Coburg hat seit Freitag ein Fahrradparkhaus. Beziehungsweise: eine Fahrradscheune. Dort, wo einst der Gerbermeister Andreas Röhrig seinem Handwerk nachging, können jetzt Fahrräder sicher untergestellt werden.

Die 1730 in der Schenkgasse errichtete Scheune wurde von der Wohnbau- und Stadtentwicklungsgesellschaft der Stadt Coburg (WSCO) für rund 300000 Euro auf Vordermann gebracht. WSCO-Geschäftsführer Christian Meyer erklärte am Freitag, dass gleich zwei Fördertöpfe angezapft werden konnten. Außer Städtebaufördermitteln flossen auch noch Gelder aus dem bayernweiten Programm "Förderung innovativer Fahrradparksysteme". Kurzum: 70 Prozent der Kosten wurden durch Zuschüsse abgedeckt.

Ladestation im Lohgraben

Zu den technischen Daten: In der videoüberwachten Scheune gibt es 72 Vorrichtungen, um Fahrräder abzustellen. Hinzu kommen Flächen für Lastenfahrräder und Anhänger. Schließfächer - etwa zur Aufbewahrung von Helmen - runden den Service ab. Eine Ladestation für E-Bikes gibt es nicht, soll aber schon bald am Lohgraben entstehen.

Der Zugang zur Scheune erfolgt über ein Drehkreuz, das sich per App oder Transponder 24 Stunden am Tag öffnen lässt. In einer dreimonatigen Testphase wird die Nutzung allerdings sowieso kostenlos sein. Wie es danach weitergeht, hängt von den Erkenntnissen ab, die gesammelt werden. Spannend ist vor allem die Frage: Stellen eher "Tagesgäste" ihre Räder für ein paar Stunden ab oder gibt es mehr "Dauerparker"?

Zahlreiche Zuschüsse

Langfristig dürften die Dauerparker in der Mehrzahl sein. Denn die Scheune liegt mitten in einem Sanierungsgebiet, dessen Schwerpunkt "Junges Wohnen" ist. Sprich: Rund um die Scheune gibt es in den kommenden Jahren viele neue und überwiegend junge Anwohner.

Für Oberbürgermeister Dominik Sauerteig (SPD) ist die Fahrradscheune ein weiteres "Puzzlestück" auf dem Weg zu einer fahrradfreundlichen Stadt. Auch am Bahnhof sollen demnächst überdachte Abstellmöglichkeiten geschaffen werden. Grundsätzlich warb Sauerteig für mehr gegenseitige Rücksichtnahme unter allen Verkehrsteilnehmern in Coburg. So sehr er sich wünsche, dass Coburg im kommenden Jahr von der "Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen in Bayern" als "fahrradfreundliche Kommune" zertifiziert wird, so betonte er auch: "Jeder muss die Mobilitätsform wählen dürfen, die er für sich am sinnvollsten erachtet."