Coburg
Porträt

Karen Spreitzer-Breyer: Seit 40 Jahren im Traumberuf in Coburg

Karen Spreitzer-Breyer, einst Ballett-Solistin am Coburger Landestheater, eröffnete am 3. Juni 1975 ihre eigene Tanzschule im Hahnweg. Zum Jubiläum bereiteten ihr am Samstag Schüler und Ehemalige eine Überraschungsparty.
Beim Jubiläumsabend gab es viele Glückwünsche für Karen Spreitzer-BreyerFoto: Privat
Beim Jubiläumsabend gab es viele Glückwünsche für Karen Spreitzer-BreyerFoto: Privat
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"Wenn Schüler nach dem Abi weggehen und in ihren Semesterferien wieder zurückkommen, um mich zu besuchen, das ist doch das größte Kompliment für mich." Mindestens genauso groß ist das Kompliment, wenn die Schüler beschließen, ihrer Ballettlehrerin zum 40-jährigen Bestehen ihrer Schule eine Überraschungsparty zu schmeißen.


Einst Ballerina am Landestheater Coburg


Karen Spreitzer-Breyer, ehemals Ballerina am Landestheater und Leiterin ihrer eigenen Schule, hatte keine Ahnung, was ihre Schüler in den vergangenen Wochen hinter ihrem Rücken planten und organisierten.
Umso überraschter dürfte sie gewesen sein, als sie am Samstagabend ihr Studio betrat: Viele ehemalige Schüler und Ballettlehrer hatten sich dort versammelt, um gemeinsam mit Karen Spreitzer-Breyer das 40-jährige Bestehen ihrer Schule zu feiern.



Hahnweg 48 - das ist seit dem 3. Juni 1975 nicht nur der Treffpunkt von Balletteusen, Tänzern und Hip-Hoppern quer durch alle Generationen, sondern auch das zweite Zuhause von Karen Spreitzer-Breyer. Tanzen ist ihr Leben - und das ist in diesem Fall nicht einfach nur so ein Spruch. "Sobald ich aus der Tür draußen bin, fehlt mir etwas", sagt sie über ihre Ballettschule.

Ausbildung bei Leonie Renoldi

Geboren ist Karen Spreitzer-Breyer in Oberbayern. Mit fünf Jahren zog sie mit ihrer Familie nach Aachen, wo sie bei der Grande Dame des deutschen Balletts, Leonie Renoldi ausgebildet wurde. Ihre staatliche Ballettprüfung legte sie mit etwa 20 Jahren in Köln ab. Dann kreuzten sich ihre Wege mit Klaus Riedel. Riedel, lange Jahre Ballettmeister am Coburger Landestheater, hatte die junge Frau damals zum Vortanzen nach Saarbrücken geholt. "Ich dachte, ich tanze für Saarbrücken vor", erzählt Karen Spreitzer-Breyer lachend. Sie wurde auch angenommen, doch dann die Überraschung: Klaus Riedel war praktisch schon auf dem Weg nach Coburg - und sie sollte ihn dorthin begleiten.

Coburg, der Liebe wegen

Karen Spreitzer-Breyer wurde also Solistin am Landestheater, tanzte in Aufführungen wie "Don Juan" (1965) oder "Scheherazade". Unter Klaus Riedel etablierte sich auch der regelmäßige Ballettabend. Und schon damals übernahm die Tänzerin immer wieder den Unterricht der Elevenklasse.


Fünf Jahre später verließ Klaus Riedel das Landestheater in Richtung Schweiz. "Er wollte mich mitnehmen", erzählt Karen Spreitzer-Breyer, "aber ich war damals schon liiert und wollte lieber hierbleiben." Hat sie diese Entscheidung je bereut? "Nein, nie!", sagt sie bestimmt und lächelt. "Sonst hätte ich nie meinen wunderbaren zweiten Mann kennengelernt."


Dass sie ihre eigene Schule eröffnete, habe sich dann ergeben - zum einen daraus, dass sie schon die Elevenklasse und in Lichtenfels und Kronach unterrichtete, zum anderen daraus, dass die Chemie mit dem neuen Ballettmeister nicht stimmte. "Es gab bei ihm keinen Ballettabend mehr, nur noch Oper und Operette." Also suchte sie nach einem passenden Haus in Coburg, in dem sie ihr Studio einrichten konnte. Mit Hilfe eines Maklers fand sie die ehemalige Sektkellerei im Hahnweg und eröffnete ihre eigene Schule am 3. Juni 1975.


Anfangs gibt es dort Ballettunterricht und Jazztanz, nach und nach kommen Stepptanz, später Hip-Hop und Street Dance dazu. Meist übernimmt eine weitere Tanzpädagogin einen Teil der Klassen, wie zum Beispiel lange Jahre die Amerikanerin Imogen Danson, die heute in Rimpar ihre eigene Schule führt, zeitweise unterrichtet Karen Spreitzer-Breyer aber auch alle Klassen alleine. Ein Mammutprogramm, das oft auch Verzicht bedeutet. "Einladungen musste ich immer absagen. Das Leben ist schon isoliert."
Heute lässt sie es ruhiger angehen: "Ich trete schon kürzer." Den größten Teil der Stunden leitet Melanie König, eine ehemalige Schülerin, die seit 25 Jahren tanzt. "Sie ist jetzt seit fünf Jahren mit dabei", erzählt Karen Spreitzer-Breyer. "Das wird meine Nachfolgerin."

Auch Männer machen mit

Sie selbst unterrichtet zweimal pro Woche Modern Jazz. "Meine Mittwochabendklasse, das sind ein paar junge Küken, aber die meisten sind zwischen 60 und 73 Jahre alt - und total fit!", wie Karen Spreitzer-Breyer versichert. Ihre älteste Schülerin ist übrigens 75 Jahre alt und von Anfang an dabei. Das Interesse am Tanzen ist vorhanden in Coburg, aber finden denn auch Männer ab und zu den Weg in ihre Schule? Karen Spreitzer-Breyer lacht und nickt: "In meiner Oldieklasse ist seit 30 Jahren ein Mann dabei." Der tanze sogar derzeit bei "Peer Gynt" am Landestheater mit.
Für sie selbst gibt es übrigens noch einen großen Traum, den sie sich unbedingt erfüllen will und der - ausnahmsweise - nichts mit Tanzen zu tun hat: "Ich möchte einmal mit Delfinen schwimmen", verrät sie schmunzelnd. "Ich bin schon am Recherchieren."