Damit hatten die Eltern der Scheuerfelder Grundschule nicht gerechnet: Die evangelische Kirche kündigte zum neuen Schuljahr die Mittagsbetreuung, deren Trägerschaft sie seit Jahren inne hat. Der Ärger war groß und die Befürchtung, die Kinder künftig am Nachmittag nicht mehr betreut zu wissen, ließ die Wogen hoch schlagen.

In einem Elternbrief begründeten jetzt Karoline Truckenbrodt (Trägerleitung), Anne Braunschweig-Gorny als geschäftsführende Pfarrerin in Vertretung und Annerose Kollmann sowie Ulrich Bretschneider als Vertrauensleute im Kirchenvorstand die Entscheidung - auch, um sie "transparenter und verständlicher" zu machen. Dieser Schritt sei auch ihnen schwer gefallen, heißt es gleich zu Beginn.

Als Gründe nennt das Gremium unter anderem die erheblich gestiegenen Personalkosten. Dadurch sei es kaum möglich, die Mittagsbetreuung mit Fachkräften in der bisherigen Qualität durchzuführen - ganz abgesehen davon, dass Fachpersonal kaum noch zu finden sei und zu besseren Bedingungen Anstellungen in Kindertagesstätten finden.

Karoline Truckenbrodt habe als Gemeindereferentin diese Aufgabe sehr kompetent übernommen. Da die Pfarrstelle in Scheuerfeld allerdings seit mehr als zwei Jahren unbesetzt ist, müsse sie mit ihrer halben Stelle nun eine Vielzahl von anderen Aufgaben übernehmen.

Auch Alexandra Ludwig als hauptamtliche, pädagogische Mitarbeiterin und zwei weitere Beschäftigte scheiden zum Ende des Schuljahres aus. "Einen qualifizierten Ersatz für sie zu finden, ist schwierig", sind sich die Verantwortlichen einig.

"Auslaufmodell"

Durch eine angedachte Neustrukturierung der Mittagsbetreuung bis 2023 sei die Form, wie in Scheuerfeld gewählt, eher ein "Auslaufmodell". Hinzu komme ein finanzielles Defizit. Dies liege vor allem an den steigenden Personalkosten, die auch von den Zuschüssen und den Elternbeiträgen nicht mehr gedeckt werden könnten. Die Kommune sei nicht bereit das Defizit zu decken. "Durch die Zunahme der Kirchenaustritte in Scheuerfeld-Weidach schrumpfen auch die wirtschaftlichen Ressourcen der Kirchengemeinde", heißt es in dem Schreiben. Den Kirchenvertretern sei es wichtig, dass das Interesse der Scheuerfelder Familien, eine Schulkindbetreuung vor Ort zu haben, auch für die zukünftige Planung berücksichtigt werde. Der Kirchenvorstand könne sich vorstellen, die Räume im Haus der Jugend auch an einen anderen Träger zu vermieten. Voraussetzung sei eine gute Zusammenarbeit und das die Vermietung auch wirtschaftlich sei. "Einen neuen Träger zu finden, ist nun Sache der Schule", heißt es abschließend.

Auf der Suche nach Lösung

Susanne Thaler, Schulleiterin der Melchior-Franck-Grundschule, ist bereits aktiv geworden und hat sich mit mehreren Trägern in Verbindung gesetzt. "Die Gespräche laufen noch", sagt sie und möchte deshalb auch nicht näher darauf eingehen. An der Melchior-Franck-Schule, zu der die Scheuerfelder Grundschule gehört, hat der TV 48 die Trägerschaft für die Mittagsbetreuung. Erklärtes Ziel der Rektorin ist es jedoch, einen Träger zu finden, der die Kinder in Scheuerfeld betreut - gegebenenfalls sogar in den bisherigen Räumlichkeiten. "Ich fühle mich verpflichtet, eine Lösung zu finden", macht sie deutlich und gibt sich optimistisch.

Runder Tisch

Das beruhigt auch die Eltern. Die Wogen haben sich mittlerweile geglättet. Auf Initiative des Elternbeirates soll es zeitnah - wahrscheinlich kommende Woche - einen Runden Tisch geben, zu dem Vertreter der Stadt, die Schulleitung, Kirchenvertreter, Eltern und der Bürgerverein eingeladen sind. "Wir wollen eine gute gemeinsame Lösung finden", betont Hardi Schellhorn vom Elternbeirat.