Strahlendes blau mit weißen Linien - der Tennisfreund erkennt diesen Untergrund sofort: Es ist das gleiche Blau wie im berühmten Arthur Ashe Stadion im New Yorker Tennis-Park Flushing Meadows. Ein Hauch der großen Tenniswelt hält mit diesem neuen blauen Kunstrasen Einzug auf dem Vereinsgelände des TC Einberg. "Später strahlt das Blau nicht mehr ganz so schön, weil dann der Quarzsand darauf kommt", sagt der Vorsitzende des Tennis Clubs Einberg Werner Bock. Rund 50 Tonnen von diesem Sand kommen noch auf den Rasen.


Bevor Bock und die anderen Vereinsmitglieder hier die ersten Bälle schlagen können, müssen die Männer der Firma Polytan, aus dem oberbayerischen Burgheim, fast zwei Wochen schneiden, kleben und rollen. Die Arbeiten mussten zwar aufgrund des langen Winters um ein paar Wochen nach hinten verschoben werden, aber sind in der vergangenen Woche gestartet.
"Zuerst gleichen wir die Unebenheiten aus und danach kommt der Kunstrasen drauf", sagt Michael Oldenburger von der Firma Polytan. Er legt sein Maßband an, schaut ob alles passt und legt einen langen Metallbalken an die abgemessene Stelle. "Wir haben uns für die Firma Polytan entschieden, weil die Marktführer für Sportstätten mit Kunstrasen sind", sagt Bock.

Eines von insgesamt drei blauen Spielfeldern ist bereits erkennbar. Diese sind in grünen Kunstrasen eingebettet. "Insgesamt handelt es sich um eine Fläche von knapp 2000 Quadratmetern, die mit Kunstrasen ausgelegt wird", sagt Bock. Er hat seine Kamera dabei, um die Arbeiten auf dem Gelände zu dokumentieren. "Wir haben uns bewusst für das Flushing Meadows-Blau entschieden, auch um uns von anderen Vereinen abzuheben", sagt Bock und macht ein Foto von den Arbeiten.

Neuer Kunstrasen kostet viel Geld
Die Komplett-Erneuerung kostet rund 80   000 Euro. Eine große Summe für die 100 Tennisspieler des Vereins. "Der alte rote Belag war seit 22 Jahren drauf und der erste seit der Vereinsgründung 1990. Es war also Zeit", sagt Bock. Die Mitgliederzahlen im deutschen Tennisbund sind seit vielen Jahren rückläufig und davon sind vor allem kleine Vereine betroffen. Ist so eine Investition nicht ein großes Risiko? Bock verneint: "Das Geld haben wir uns über die Jahre angespart. Wir mussten uns also nicht verschulden. Aber natürlich haben wir auch die Hoffnung, dass mit dem neuen Platz mehr junge Leute zum spielen kommen."

Ein entscheidender Vorteil des TC Einberg, so Bock, ist seine Eigenständigkeit. Der Tennisclub ist keinem Hauptverein angegliedert und kann somit über sein Budget selbst bestimmen. "Viele Tennisvereine haben das Problem, dass sie Untervereine sind und das meiste Geld in die Sparte Fußball und nicht zum Tennis geht. Bei uns ist das nicht so", erklärt Bock.

Michael Oldenburger passt gerade mit seinem Kollegen Rui Ferreira die grünen Rasenteile an das blaue Spielfeld an. Sie messen die Rasenstücke ab, zerren mit den Greifhaken und schneiden die Stücke danach zu. Die beiden Männer müssen viel Kraft aufwenden, um die großen Kunstrasenstücke zu bewegen. Am Tennisplatz steht ein Wohnwagen, in dem die insgesamt vier Männer übernachten.

Der neue Belag ist für den TC Einberg ein besonderes Ereignis. Für die Arbeiter von Polytan ist es Routine. "Tennisplätze machen wir eher selten, unser Hauptgeschäft sind Fußballfelder", sagt Oldenburger, nimmt das Schneidemesser in die Hand und zerschneidet den Rasen in zwei Hälften.

Am Eingang zum Gelände des Einberger Tennisvereins arbeiten zwei Kollegen von Oldenburger mit Schaufel, Gasbrenner und einem langen Metallschieber am wasserdurchlässigen Asphalt, auf dem der Kunstrasen liegt. Bei den Fachleuten heißt das Unterbauausgleich. "Den Sand mischen wir aus verschiedenen Stoffen zusammen, danach wird er auf die Unebenheiten geschüttet, glatt gezogen und mit einer erhitzten Putzkelle verfestigt", erklärt Oldenburger.

Gleichzeitig mit dem neuen Spielbelag wurde eine Flutlichtanlage installiert, um in der Saison, von Mai bis Oktober, länger spielen zu können. Damit die Tennisspieler auch lange etwas von ihrem neuen Rasen haben, wird er alle zwei bis drei Jahre von einer Spezialfirma gereinigt. "Die neue Spielfläche freut auch unseren Platzwart Lutz Weibelzahl, der hat weniger Wartungsarbeiten", sagt Bock. Er steht inzwischen auf der Terrasse des Vereinsheims und macht Fotos - ihm ist die Vorfreude auf seinen ersten Aufschlag auf dem Rasen im Blau von Flushing Meadows anzusehen.