Was hätte das für ein gutes Jahr 2020 für Oberbürgermeiser Frank Rebhan (SPD) sein können: Klarer Sieg für ihn und die SPD bei der Kommunalwahl, die Rathaussanierung erfolgreich abgeschlossen... Und doch bleibt beim Blick zurück eine große Herausforderung in Erinnerung: die Corona-Pandemie.

Wie er und die Stadt damit umgegangenen sind und welche Herausforderungen er für das Jahr 2021 sieht, verrät der 61-Jährige im Jahresanfangs-Interview.

Fangen wir gleich damit an, aber danach soll schon wieder Schluss mit dem Wort sein: Corona. Mal ganz weg von Aspekten des kommunalen Betriebs: Wie sehr hat die Pandemie Ihre Arbeit verändert?

Frank Rebhan: In bestimmten Teilen komplett. Auf der einen Seite habe ich nahezu keine Veranstaltungstermine seit Mitte März gehabt. Das war schon sehr ungewohnt. Das erste Mal seit vielen Jahren wenig Termine am Abend und an den Wochenenden. Ebenso haben wir Besuche bei Alters- und Ehejubilaren, also bei unseren älteren Mitbürgern mit runden Geburtstagen oder bei Jubelhochzeiten, weggelassen, weil wir die Jubilare nicht gefährden wollten.

Wie hat sich die Pandemie auf die Arbeit der Verwaltung ausgewirkt?

Sie und der Umgang mit ihr haben in der Verwaltung großen Raum eingenommen. Wir haben systemkritische Bereiche - beispielhaft die Kläranlage, die Müllabfuhr, ebenso unsere Stadtwerke - die unter allen Umständen funktionieren müssen. Der Geschäftsführer der Stadtwerke, Armin Münzenberger, hat hier übrigens unter den erschwerten Bedingungen - ich denke nur an die Bäder - einen tollen Job gemacht. Im Rathaus ging es los mit Umstellung auf Digitalisierung, Einrichten von Home-Arbeitsplätzen, Schichtbetrieb, Trennung von Arbeitsgruppen und vielem mehr. Dazu kam eine Vielzahl von Abstimmungen mit dem Landratsamt und den Bürgermeister-Kollegen, zum Beispiel über die dutzende immer neu umzusetzenden Hygiene- und Schutzmaßnahmen sowie die Einhaltung der vorgegebenen Richtlinien.

Aber trotzdem sind viele Projekte gut gelaufen, man denke nur an den Marktplatz. Wann wird er wieder zur vollen Nutzung zur Verfügung stehen?

Ja, alles was anstand, hat die Verwaltung trotz der Einschränkungen auch geschafft. Der Marktplatz, unsere gute Stube, wird im Spätherbst 2021 fertiggestellt sein. Wir sind sehr gut im Zeitplan. Bei der Sanierung unserer Schule an der Heubischer Straße hoffen wir, dass wir nicht zu viele Überraschungen im Altbau erleben werden - bleiben aber zuversichtlich. Bei unserem neuen Kindergarten in Ketschenbach gehen wir davon aus, dass wir im September 2021 die ersten Kinder aufnehmen können.

Wie haben Sie und die Verwaltung sich im neuen, alten Rathaus eingelebt?

Es ist für mich und für alle Mitarbeiter schön, quasi wieder zu Hause zu sein. Das Rathaus ist sehr viel heller und moderner geworden. Die Technik ist jetzt dem 21. Jahrhundert entsprechend. Das Haus war schon in der Vergangenheit nach außen aufgrund der großen Fensterfronten sehr transparent gehalten. Dieses haben wir jetzt konsequent auch nach innen umgesetzt. Jedes Büro ist für den Bürger einsehbar. Man muss also nicht mehr vor Türen stehen und klopfen, in der Hoffnung, dass der zuständige Mitarbeiter erstens da ist und zweitens keine Kundschaft hat.

Gibt es Pläne/Termine einer feierlichen "Wiedereinweihung" für das Rathaus?

Dass bislang keine Feier möglich war, finden wir alle sehr bedauerlich. Geplant war, mit Fertigstellung der Mediathek das Rathaus an die Neustadter quasi zu übergeben. Das muss jetzt halt warten, bis die Corona-Lage es wieder zulässt.

Sie scheinen zuletzt die Lust am Radfahren entdeckt zu haben. Was war der Anlass für Ihr Engagement und wo sehen Sie Möglichkeiten, dass sich Neustadt in diesem Bereich weiterentwickeln kann? Oder gar: muss?

Da geht es auch, aber nicht nur, um Neustadt, sondern um die gesamte Region. Ein Radfahrer macht nämlich nicht an Stadtgrenzen halt. Wir brauchen eine Vernetzung im Coburger Land und zu den angrenzenden Landkreisen. Ich glaube, wir haben zwei Aufgaben zu erfüllen. Erstens, das Rad muss eine echte Alternative zu sonstigen Verkehrsmitteln werden. Dafür braucht´s leistungsfähige Wege, auf denen ich schnell mein Ziel, beispielsweise meine Arbeitsstätte, erreichen kann. Zweitens: Im Tourismusbereich haben wir großen Nachholbedarf.

Was können Sie sich da vorstellen?

Das fängt bei schön gelegenen, familiengerechten Fahrradwegen an und geht über die notwendige Infrastruktur wie Ladesäulen für E-Bikes weiter, bis zu Ausschilderungen für Biergärten und Sehenswürdigkeiten. Der Anlass für mein Engagement und für diese neuen Überlegungen ist der Boom der E-Bikes. Mit unserer hügeligen Landschaft waren wir für Radfahrer eher nicht prädestiniert. Das ändert sich fundamental gerade mit der Vielzahl an neuen E-Bikes. Aus meiner Sicht könnten wir von einem zeitgemäßen Radwegekonzept und dessen Umsetzung gerade im Tourismus außerordentlich profitieren.

Um die Zusammenarbeit zwischen den Partnerstädten Neustadt und Sonneberg ist es - wohl aufgrund der großen anderen Themen - in der öffentlichen Wahrnehmung ruhig geworden. Was gibt es da zu berichten?

Da haben Sie Recht, dass es derzeit ruhig geworden ist. Wir kämpfen wieder mit der bürokratischen Ländergrenze. Wir haben - wie von den beiden Freistaaten verlangt und mitfinanziert - ein gemeinsames Konzept mit vielen gesellschaftlichen Gruppen erarbeitet. Um dieses Konzept allerdings zum Laufen zu bringen, braucht es ein sogenanntes Umsetzungsmanagement. Während Thüringen bereits die notwendige Förderung in Aussicht gestellt hat, tut sich Bayern bislang schwer damit. Da beißt sich die Katze wieder in den Schwanz. Kooperationen zwischen bayerischen Kommunen werden gefördert. Für länderübergreifende Kooperation oder Zusammenarbeit gibt es keinen Vergleichsfall.

Wie wollen oder werden Sie darauf reagieren?

Wir werden zu Beginn des neuen Jahres einen weiteren Anlauf versuchen. Der Landtagsabgeordnete Martin Mittag wird den beiden Städten hier zur Seite stehen. Wenn alle Stricke reißen sollten, werde ich mich erneut an den Innenminister Joachim Herrmann wenden, der uns seine grundsätzliche Unterstützung sehr klar zugesichert hat.

Zum Schluss noch ein Satz, den Sie vervollständigen dürfen: Wenn wir uns im kommenden Jahr an dieser Stelle wieder unterhalten, wird Neustadt...

...diese Mistpandemie überwunden haben. Wir werden wieder Kultur genießen, gemeinsam feiern und uns treffen können. Und ein ganz besonderer Wunsch noch dazu: Ich hoffe, dass unsere Gastronomen, unsere Einzelhändler und Dienstleister und unsere Künstler diese Krise finanziell überstehen werden.