Alle Werke des Abends seien Bekenntnisse und daher mehr als nur Musik, betonte Coburgs Generalmusikdirektor Roland Kluttig in seinen einführenden Worten zum Sinfoniekonzert im Landestheater.


Der Konzertabend, der von Deutschlandfunk Kultur aufgezeichnet wurde, begann mit der Sinfonie Nr.5 d-Moll op. 107, der "Reformations-Sinfonie" von Felix Mendelssohn-Bartholdy, die für den Komponisten vor allem im 4. Satz, der von dem Luther-Choral "Ein feste Burg" beherrscht wird, eine schwere Geburt darstellte. Aber dank seiner an Bach geschulten Kontrapunktik bewältigte er auch diese Aufgabe.


"Dresdner Amen"


Man erlebte eine mitreißende, begeisternde Aufführung des Meisterwerks mit seiner feierlichen Einleitung zum 1. Satz, in der das später auch von Wagner im Parsifal verwendete "Dresdner Amen" erklingt, gefolgt von einem dramatischen Hauptsatz, in dem die Streicher ihren ungemeinen Anforderungen in virtuoser Weise gerecht wurden. Kurz sind sowohl das flotte Scherzo als auch das expressive, an Mendelssohns "Lieder ohne Worte" erinnernde Andante, das attacca in den akzentuierten, mit immer neuen Variationen und Steigerungen des Chorals aufwartenden Schlussteil übergeht.


Unter der subtil gestaltenden Leitung von Roland Kluttig kam das wirkungsvolle Werk mit dem engagiert und makellos spielenden Orchester zu höchst eindrucksvoller Wiedergabe.


Zwei selten zu hörende Werke, die vor und nach der Nazi- sowie Kriegszeit entstanden, erklangen im zweiten Teil. In der inneren Emigration schuf der Münchner Komponist Karl Amadeus Hartmann - Begründer der noch heute stattfindenden "Musica viva-Konzerte" seine erst nach Kriegsende aufgeführten Werke wie das Poème symphonique "Miserae", den Verfolgten und Getöteten des Naziregimes gewidmet.


"Jedermann"-Monologe


Kontemplative Einzelinstrumente wie grelle Aufschreie des Orchesters prägen das eindrucksvolle Opus, wiederum intensiv durchgehört von Dirigent und Orchester wiedergegeben.Ein noch mehr introvertiertes Werk in weniger dissonanter Tonsprache kam zum Abschluss mit den sechs Monologen aus "Jedermann" von Hugo von Hofmannsthal für Bariton und Orchester von Frank Martin zur Aufführung.


Mit großer Intensität gestaltet

Der 1943 komponierte und vom Komponisten farbig instrumentierte Zyklus schildert Schrecken und Tod, aber auch Ergebenheit und Frömmigkeit. Bariton Peter Schöne, der auch im Coburger "Parsifal" eindrucksvoll zu erleben ist, gestaltete diese Gesänge mit großer Intensität seiner wandlungsfähigen, tragfähigen Stimme und deutlichen Sprachlichkeit.


Einen warmen Klangteppich entfaltete das klangschön spielende Orchester unter der sorgsam gestaltenden Leitung von Roland Kluttig. Anhaltender Beifall und Bravorufe nach jedem Stück!



Philharmonisches Orchester im Deutschlandfunk


Deutschlandfunk Kultur hat das 6. Sinfoniekonzert der Saison aufgezeichnet. Die Aufzeichnung wird am Donnerstag ab 20.03 Uhr in der Sendung "Konzert" ausgestrahlt. Die musikalische Leitung liegt in den Händen von Generalmusikdirektor Roland Kluttig, als Solist wird Bariton Peter Schöne zu hören sein.
In Coburg ist Deutschlandfunk Kultur auf UKW 94,2 sowie über DAB+, Kabel, Satellit, online oder per App zu empfangen (weitere Informationen unter www.deutschlandfunkkultur.de).