Chilly guckt mürrisch, als Inge Ott den Meterstab anlegt und ihre Größe misst. Aber Chilly schaut immer so. Das rothaarige "Trotzköpfchen" ist eine Puppe und neu im Bestand des Coburger Puppenmuseums. Heute wird sie inventarisiert, das heißt, ihre Maße, ihr Alter und ihr Aussehen werden säuberlich in ein Tabellenblatt eingetragen. Außerdem wird verzeichnet, wann und wie sie ins Museum kam: durch eine Schenkung.

Vor ein paar Jahren hätte der Freundeskreis Puppenmuseum noch einen dreistelligen Eurobetrag für die Puppe hinblättern dürfen. Es handelt sich um eine Künstlerpuppe der Rödentaler Firma Götz, hergestellt nach Entwürfen von Carin Lossnitzer. Hans und Carin Lossnitzer gründeten vor 35 Jahren das Coburger Puppenmuseum. Von Anfang an waren die "Kinder der Welt" von Carin Lossnitzer Teil des Museumsbestandes.

Inzwischen gehört das Museum mit all seinen Puppen, Plüschtieren, Puppenmöbeln und Puppenkleidern der Stadt Coburg. Und der Bestand wächst weiter - nicht, weil Christiane Spiller, die Museumsleiterin, so viele Ankäufe veranlassen würde. Inzwischen bekommt das Museum Puppen geschenkt. "Der Markt für die Künstlerpuppen aus den 90er-Jahren ist zusammengebrochen", sagt sie. Die Sammlerinnen oder ihre Erben würden meist versuchen, die Sammlung in gute Hände zu geben. Wenn sich keine Käufer finden, erhält das Coburger Puppenmuseum Angebote. "Manchmal zwei pro Tag", sagt Spiller. Chilly, das brünette Trotzköpfchen, stammt aus einer Sammlung aus Kruft bei Konstanz. Rund 200 Künstlerpuppen wären dort zu haben gewesen, die meisten davon gestaltet von Carin Lossnitzer. Doch Spiller wählte nur diejenigen aus, die in der Coburger Sammlung noch fehlten. Für mehr fehlt ihr inzwischen schlicht der Platz.

Denn sie will auch noch zwei weitere Sammlungen unterbringen, die ihr aus der Region angeboten wurden. Da gehe es zum einen um eine große Anzahl Zapf-Puppen aus Rödentaler Herstellung, zum anderen um eine Sammlung von Hermann-Teddys aus Coburg, berichtet Christine Spiller. Deshalb hat sie schon einen Aufnahmestopp verhängt. Das Museum brauche entweder weitere Depotflächen oder müsse "entsammeln", also Objekte abgeben, schreibt Spiller in ihrem Jahresbericht.

Derzeit bereitet sie eine Sonderausstelung "Puppen aus aller Welt - Künstlerpuppen von Carin Lossnitzer" vor. Die Familie Lossnitzer stellte dafür handmodellierte Köpfe zur Verfügung, die als Vorlagen für die aus Cernit produzierten Puppen dienten. Auch einige Gipsköpfe sind zu sehen: Carin Lossnitzer wollte damit die verschiedenen Stimmungen einfangen. Die Gesichter lachen, schmollen, weinen oder sind vor Wut verzerrt. Möglicherweise können diese Unikate sogar in Coburg bleiben, doch das ist noch offen.

Wann die Ausstellung eröffnet werden kann, ist ebenfalls noch unklar. "So bald wie möglich", sagt Christine Spiller. Die Künstlerpuppen sollen dann zu sehen sein, wenn in Neustadt das Internationale Puppenfestival stattfindet. Geplant ist es für den 22. bis 29. Mai. Derzeit darf nur eine begrenzte Zahl Besucher ins Museum, mit 2Gplus-Regel.

Informationen zum Puppenmuseum gibt es hier.