Stephanie Lieb vom SV Bergdorf-Höhn, die seit Jahren in Oberfranken und darüber hinaus zu den überragenden Ultralangläuferinnen zählt, unterstrich beim Salomon Alpen X100, einer der härtesten Bergläufe, ihre absolute Stärke.
Dieser extreme Einzel-Trailrun über die Alpen, in teilweiser Autonomie, gehört zu den schwersten Läufen dieser Art. Das Laufen wird noch erschwert durch die Pflichtausrüstung wie Rettungsdecke, -pfeife, Handschuhe, Mütze, Regen- und warme Kleidung, sowie Wasservorräte. Ursprünglich wollte Stephanie Lieb die 100 Meilen in Angriff nehmen, aber nach ihrer Blinddarmoperation im Juni meldete sie auf die 102,3 Kilometer um.


Regen in Strömen und kühl

Beim Start in Steinach am Brenner regnete es in Strömen und es war sehr kühl, also alles andere als gute Bedingungen zum Auftakt dieser ultralangen Strecke.
Im Lauf des Tages sollte der Regen aufhören. Auf den ersten Gipfeln war es nebelig und es wehte ein eiskalter Nordwind, der später stärker wurde und allen Läufern enorm zusetzte.
Von Steinach führte ein erster langer Anstieg auf das Nosslach Joch, Egger Joch und Truna Joch Richtung Obernberg, weiter über die Bergstation Roßkopfbahn nach Gasteig, wo der längste Anstieg mit 1500 Höhenmetern am Stück auf das Penserjoch wartete. Bis dahin war die Stecke auf Wanderwegen und mit einem hohen Anteil an Schotter und Asphalt noch gut laufbar, am Anstieg änderte sich dies.


Mitten durch Alprosen-Vegetation

Erst sehr steil und steinig, dann weitgehend weglos durch Alprosen-Vegetation mussten die Läufer den Weg nach oben hart erarbeiten. Am Penser Joch angekommen war weit über die Hälfte der Strecke geschafft und bis ins Ziel blieben nur noch 40 Kilometer, die es aber ins sich haben sollten: "Im Grunde ging ab hier das Rennen erst richtig los", so Stephanie Lieb.


Tee von der Hüttenwirtin

Auf einer Höhe von 2000 bis 2500 Meter ging es sehr alpin, anspruchsvoll und mit einigen Klettereinlagen durch eine außergewöhnliche schöne Landschaft über Astenberg und die Traminer Scharte zur Marburger Hütte. Da auf diesem Abschnitt von zirka 20 Kilometer lang keinen offiziellen Verpflegungspunkt gab, war die Selbstversorgung der dortigen Hüttenwirtin mit Tee und heißer Suppe bei den eiskalten Temperaturen Gold wert.
Von hier ging es hinunter ins Schalderertal, um von dort mit einem letzten Anstieg zur Lorenzscharte zur letzten Verpflegung am Tannefitkreuz zu gelangen. Kurz nach der Marburger Hütte brach langsam die Nacht herein und das Vorwärtskommen im anspruchsvollen Gelände wurde schwieriger, zumal die Streckenmarkierungen nicht optimal waren, sodass sich Lieb in einer kurze Phase der Orientierungslosigkeit befand.


Für kurze Zeit orientierungslos

Das GPS der Laufuhr führte sie wieder auf den richtigen Weg und auf dem abschließenden, nicht enden wollenden Downhill von über 2200 Höhenmetern bis ins Ziel nach Brixen konnte Stephanie Lieb noch einige Läufer überholen. Nach 19:29 Stunden überquerte sie frühmorgens um 3.30 Uhr die Ziellinie und freute sich riesig über Platz zwei aller Frauen und den tollen siebten Platz in der Gesamtwertung.
Diese Streckenführung in Verbindung mit den schwierigen Witterungsbedingungen verlangte von allen Teilnehmern sehr viel ab, was eine hohe Ausfallquote zur Folge hatte.