Von 1976 bis 1995 herrschte "Zettelwirtschaft". Fast 20 Jahre lang wurden alle eingehenden Notrufe per Hand von den Disponenten koordiniert. Damals war die Leitstelle noch in der Sally-Ehrlich-Straße im Gebäude des BRK-Kreisverbands. "Es gab einen Funker, der für alle zuständig war. Was heute in den Computer eingegeben wird, wurde damals händisch in einen breiten Zettel eingetragen", erinnert sich Michael Jeschor, stellvertretender Leiter der Integrierten Leitstelle (ILS) Ebersdorf. Er fing 1993 an nebenberuflich in der Leitstelle zu arbeiten. Zwei Jahre bevor sie in die Callenberger Straße in Coburg umgezogen ist

Technischer Fortschritt

Leitstellen gibt es in Bayern seit 1975. Davor hatten das BRK und der ASB eigene Rufnummern - wer zuerst am Einsatzort eingetroffen ist, hat den Patienten behandelt. "Bis Mitte der 1990er gab es deutlich weniger Fahrzeuge, in Neustadt waren ein und in Coburg zwei Rettungsfahrzeuge stationiert", sagt Peter Kunzelmann, Leiter der ILS. Nach einer Berechnung des Instituts für Notfallmedizin wurden dann weitere Wachen verteilt.

Nach knapp 20 Jahren zog die Leitstelle 1995 in die Callenberger Straße um. Damals modern: Dass die Telefone keine Wählscheibe mehr hatten! "Der Umzug war ein technischer Quantensprung. Wir hatten dann endlich Tastentelefone", erinnert sich Michael Butz, der heute als IT-Systemadministrator bei der ILS tätig ist. In der Sally-Ehrlich-Straße habe es noch die alten Telefone gegeben. Und etwas - für die damalige Zeit - revolutionäres! "Die ersten Ärzte hatten damals Handys. Teilweise wurden wir aber mit völlig anderen Leuten verbunden, weil die Signalgeber schon so verschlissen waren." Bis zum Umzug war die Nachtschicht mit einer und die Schicht am Tag mit zwei Personen besetzt. In der Callenberger Straße waren Butz und seine Kollegen tagsüber dann zu dritt und nachts zu zweit. "Tagsüber war das Einsatzaufkommen wegen der Krankentransporte höher", erklärt Jeschor.

Eine einheitliche Rufnummer

Seit 2010 sind der Rettungsdienst und die Feuerwehr unter einer Rufnummer erreichbar. Weil kein geeignetes Gebäude gefunden wurde, zog die Leitstelle in den Neubau in Ebersdorf bei Coburg um. Das Personal wurde aufgestockt. "Mit der Feuerwehralarmierung ist ein Disponent dazugekommen. Vor Ort sind jetzt tagsüber immer vier Leute", sagt Kunzelmann. Weil in zwei Schichten von jeweils zwölf Stunden gearbeitet wird, hat im Wechsel immer eine Person für drei Stunden Bereitschaft. Sie ist vor Ort und kann auf Abruf einspringen. "Die Disponenten teilen die Koordination der Feuerwehren, der Rettungswagen und der Krankentransportwagen auf."

Dort arbeiten kann aber nur jemand mit vielen Qualifikationen. Wer den Disponentenlehrgang in der Lehrleitstelle Geretsried absolvieren möchte, "muss eine Ausbildung als Notfallsanitäter oder Rettungsassistent vorweisen und Hauptbrandmeister sein", zählt Jeschor auf. Denn schon in der Leitstelle müssen für den Einsatz eminent wichtige Entscheidungen getroffen werden. "Ein Disponent, der aus dem Rettungsdienst kommt, muss wissen, dass bei einem Brand im ersten Stock eine Drehleiter benötigt wird, um das entsprechende Fahrzeug zu schicken." In den Ersatzlehrgängen werden alle theoretischen Grundlagen vermittelt, die für die Arbeit in der Leitstelle relevant sind. Momentan wird diskutiert, ob eine bundesweite Berufsausbildung als Disponent eingeführt werden soll. Die soll drei Jahre dauern und alle Bereiche umfasst.