Männern ist einfach nicht zu trauen. Schließlich lassen sie sich zu zynischen Wetten verleiten, mit denen sie beweisen wollen, dass Frauen nicht zu vertrauen ist. So einfach und doch so widersprüchlich lässt sich die Handlung von Wolfgang Amadeus Mozarts Oper "Cosi fan tutte" beschreiben. In der Regie von Dominik Wilgenbus feierte das Werk am Sonntag seine Live-Premiere am Landestheater. In Lockdown-Zeiten war die Produktion bereits in einer Video-Fassung zumindest online zu erleben gewesen - damals freilich in veränderter vokaler Besetzung.

Perfekter Abschluss

Die erste Live-Aufführung der Neuinszenierung bescherte dem Landestheater den perfekten Abschluss eines dreiteiligen Premieren-Wochenendes. Nach dem Erfolg mit Wolfgang Borcherts Heimkehrer-Drama "Draußen vor der Tür" am Freitag in der Reithalle und der umjubelten Musical-Premiere "Next to Normal" am Samstag im Großen Haus geriet auch "Cosi fan tutte" am Sonntag zum Triumph.

Reduzierte Orchesterbesetzung

Die Produktion war noch in Zeiten des strikten Lockdowns für eine reduzierte Besetzung konzipiert worden. So erlebten die Besucher nun auch unter den aktuell erleichterten Bedingungen eine Aufführung mit der reduzierten Orchesterfassung von Caterina Calderoni.

In ihr verliert das einst 1790 in Wien uraufgeführte Werk zwar einige raffinierte instrumentale Details. Doch unter der feinfühlig gestaltenden, oftmals flotte Tempi anschlagenden Leitung von Coburgs Erstem Kapellmeister Johannes Braun entfaltete das in kleiner Besetzung agierende Philharmonische Orchester eine Fülle klanglicher Feinheiten in kammermusikalisch transparentem Musizieren. Vor allem aber beeindruckte das Solisten-Sextett darstellerisch wie gesanglich. Aus der Video-Besetzung waren nur Daniel Carison als Guglielmo und Michael Lion als Don Alfonso übrig geblieben.

Neu auf der Besetzungsliste dagegen waren die Sopranistin Galina Benevich als Fiordiligi und Emily Lorini als Dorabella sowie Francesca Paratore als Kammerzofe Despina, dazu noch der Tenor William Wallace Morgen als Ferrando.

Bravo-Rufe

Die Inszenierung von Dominik Wilgenbus belässt das Werk in der rokokohaft inspirierten Ausstattung von Sandro Münchow scheinbar in der Ferne der Entstehungszeit, holt aber zugleich den Kern der Geschichte ganz direkt in die Gegenwart - die Frage nach Treue und Verführbarkeit. Das bemerkenswert spielfreudig agierende Ensemble übersetzt das Regiekonzept mit Elan und Nachdruck in durchweg lebendig und differenziert gestaltete Szenen.

Der verdiente Lohn am Ende eines temporeichen Opernabends: Bravo-Rufe und ausdauernd kräftiger Beifall. Drei geglückte Premieren an drei aufeinander folgenden Abenden - ein Auftakt, der viele Hoffnungen erfüllt und weitere Erwartungen weckt.