weiß, was sie sonst tun soll, um auf die desolate Lage aufmerksam zu machen. Denn die sei nicht nur dem Umstand geschuldet, dass überall die Betten knapp werden und Patienten in Coburg deshalb manchmal erst nach 18 Stunden von der Notaufnahme auf eine Station im Klinikum verlegt werden können. "Wir sind zu wenig Personal", sagt die Pflegekraft."In den letzten zweieinhalb Jahren gingen 28 Leute, weil es ihnen zu viel wurde. Andere reduzieren die Arbeitszeit, obwohl sie noch jung sind, weil sie es sonst nicht schaffen."

Mehrfach hätten die Beschäftigten der Notaufnahme gegenüber der Geschäftsführung und dem Betriebsrat von Regiomed Alarm geschlagen, sagt die Pflegekraft. Betriebsratsvorsitzender Martin Lücke und sein Stellvertreter Helmut Riedel kennen das Thema. "Wir sind schon die ganze Zeit in Verhandlungen, wie wir die Situation verbessern können", sagt Herbert Riedel. Martin Lücke spricht von einem allgemeinen Mangel an Pflegekräften: Es könnten gar nicht alle Planstellen im Klinikum besetzt werden, unabhängig davon, dass der Betriebsrat die Zahl der Planstellen nicht für ausreichend hält. Doch der Mangel an geeignetem Personal allein erklärt noch nicht die ganze Misere. "Wenn sich im Regiomed-Verbund Notaufnahmen abmelden, weil sie überlastet sind und dann alles nach Coburg kommt, wird das ein Problem", sagt Helmut Riedel. So sei die Sonneberger Notaufnahme einmal blockiert gewesen, weil dort viele Corona-Patienten ankamen.

Notaufnahme abgemeldet

Auch die Coburger Notaufnahme musste in den letzten Tagen schon einige Male stundenweise abgemeldet werden: Die Integrierte Leitstelle erhält dann die Mitteilung, dass die Notaufnahme derzeit niemanden aufnehmen kann und dass die Patienten an andere Klinken verwiesen werden sollen. Doch das geschieht zumindest im Coburger Fall offenbar relativ spät - zumindest später, als es die Pflegekräfte für sinnvoll halten. Helmut Riedel bestätigt das indirekt: Die Geschäftsführung und der ärztliche Dienst würden möglichst spät erst abmelden wollen, sagt er. Dann seien aber meist schon die Wartebereiche voll und alle Betten belegt.

"Wenn wir uns als Krankenhaus abmelden, tun wir das schweren Herzens", sagt Martin Lücke. Er nennt einen weiteren Faktor, der die Misere verstärkt: "Wir sind als Krankenhaus in Volllast und in der Überlastung. In den letzten Wochen ist das Dauerzustand." Denn Coburg sei ein Haus der Versorgungsstufe II, der höchsten im Regiomed-Verbund. Darüber kommen nur noch Uni-Kliniken und vergleichbare Krankenhäuser. Als übergeordnete Klinik müsse Coburg auch die Patienten übernehmen, die woanders gar nicht angenommen werden können, sagt Lücke. Wenn aber nun schon alle Klinikbetten besetzt sind, dann können die Stationen die Patienten aus der Notaufnahme gar nicht mehr abnehmen. Die Folge: Stau auf den Gängen. "Wir hatten neulich die Situation, dass wir nicht mal mehr ein Bett oder eine Liege hatten. Und wir haben richtig viele Liegen", schildert die Pflegekraft die Situation.

Viele Ursachen

Geschäftsführer Robert Wieland ist seit Anfang Oktober zuständig für die bayerischen Einrichtungen von Regiomed und damit auch für das Coburger Klinikum. Er will die Herausforderungen in der Notaufnahme angehen, wie er versichert. Auch er verweist darauf, dass es für die Probleme mehrere Ursachen gebe - nicht nur den Personalmangel. Manchmal müssten Patienten auch länger warten, da ihre Symptome und Erkrankungen weniger dringlich behandelt werden müssen. Kurz gesagt: Ein Patient mit einem Herzinfarkt wird vor einem Zeckenbiss oder einem Schnitt in den Finger versorgt. Schwere Erkrankungen und Verletzungen kommen eben zuerst dran, "und dann rutscht jemand mit leichteren Symptomen nach hinten", sagt Wieland. In die Notaufnahme würden auch Patienten kommen, die beim Hausarzt oder in der kassenärztlichen Bereitschaftspraxis besser aufgehoben wären. Tägliche Engpässe seien möglich, wenn die Krankenhäuser voll seien oder die in der Notaufnahme ein großer Andrang abgearbeitet werden müsse.

Zudem betont der Geschäftsführer, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Notaufnahme tagtäglich viele Patienten bestmöglich und mit vollstem Engagement versorgen, gerade auch vor dem Hintergrund der immer noch angespannten Corona-Lage.

Wieland sagt allerdings auch, dass er einige hausgemachte Probleme sieht, spricht von Abläufen, die optimiert werden müssten. Weil es da aber um laufende Gespräche gehe, will der Geschäftsführer dazu nichts sagen. Innerhalb des Regiomed-Verbunds werde jedenfalls versucht, die Patienten auch an andere Kliniken im Hinblick auf eine notwendige qualifizierten Behandlung weiterzuleiten, um jeden gut versorgen zu können, betont er. Auch die Klinik in Neustadt sei da einbezogen. Eine eigene Notaufnahme sei aber dort personell gesehen gar nicht möglich. Außerdem befinde sich das Klinikum Sonneberg in der Nähe.