Es ist vor allem der soziale Aspekt, den die Redner betonen, wenn wieder ein Bauabschnitt des Projekts "Wohnen in allen Lebensphasen" (WAL) in der Schlesierstraße in Rödental fertig geworden ist. Sie haben recht, denn genau das ist auch der Grund, aus dem viele Bewohner gerade hier leben wollen.

Daniela Comsa etwa, die gern Besucher in ihre Wohnung ließ, als gestern der dritte Bauabschnitt festlich seiner Bestimmung übergeben wurde. Helle modern eingerichtete Räume, eine geräumige Terrasse - es klang überzeugend, als sie bekundete: "Ich bin sehr zufrieden." Gefragt hatte Landrat Michael Busch (SPD). Er ließ sich zusammen mit Karin Sandeck von der Obersten Baubehörde im Freistaat und Marion Resch-Heckel von der Regierung von Oberfranken durch die Räume führen.

Dass sich die Regierungsstellen so stark für das Projekt interessieren, hat gute Gründe. Einer davon ist Geld.
Die Gebäude Schlesierstraße 21 und 23 der Wohnungsbaugesellschaft des Landkreises so zu modernisieren, dass sie dem Projekt "Wohnen in allen Lebensphasen" gerecht werden, kostete rund 2,3 Millionen Euro. Die Stadt Rödental zahlte zu, der Landkreis auch, doch ohne staatliche Förderung hätte es nicht gereicht. Da sorgte es schon für ein erleichtertes Seufzen bei Rödentals Bürgermeister Gerhard Preß (CSU), als Karin Sandeck anklingen ließ, dass auch für einen vierten Bauabschnitt noch Mittel bereitgestellt werden können.

Allerdings nutzte er die Gelegenheit, um gleich einzuhaken: "Es geht ja noch weiter! Wir planen auch noch einen fünften Abschnitt und da wollen wir mit der benachbarten Mittelschule zusammenarbeiten." Wo jetzt noch Wohnblocks aus den 50er Jahren stehen soll Begegnungsraum im Freien geschaffen werden, schwärmt Preß von einer Idee, die Marion Resch-Heckel als zuständige Abteilungsdirektorin bei der Regierung in Bayreuth hatte. Eine Idee, deren Umsetzung Preß sofort ins Auge fasste.

Doch zunächst wurden in den beiden Gebäuden des dritten Abschnitts durch Modernisierung 22 Wohnungen in der Größe zwischen 50 und 64 Quadratmetern geschaffen. 14 davon sind als Zwei- acht als Dreizimmerwohnungen konzipiert. Die Erdgeschosswohnungen sind barrierefrei. Ein Nahwärmenetz mit zwölf Pelletkesseln sorgt für Wärme aus nachwachsenden Rohstoffen.

Das besondere am WAL-Projekt ist die Betreuung der Bewohner. "Es gibt immer Menschen, die bereit sind, sich zu engagieren", sagt Rainer Mayerbacher, Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft. Aber es braucht jemanden, der dieses Engagement koordiniert, lenkt und unterstützt. Das ist die Aufgabe von Quartiersmanagerin Dorothee Gerhardt. Sie kümmert sich um die Bewohner der Schlesierstraße und ist begeistert: "Es ist toll wie sich das alles verselbstständigt. Die Leute kümmern sich auch gegenseitig." Erscheint jemand etwa einmal nicht zur Gruppe Sturzprophylaxe oder zum Kaffeenachmittag, dann wird nachgefragt, oder angerufen. Gerhardt arbeitet eng mit dem Seniorenbeauftragten der Stadt, dem Arzt Wolfgang Hasselkus zusammen und ebenso mit dem Verein Lebenshilfe. Sie überzeugt von dem Konzept, das darauf abzielen soll, Menschen möglichst lange ein Leben in ihren eigenen vier Wänden zu ermöglichen, nicht in einem Heim. "Wer wünscht sich nicht eine Wohnung, die bis ins hohe Alter passt?", fragt sie. In der Schlesierstraße soll das möglich sein. Einziehen als junge Familie und leben bis ins hohe Alter.

Das so ein Projekt in Rödental umgesetzt werden konnte, liegt daran, dass es die Stadt geschafft hat in das WAL-Modellprojekt der Staatsregierung zu kommen. Das dies gelungen ist, nannte Marion Resch-Heckel "einen Segen für Oberfranken".