Am Montagabend konnten die vier Bundestagskandidaten Hans Michelbach (CSU), Doris Aschenbrenner (SPD), Michael Eckstein (Grüne) und René Hähnlein (Die Linken) bei so manchem Besucher vielleicht noch so einiges wettmachen: Moderator Thomas Apfel ließ zu Beginn der Diskussion nämlich jene Besucher ihren Arm heben, die noch nicht wissen, wen sie am 24. September wählen werden. Und das waren dann doch noch ziemlich viele Unentschlossene.

Eingeladen hatten die Katholische Betriebsseelsorge und der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB). Während laut DGB-Regionsgeschäftsführer Mathias Eckardt die erste politische Veranstaltung dieser Art in Bamberg kaum Beachtung fand, war der Saal in St. Augustin gut gefüllt mit politisch interessierten Bürgern, die nicht nur aus der Stadt und dem Landkreis Coburg, sondern auch aus Lichtenfels und Kronach gekommen waren.
Drei Themen waren vorgegeben: Arbeit der Zukunft, Rente und handlungsfähiger Staat. Moderator Thomas Apfel begann allerdings erst einmal mit der Sicherheitspolitik. "Wir haben schwierige Zeiten", sagte Michelbach, "ob in Hinblick auf Sicherheit vor Terror, Kriminalität, aber auch Altersarmut und sozialer Absicherung." Für ihn sei Sicherheit nicht teilbar. Er betonte, wie wichtig Sicherheit in Europa sei. Wenn die Menschen für Sicherheit allerdings ihr Freiheitsrechte aufgeben müssten, sagte Hähnlein, sei dies der falsche Weg. Dem stimmte auch Michael Eckstein zu.

"Wir sollten nicht überreagieren und uns nicht selber in unserer Freiheit einschränken", fand Doris Aschenbrenner. Die Kandidatin der SPD will den Beitrag der Einzahler zur Rente begrenzen und das Absinken des Rentenniveaus stoppen. "Die Finanzierungslücke muss aus Steuern gegenfinanziert werden", bekräftigte sie.


Was wäre gerecht?

Moderator Thomas Apfel fragte nach einem "gerechten Rentensystem für alle": "Warum zahlen nicht alle - also Beamte, Selbstständige und Angestellte - in das gleiche System ein?", wollte er wissen. Für Michelbach war das keine Alternative, da die Kosten von 650 Millionen Euro für eine Reform laut einem Prognos-Gutachten zu hoch wären. Für ihn kann das Halten des Rentenniveaus nur auf drei Säulen funktionieren: Mit der gesetzlichen Rente, der Betriebsrente und der privaten Altersvorsorge. "Manager und Politiker müssen mit einzahlen", forderte dagegen der Kandidat der Linken, "Beitragsbemessungsgrenzen abgeschafft werden." Er sei dagegen, die Rente steuerlich gegenzufinanzieren: "Die Unternehmer müssen wieder mehr in die Verantwortung genommen werden." Das unterstützte auch Michael Eckstein. Bei der Einbeziehung von Beamten war er allerdings persönlich noch unentschlossen. "Wir sind für eine Mindestrente von 900 Euro", sagte er, gab aber zu, dass das Problem der Finanzierung noch nicht gelöst sei.

Durch die Digitalisierung werde es ähnlich wie bei der Industrialisierung eine Verschiebung der Arbeit geben, prognostizierte Aschenbrenner, die einen Doktortitel in Robotik hat. "Es wird einen gewaltigen Umbruch geben", prognostizierte sie.

Auch zum Mindestlohn wurde diskutiert: Die Linken fordern aktuell 12,50 Euro, während sich Eckstein für ein bedingungsloses Grundeinkommen starkmachte. Aschenbrenner wünschte sich bessere gesetzliche Rahmenbedingungen und Unterstützung für Unternehmen, die sich an die Tarifbindung halten und nicht vor ihrer Verantwortung drückten. Einig waren sich alle Kandidaten beim Arbeitszeitgesetz: Eine Aufweichung der Schutzfristen werde es mit ihnen nicht geben. Auch die Privatisierungen der Vergangenheit seien ein schwerer Fehler gewesen, meinten sie übereinstimmend.

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