Alle Achtung, wie der Wirt Gratwohl, Karl E. Glaser, allein vor der Zuschauermenge in der Tradition von Nestroy und anderen mit seinem Couplet in unseren heutigen Wahn führt, von der lebensfremden Schule bis zum Alter, das abgeschafft wird. "Immer falsch und keck, ist der Lebenszweck."
Überhaupt, es wird ja viel gequatscht und gescherzt. Warum sollte man einen guten Witz auch vermeiden. Doch kommen wir zum Musikalischen. Und da kriegen wir ohne langes Rumgetue die herrlichsten Melodien, so schöne Duette, geliefert von diesem Ziehrer (1843 - 1922).
Operettenseligkeit
Die werden vom Ensemble der Pramtaler Sommeroperette, alles namhafte Sängerinnen und Sänger samt Coburgischer Ergänzung, auf hohem Niveau entfaltet, immer wieder zum Dahinschmelzen: neben der akrobatisch dudelnden Agnes Palmisano und dem warmen Buffotenor Harald Wurmsdobler die ja vielen durchaus bekannte Eva-Maria Kumpfmüller als operettige Sängerin Mimi, die erfrischende Christine Ornetsmüller als Anna, Erich Langwiesner als Fürst Adolar, der quickige Michael Zallinger und Philipp Gaiser als eigentlich überflüssige, zum Amüsement aber unerlässliche Leutnants, die ungarische Eifersuchts-Knallcharge Lajos von Stephan Ignaz, den wieder gern gesehenen Wolfgang Krautwig als Diener, nicht zuletzt der hier wieder gern erlebte Coburger Christian-Andreas Engelhardt als Gerichtsrat.
Und ochgoddla, der Tobias Engelhardt, schon von Kind an bei der Sommeroperette, diesmal der versoffene Gerichtsdiener Kampel. Was der uns für ein Kabarettla liefert, jetzt in unnerm Dialegd, wo es sonst ziemlich wienerisch zugeht, aber nicht nur. Bei denna red' doch jeder, was er will, odder?
Orchestral getragen wird das Ganze - und erst das macht den Schmarrn zum Eigentlichen in lauschiger fränkischer Nacht - vom Orchester der Sommeroperette Heldritt, was eigentlich das Salonorchester siNNfonietta aus Oberösterreich ist, unter Leitung von Reinhard Schmidt, dem Mitbegründer der früheren und nun wieder der neuen Sommeroperette. Im Vorspiel dürfen wir das exquisite kleine Orchester mit voller Aufmerksamkeit genießen, das gleich burlesk den leicht springenden Ton dieser Operette anschlägt, mühelose Taktwechsel, um immer mal wieder im Walzer zu schwelgen. Reinhard Schmidt lässt den kleinen naiven Einschlag zu, der durchaus auch kurz im Melancholischen landet, um dann mit der ersehnten Operettenfröhlichkeit davon zu galoppieren. - So muss es sein, in lauschiger Heldritter Waldbühnen-Nacht.
Sommeroperette Heldritt "Die Landstreicher" - Operette von Carl Michael Ziehrer auf der Waldbühne Heldritt. Koproduktion mit der Pramtaler Sommeroperette, geleitet von Harald Wurmstobler. Textfassung Bernhard Maxara, Regie Manuela Kloibmüller, Ausstattung Daphne Katzinger. Musikalische Leitung Reinhard Schmidt. Mit dem Salonorchester siNNfonietta.
Darsteller Agnes Palmisano, Harald Wurmsdobler, Eva-Maria Kumpfmüller, Erich J. Langwiesner, Christine Ornetsmüller, Christian Engelhardt, Philipp Gaiser, Michael Zallinger, Tobias Engelhardt, Karl Glaser, Stefan Ingnaz, Wolfgang Krautwig
Weitere Termine 10., 16., 17. August, 19.30 Uhr, 11. und 17. August, 15 Uhr, 18. August, 16 Uhr; Matinee "Alte Hüte", 18. August, 11 Uhr Vorverkauf Sommeroperette Heldritt, Hauptstraße 9, Bad Rodach (Telefon: 09564/ 800441) oder über www.waldbuehne-heldritt.de