Am Mittwochmittag war zwar noch nichts endgültig entschieden, aber es war zu ahnen. Denn da rief Coburg Marketing eine soeben versandte Mitteilung zur "Winterzaubernacht" zurück. Diese findet seit ein paar Jahren am Vorabend des 1. Adventsonntags statt: Die Läden dürfen über 20 Uhr hinaus öffnen, das Citymanagement inszeniert ein paar leuchtende Aktionen, und das alles, weil an diesem Wochenende der Coburger Weihnachtsmarkt eröffnet wird. Normalerweise.

Heuer nicht - trotz aller Vorsichtsmaßnahmen, die die Stadt und der städtische Betrieb Coburg Marketing schon eingepreist hatten. "Vor einem Vierteljahr noch hat die Staatsregierung verkündet, dass heuer alle Weihnachtsmärkte stattfinden können", seufzte Oberbürgermeister Dominik Sauerteig am Rande eines Termins am Mittag. "Und was wurden wir Coburger geprügelt ..." Denn die Stadt hatte von vornherein geplant, den Zugang zum Markt eindeutig zu regeln und zu kontrollieren: Am Ende sollten nur Geimpfte oder Genesene Zutritt haben, damit im Marktbereich selbst keine Masken getragen werden müssen. Damit, so dachten die Verantwortlichen von Coburg Marketing und in der Verwaltung, sei man auf der genehmigungstechnisch sicheren Seite. Händler und Besucher hätten dann einen Weihnachtsmarkt beinah wie immer, mit Bratwurst- und Glühweinduft, Ständen mit Kunsthandwerk und Weihnachtsflitter, nur vielleicht nicht so voll wie an manchen Tagen früher. Denn zugelassen worden wären nur 1200 Personen gleichzeitig im Marktareal. Und selbst, als es vergangenen Freitag hieß, dass alle Weihnachtsmärkte abgesagt werden, wollte die Stadt prüfen, ob nicht wenigstens ein Verkaufsmarkt möglich ist, damit die Händler nicht auf ihrer Ware sitzenbleiben.

Hätte, wäre, wollte: "Der Coburger Weihnachtsmarkt kann trotz der geplanten Sicherheitsmaßnahmen und verringertem Umfang nicht stattfinden", verkündete Coburg Marketing am späten Mittwochnachmittag. "Wir haben alle Möglichkeiten geprüft, aber die 15. Bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung lässt uns keinen Spielraum", fasste OB Sauerteig das Ergebnis einer verwaltungsinternen Entscheidungsrunde zusammen. "Das Ergebnis bedauere ich sehr. Viele Coburger haben sich auf den Markt gefreut."

Pop-up-Stores für Weihnachtsware?

Den Schaden dürften in erster Linie die Händler haben, die für den Markt Ware geordert haben. Sauerteig bedauert, "dass es keine wirklich umsetzbare Alternative gibt". Für die Schausteller sei das schlimm. Sauerteig versprach, dass die Stadt sich dafür einsetzen werde, "dass Ausgleichszahlungen und Hilfen von Bund und Freistaat jetzt schnell und möglichst unbürokratisch beantragt und ausgezahlt werden". Da sei er vermutlich im Einklang mit den kommunalen Spitzenverbänden und den übrigen Bürgermeistern. "Ein Schaustellersterben in der Region gilt es auf jeden Fall zu vermeiden", sagt der Oberbürgermeister.

Deshalb werde die Stadt auch nach Lösungen suchen, um den Händlern den Verkauf der Saisonwaren, wie etwa Christbaumschmuck oder Winterartikel, zu ermöglichen. Es werde gerade geprüft, wo und in welchem Umfang eine temporäre Nutzung von leerstehenden Einzelhandelsflächen nach dem Vorbild der Pop-Up-Stores möglich ist. Auch ein Verkauf von Waren über einen Online-Store werde in Erwägung gezogen, erklärte Sauerteig. Ob und wo eine solche Lösung grundsätzlich machbar ist, entscheide sich in den nächsten Tagen. Eine Abfrage unter den Händlern des Weihnachtsmarktes, ob sie ein solches Angebot annehmen würden, laufe bereits.

Mit dem Markt ist auch die "Winterzaubernacht" abgesagt, und zwar automatisch. Diese Winterzaubernacht muss jedes Jahr neu von der Regierung von Oberfranken genehmigt werden, und diese Genehmigung ist an den Weihnachtsmarkt gekoppelt. Allerdings war zuletzt ohnehin nur ein abgespecktes Programm geplant.