Die Ute is a wilde Stute. A Maderl von heute halt, a Prodjuserin oder so was. Und wenn der Workingday vorbei is, dann...des brauchn mir nimmer genauer wissen. Zum Nachdenken kommen wir aber ohnehin nicht, denn der Michael Well hat im Schwarzen Bären in Beiersdorf unterdessen sei Drehleier angeworfen, zur Tarantella. Nicht zur Mortadella.
Ich möcht' bloß mal wissen, warum derlei Kalauer auf Bayrisch witzig klingen, auf Annersch aber nur blöd. Nicht dass dieses neue Trio blöd wär'; der Name, ja, der is scho blöd, "Die drei Haxn", benannt nach irgendwas vom Gerhard Polt. Aber was die Anni, die Claudia und der Michael aus München da seit einem Jahr so auf den Kleinkunstbühnen treiben, des is gut, des is witzig und hat was Eigenes, gerade weil sich die drei so richtig aufs traditionelle Bayerische beziehen. Da hat der Wolfgang Friedrich von der Veranstaltungsagentur gedacht, des muss er den Coburgern mal zeigen, vor allem weil es so perfekt ins volksmusikalische Ambiente vom Schwarzen Bären passt.
Selbstverständlich wollen die neuen "Haxn" vom Michael Well, dem alten Biermöslblosn, provozieren (wenn auch nicht mehr so politisch, wie er das früher tat). Deswegen schreien sie ja auch so rum, in gar nicht passenden Tonlagen geradezu mörderischgruselig : "Mehr Fleeeiiisch". Was das Motto des gesamten Programmes ist.
In dem tun Anni und Claudia naiv und harmlos, verzähln gemeine Geschichten aus dem Alltag, von Leuten, die sich totfressen, bringen herrliche Quatschlieder und bayerische Fantasy in folgender Art: Fleischfliege Alo is Brummer verliebt sich in Jessica, die Fruchtfliege, aus der Obstabteilung und wird vegan. Happy End immerhin auf der Fleischtomate. Des Ganze is a "Liebesballade aus dem Vollsortimenter, aus'm Edeka". Schließlich hat die Claudia gerade literaturwissenschaftlich promoviert.


Gstanzl gehn immer

Aber mindestens ein politischer Witz is scho dabei, der von den Frauen mit Haaren auf den Zähnen. Bei der Frauke Petry von der AfD, da hat sogar jeder Zahn a eigene Frisur.
Der Michael legt einem im Publikum den Alphorntrichter auf die Schulter, wie hätt's denn sonst gehen sollen. Die Claudia macht auf Heavymetal, man wuchtet ihr die große Tuba auf den Schoß. Überhaupt zerren die drei eine Vielzahl von Instrumenten auf die Bühne, alles unter dem Vorwand, a echte Stubnmusi zu machen. Der Michael Well ist ja einer von dieser ewig musizierenden, nicht überschaubaren Lehrersfamiliengeschwisterzahl, die, seit es sie derbröselt hat, in immer weiteren verrückten musikalischen Formationen erscheinen wie Irrlichter aus dem Fürstenfeldbrucker Moos.
Wenn's ganz mit den Haxn durchgeht, dann prasseln die Gstanzl auch auf Coburg hernieder. Gscheiterweise jubeln die Bayern aber wie verrückt über Frangn; wer weiß, was sonst auch passiert wär". Stellt euch vor, die hätten ihr Erlebnis vom Vorabend in Kulmbach erzählt, ohne uns vorher günstig zu stimmen: Sie seien von einer Kulmbacherin gewarnt worden, die Coburger, die seien ja ein bisschen grob. Auch recht fett.


Bayerische Schimpfkultur

Singen tun diese komischen Haxn alle drei, wie sich's gehört bayrischklanglich mehrstimmig. Die Anni aber, die hat sogar a richtig pomfortionöse Stimme. Und dass die drei die bayerische Schimpfkultur so saugut beherrschen, des is des Beste - vor allem auch unter franken-therapeutischen Gesichtspunkten. Bei uns kriegt man ja immer sofort a Beleidigungsklage an den Hals, nur weil man mal "du Depp, du blöder" gesagt hat. Ochgoood, da solltet ihr mal die Anni (in Zivil a Münchner Gymnasiallehrerin für Deutsch, ursprünglich aus Posssau stammend) hör'n. - Des derf ich jetzt aber auch mal ausprobiern. Also, jetzt sag ich's, ja: Ihr blöden Deppn. Könnt ihr net lesen? - Oh. Jetzt is mir aber a annera Geschicht' neigeraten. Bittebittebitte, verklagt mich nicht. Und haut` mich, wenn`s geht, nur a bissla.