Das Böse ist in der Welt. Keiner weiß letztendlich, warum das so ist. Doch es ist allgegenwärtig. Es schreckt den gutwilligen Menschen. Und es fasziniert ihn. Deshalb werden Kriminalromane geschrieben. Gibt es überhaupt etwas Geschriebenes, in dem es nicht um das Gute und das Schlechte, das "Böse" geht?

Der mit 43 Millionen verkauften Büchern meistgelesene deutsche Autor, Wolfgang Holbein, hat sich in seinen Romanen dem Bösen und der Grenze zum Bösen auf vielfache Weise genähert, in über 200 Werken, angefangen beim Kinderbuch "Märchenmond", das ihm 1982 den Durchbruch bescherte, über seine diversen Fantasy- und Science-Fiction-Romane und seine Mystery bis zur neue sten Veröffentlichung.

Erstmals hat er einen reinen Kriminalroman geschrieben, ohne Überschreitung der herkömmlich akzeptierten Grenzen der Wahrnehmung. Allerdings ist "Das Mörderhotel" auch so, von den wahren Ereignissen um den Massenmörder Herman Webster Mudgett in Chicago Ende des 19. Jahrhunderts ausgehend, unheimlich genug, gruselig, ohne den im Lesen von Unterhaltungsliteratur vorzugsweise gesuchten wohligen Schauder.
Das bewies schon die kurze Szene aus dem verborgenen Untergrund jenes damals tatsächlich existierenden Mörderhotels in Chicago, die eben dieser geradezu unglaublich erfolgreiche Autor am Freitag livehaftig in Coburg las.


Die Wirklichkeit ist schlimmer

Die Buchhandlung Riemann hatte nach Ankündigung seines Besuches noch rechtzeitig reagiert und verschuf sich Zugang zum leer stehenden Gebäude des ehemaligen Kaufhauses Matzer & Worsch. Dort ins mittlerweile traurig wirkende Erdgeschoss mit der gesperrten Treppe sozusagen ins Nichts gingen an die 200 Besucher, darunter erstaunlich viele Männer, die den berühmten Autor auch eifrig befragten: Ob er im "Mörderhotel" wohl noch einen Eimer Eingeweide mehr ausgeschüttet habe? Das langhaarige, bärtige, wuchtig wirkende Haupt, das sich auf überraschend zartem Körper befindet, richtete sich eine Nuance weiter ins Bewusstsein der Zuhörer. Und lächelte fast ein bisschen hinterhältig. Oh nein, das habe es gar nicht gebraucht, im Gegenteil, die allerärgsten Morde dieses Psychopathen, etwa die an den Kindern, seien nicht über seine Feder gekommen.

Wolfgang Hohlbein ist ein unglaublicher Vielschreiber, oftmals in Zusammenarbeit mit seiner Frau Heike. Literarische Maßstäbe interessieren ihn nicht, er schreibe einfach das, was er selbst gerne liest, sagt er lässig. Tatsächlich aber ist Hohlbein ein beflissener, geschickter Erzähler, der in kurzer Zeit Atmosphäre herstellen und blitzartig in Hintergründe, oftmals eben gerne in die unheimlichen, leuchten kann. Die Psychologie seiner Figuren ist meist vielschichtig angelegt. Unter der Masse des Produzierten, in dem sich die Story im Prinzip dann doch immer wiederholt, der "Hexer"-Serie etwa, gibt es aber auch immer wieder Romane, die auf eine eigenständige Weise an jene Grenze zum Bösen führen, die fasziniert.

Wolfgang Hohlbein, geboren 1953 in Weimar, ist mit rund 43 Millionen verkauften Büchern der erfolgreichste deutsche Schriftsteller. Er verfasst Horror-, Science-Fiction- und Fantasyliteratur. Er machte zunächst eine Ausbildung zum Industriekaufmann. Ernsthaft zu schreiben begann er aus Langeweile bei einer Anstellung als Nachtwächter. Er veröffentlichte seine Werke auch unter zahlreichen Pseudonymen. Hohlbein lebt in Neuss, in der Nähe von Düsseldorf.