Coburg
Werrabahn

Kommt die Werra-Bahn wieder?

245 Gleiskilometer auf 20 stillgelegten Strecken will die Bahn in den nächsten Jahren reaktivieren. Eine davon: Die knapp 23 Kilometer Werrabahnstrecke zwischen Coburg und Eisfeld. Doch wie wahrscheinlich ist das?
Gleise liegen auf der alten Strecke zwischen Coburg und Eisfeld längst nicht mehr. Nur Teile des Damms sind in der Landschaft noch zu sehen (das Foto entstand bei Kleinmachnow).
Gleise liegen auf der alten Strecke zwischen Coburg und Eisfeld längst nicht mehr. Nur Teile des Damms sind in der Landschaft noch zu sehen (das Foto entstand bei Kleinmachnow). Foto: Soeren Stache/dpa
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Die Bahn wirbt für sich: "Wir wollen mehr Menschen für die Bahn gewinnen, mehr Güter auf die Schiene bringen. Jeder Kilometer Gleis ist aktiver Klimaschutz", sagt Jens Bergmann, Vorstand Infrastrukturplanung und - projekte der DB Netz. Zusammen mit Vertretern der Branchenverbände Allianz pro Schiene und dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) stellte er in Berlin die Strecken vor, die die Bahn wieder unter die Räder nehmen will. Auf einigen der Trassen liegen noch die Gleise, andere gibt es de facto seit Jahrzehnten nicht mehr - wie das Teilstück der Werrabahn zwischen Coburg und Eisfeld.

Während es für einige der Strecken schon konkrete Planungen gibt, bis hin zum Jahr der Inbetriebnahme, steht bei der Werrabahn noch "Konzeptidee". "Im nächsten Schritt ist eine Machbarkeitsstudie für das Vorhaben notwendig. Anschließend können weitere Planungsschritte folgen, in denen Verkehrskonzepte, Kosten/Finanzierung und Zeitpläne konkretisiert werden", erklärt eine Bahnsprecherin dazu.

Die Bahn hat auch mitgeteilt, wer für diese Machbarkeitsstudie zuständig ist: Der "lokale Aufgabenträger", also die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) oder "die anliegende Kommune". Eine der anliegenden Kommunen wäre Coburg, die zwar grundsätzlich für den Lückenschluss ist, aber bis Dienstag auch nicht wusste, dass die Bahn die Werrabahn reaktivieren will.

Ministerium sieht keinen Bedarf

Die BEG gab sich in dieser Frage am Mittwoch zurückhaltend. Eindeutiger wird da schon das bayerische Ministerium für Bauen, Wohnen und Verkehr, wo die BEG angesiedelt ist: Auf Basis früherer Studien und Prognosen sehe man keine ausreichende Nachfrage, die eine Bestellung von Nahverkehrszügen auf dieser eventuell wiederhergestellten Strecke rechtfertigen würde, erklärte ein Ministeriumssprecher. Die Prognosen würden deutlich unter 1000 Reisenden am Tag liegen - und erst ab dieser Grenze gelten Bahnstrecken gemeinhin als rentabel. "Zudem sind dem Ministerium keine Beschlüsse der Streckenanrainergemeinden und -landkreise bekannt, dass vor Ort unisono eine Reaktivierung gewünscht wird."

"Unisono", also einhellig, wird die Reaktivierung der Strecke nicht gewünscht, und schon gar nicht im Coburger Land. Da spricht man lieber allgemein vom "Lückenschluss". Außerdem weiß man hier nur zu gut, dass von der alten Werrabahn-Trasse nur noch Teile übrig sind und ohnehin eine neue Streckenführung nötig wäre. Deshalb war zuletzt eine Verbindung über Bad Rodach nach Hildburghausen als Schienen-Lückenschluss im Gespräch.

Neue Trasse nötig

Auch IHK-Präsident Friedrich Herdan, einer der vehementesten Verfechter des Lückenschlusses, nimmt das Wort "Werrabahn" nicht mehr in den Mund. Er begrüßt, dass die Bahn den Schienenlückenschluss zwischen Coburg und Südthüringen in die neue Trassen-Reaktivierungsstrategie" mit aufnehmen will. Anders als das Verkehrsministerium hält Herdan den Lückenschluss durchaus für sinnvoll. Davon würden täglich über 10000 Pendler profitieren, erklärte er. Außerdem könne für den ICE-Halt Coburg zusätzliches Fahrgastpotenzial erschlossen werden. Aus all diesen Gründen habe die IHK zu Coburg ja die Interessengemeinschaft "Schienenlückenschluss Coburg - Südthüringen" initiiert. Ziel sei ein "neutrales Raumordnungsverfahren" der Freistaaten Bayern und Thüringen, um die "geeignete Trasse ergebnisoffen und vorurteilsfrei zu ermitteln".

Die Stadt Coburg ist dieser Interessengemeinschaft beigetreten, der Landkreis (noch) nicht. Ein im Kreistag eingereichter Antrag, dass sich der Landrat in der zu gründenden Interessengemeinschaft für den Lückenschluss einsetzen soll, werde derzeit durch die Verwaltung geprüft, heißt es aus dem Landratsamt. Von der Ankündigung der Bahn sei er in doppelter Hinsicht überrascht worden, ließ Landrat Sebastian Straubel (CSU) mitteilen: "Im Vorfeld dieser Veröffentlichung durch die Deutsche Bahn gab es keine Gespräche von Seiten der Deutschen Bahn mit Vertretern des Landkreises Coburg." Auch, dass es nun wieder um die Strecke Coburg - Eisfeld gehen soll, sei neu.

Coburgs Oberbürgermeister Dominik Sauerteig äußerte sich per Facebook am Montagabend erfreut, "dass die Deutsche Bahn Konzern das gemeinsame Engagement der Region aufgreift und eine Reaktivierung der Werrabahn untersuchen will". Dabei gehe es nicht um die alte Strecke, ließ Sauerteig am Mittwoch erklären. Der Lückenschluss müsse wirtschaftlich und vor allem sozial verträglich stattfinden. "Deshalb muss eine Linienführung gut untersucht werden."