Symbole sorgen für Aufmerksamkeit, und deshalb überreichte die IG Metall am Montag dem Verband der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie (vbm) einen Feuerlöscher. Damit, so Volker Seidel 1. Bevollmächtigter der IG Metall Ostoberfranken, lasse sich ein Flächenbrand verhindern wenn den Forderungen der Gewerkschaft entsprochen werde.

Patrick Püttner, Geschäftsführer des vbm Oberfranken, seinerseits antwortete mit einer ähnlichen Geste: Für den kleinen Feuerlöscher revanchierte er sich mit einem überdimensionalen Taschenrechner. "Realistisch sein" war im Display zu lesen. Ausgetauscht wurden die Geschenke am Montagvormittag vor der Geschäftsstelle des Bayerischen Unternehmensverbands Metall und Elektro in der Lossaustraße. Neben Transparenten und Luftballons setzte die Gewerkschaft - ganz im Zeichen der Corona-Pandemie - auf symbolhafte Spritzen mit den Impfstoffen "Zukunftsverträge", "Übernahme" und "4 Prozent".

Protest der IG Metall steht in Coburg ganz im Zeichen der Corona-Pandemie

Am 1. März war die Friedenspflicht in der aktuellen Tarifrunde der bayerischen Metall- und Elektroindustrie abgelaufen. Die Gewerkschaft fordert Regelungen zur Gestaltung der Transformation und zur Beschäftigungssicherung sowie eine Steigerung der Entgelte um vier Prozent. Die Arbeitgeberseite wolle nach 2020 erneut eine Nullrunde vereinbaren und mit betrieblichen Regelungen das Urlaubs- und Weihnachtsgeld kürzen, so der Vorwurf der Gewerkschaft.

"Am 26. Februar ist die vierte Verhandlungsrunde mit den Arbeitgebern ergebnislos zu Ende gegangen. Ich bin mehr als enttäuscht darüber, dass die Gegenseite sich nicht bewegt. Vielmehr scheint man zu glauben, dass sich die Arbeitnehmer in der Corona-Pandemie alles bieten lassen. Anders kann ich mir die Streichungspläne beim Urlaubs- und Weihnachtsgeld nicht erklären", sagte Jürgen Apfel, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Coburg. Bisher gebe es kein Angebot der Arbeitgeber für die Übernahme in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis für alle Ausgebildeten nach bestandener Abschlussprüfung, ergänzte Volker Seidel, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Ostoberfranken, am Montag in der Lossaustraße.

Realismus bei den Tarifforderungen ist nach den Worten von David Püttner angezeigt. Der Geschäftsführer des vbm Oberfranken erklärte, die wirtschaftliche Situation der Unternehmen sei von Unsicherheit geprägt. "Wir brauchen Investitionen für die Transformation der Industrie und mehr Flexibilität." Lösungen würden am Verhandlungstisch gefunden, aber nicht auf der Straße. Die Vertreter der IG-Metall fanden sich wenig später vor dem Werksgelände der Firma Kaeser in Coburg-Neuses. "Denn Thomas Kaeser, Vorstandsvorsitzender von Kaeser Kompressoren, hat großen Einfluss bei den Arbeitgebern", erklärte Jürgen Apfel die kurze Demonstration.

"Wir werden Druck aufbauen"

Ab dem 2. März kann die Gewerkschaft zu Warnstreiks aufrufen. "Es wird in dieser Tarifrunde keine Massen-Kundgebungen geben können, dennoch werden wir unsere Kolleginnen und Kollegen in den Betrieben zum Protest gegen die Sparpläne der Arbeitgeber mobilisieren und entsprechenden Druck aufbauen", ist sich Gewerkschafter Jürgen Apfel sicher.

Die Mittagszeit stand bei der IG Metall im Zeichen des bundesweiten Aktionstages bei Valeo in Bad Rodach. Nach Angaben der Gewerkschaft habe der französische Konzern etwa 600 Stellen im Jahr 2020 in Deutschland abgebaut, weitere 700 Arbeitsplätze sollen in diesem Jahr gestrichen werden. 200 dieser Stellen sollen in Wemding wegfallen. Die IG Metall fordert eine Zukunft für die Beschäftigten in Bad Rodach, in Kronach sowie an allen Standorten. Valeo beschäftige in Wemding etwa 1500 Menschen, insgesamt in Deutschland seien es etwa 8000.