"Bitten der wohlfeilen Braut an den doch hoffentlich weiterhin überglücklichen Bräutigam" anlässlich der "Himmelshochzeit": So nannte Oberbürgermeister Dominik Sauerteig (SPD) seinen Wunschzettel, den er am Freitagabend im Kongresshaus präsentierte. Dort wurde - mit über einem Jahr Verspätung - der Festakt zum Anlass "100 Jahre Coburg bei Bayern" gefeiert, und dafür war Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) angereist. Nicht mit leeren Händen übrigens: Am Nachmittag wurde in Rödental das Digitale Gründerzentrum ("Digitale Manufaktur") eröffnet, das der Freistaat Bayern kräftig mitfinanziert.

Doch Stadt und Landkreis wollen mehr: Sauerteig erwähnte den geplanten Klinikums-Neubau, den der Freistaat zwar kräftig fördern wird, für den aber auch Stadt und Landkreis in die Kassen greifen müssen. Die Baukosten werden jetzt schon auf 500 Millionen Euro geschätzt. Söder möge sich dafür stark machen, dass das Coburger Projekt in den nächsten Krankenhaus-Bedarfsplan mit hineinkommt, bat Sauerteig. Außerdem solle der Freistaat das Programm anpassen, das die Ansiedlung von Landärzten fördert, damit auch die Stadt Coburg davon profitiert.

"Und nicht anders herum"

Bei diesen Bitten konnte Söder noch wohlwollenden Blicks Notizen machen. Was Sauerteig in Sachen Landestheater zu sagen hatte, ließ den Ministerpräsidenten nachdenklicher wirken: Die Stadt Coburg habe 36 Millionen Euro in ihrer mittelfristigen Finanzplanung als Beitrag zur Theatersanierung eingestellt, sagte Sauerteig. "Quasi als Solidarbeitrag unter guten Eheleuten." Nun aber müsse der Freistaat eine "belastbare Planung" für die Sanierung vorlegen - und erst dann könne es zu einer Fortschreibung der bisherigen Finanzierungsvereinbarung kommen. "Und nicht anders herum." Bislang ist geregelt, dass der Freistaat 75 Prozent der Sanierungskosten für das historische Theatergebäude übernimmt sowie 50 Prozent bei den Teilen, die neu dazu kommen, wie Verwaltungsräume im Bereich des Palais Kyrill (Kinderhaus) und der IHK.

Stadt deckelt Ausgaben fürs Theater

Mehr als die genannten 36 Millionen Euro wolle Coburg nicht beitragen, betonte Sauerteig. Das habe der Stadtrat jüngst ausdrücklich so beschlossen. Schließlich finanziere die Stadt auch das 30 Millionen Euro teure Theater-Ausweichquartier "Globe" am Güterbahnhof zu zwei Dritteln - hier übernimmt der Freistaat zehn Millionen Euro.

Sauerteig erneuerte außerdem seine Forderung aus dem Kommunalwahlkampf 2020, die Finanzierung des Landestheaterbetriebs neu zu regeln. Die Stadt sei bei einem Beitrag von neun Millionen Euro jährlich angekommen und habe auch diesen nun gedeckelt, sagte er. Ursprünglich hatte der Freistaat den größeren Teil der Theaterkosten getragen. Doch der Fixbetrag aus dem Jahr 1924, 20000 Goldmark, ist nahezu nichts mehr wert - und Bayern übernimmt darüber hinaus lediglich 40 Prozent des Betriebskostendefizits.

Die "charmante Forderungsliste" habe ihn überwiegend gefreut, sagte Söder in seiner Replik ironisch: "Man spürt die Herzlichkeit, wieder in Franken zu sein. Da schenkt man sich nichts." In diesem Sinne bedachte er Sauerteig einerseits mit leisem Spott: "Sie sind noch jung im Amt und voller Liebesidealismus. In den meisten Ehen ist es so, dass ab der Silberhochzeit die Geschenke dürftiger werden", ließ aber andererseits Raum für Hoffnung: "Wir finden da eine gute Lösung", sagte Söder, um ein paar Sätze weiter über die hohe Wirtschaftskraft der Region und damit die große Finanzkraft der Stadt Coburg zu sprechen. Ganz abgesehen davon, dass der Freistaat den Ausbau der Hochschule fördere und eine digitale Fakultät mit 24 Professorenstellen für Coburg finanziere. "Der Freistaat steht zu den Krankenhäusern und allem", betonte der Ministerpräsident. Doch Problem sei die Finanzierung des Krankenhausbetriebs. "Dafür brauchen wir eine neue Antwort aus Berlin. Ihre Drähte zum neuen Bundeskanzler könnten genauso gut sein wie meine", sagte er in Richtung Sauerteig.

Keine Zusage von Söder also in Sachen Theater, aber auch keine Absage - und Erinnerungen an Verhandlungen mit Sauerteigs Vorgänger Norbert Tessmer am Rande des Sambafestivals: "Das hat uns beide sehr beschwingt." OB Sauerteig zeigte sich nach dem Festakt nicht unzufrieden mit der Antwort des Ministerpräsenten: "Sie hätte schlimmer ausfallen können."