Wettbewerbstreiber? "So sehen uns vielleicht unsere Mitbewerber", sagt Klaus-Jürgen Heitmann. Aber er kann nicht verhehlen, dass ihm die derzeitige Rolle der HUK-Coburg im Kfz-Versicherungsmarkt gefällt: Nachdem die HUK-Coburg bei ihrer Bilanzpressekonferenz angekündigt hat, dass sie insgesamt 225 Millionen Euro an Kunden und Mitglieder zurückzahlen will, ist in der Branche ein gewisser Druck entstanden.

Weniger Schäden zu regulieren in Corona-Zeiten

Denn im Corona-Jahr 2020 mussten die Versicherer weniger Schäden regulieren als sonst. "In unserer Satzung steht, dass wir nicht benötigte Überschüsse an unsere Mitglieder und Kunden zurückgeben", erläutert Heitmann. Zwar gewähren auch andere Versicherungen Nachlässe, wenn die Kunden wegen Corona weniger Kilometer fuhren als der Vertrag vorsieht, aber keine gibt ihren Kunden so viele Beiträge zurück wie die HUK-Coburg.

Doch das dürfte eine Ausnahme bleiben. Seit die Regulierung des Kfz-Versicherungsmarkts aufgehoben wurde, gab es auch bei der HUK-Coburg in der Kfz-Versicherung keine Beitragsrückerstattungen mehr. Zwar geht seit einigen Jahren die Zahl der Schäden stetig um zwei bis drei Prozent pro Jahr zurück. Aber sie werden teurer, auch, weil "die Preise für Ersatzteile seit Jahren kontinuierlich steigen", sagt Heitmann.

Nachhaltiger Umgang mit Kunden

Was die Marktentwicklung angeht, erwartet er zwei Dinge: Zum einen werde die Zahl der Schäden zwar wieder steigen, aber längst nicht das Niveau der Zeit vor Corona erreichen - einfach, weil insgesamt weniger gefahren werde. Der zweite wichtige Trend: "Das Thema fairer und nachhaltiger Umgang mit Kunden gewinnt jetzt noch mehr an Bedeutung." Und da sei die HUK-Coburg als Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit seit jeher auf der sicheren Seite.

"Wir behandeln alle unsere Kunden gleich und auf Augenhöhe." Lediglich die Kunden mit zwei oder mehr Versicherungsverträgen erhalten einen Nachlass von fünf Prozent bei der Autoversicherung. Ansonsten, betont Heitmann, gelten für alle die gleichen Bedingungen, also keine Lockvogelangebote oder Preisvorteile für wechselwillige Kunden. Denn das würde ja die treuen Bestandskunden benachteiligen.

Corona hat dem Coburger Unternehmen also 2020 einen satten Überschuss beschert. Doch weniger Schäden bedeuten auch weniger Arbeit, vor allem am Stammsitz Coburg mit insgesamt 5564 Beschäftigten. Erstmals, sagt Heitmann, gelte für die HUK-Mitarbeiter nicht, dass sie im Zweifelsfalle Überstunden machen müssten. Derzeit würden in einigen Abteilungen Minusstunden aufgebaut. Befristete Arbeitsverhältnisse werden nicht verlängert. "Das Loch der nicht eingetretenen Schäden werden wir bis Mitte nächsten Jahres spüren", denn die Schadensbearbeitung ziehe sich in der Regel über mehrere Monate, in Einzelfällen sogar über Jahre. Aber das Stammpersonal werde gehalten, versichert der HUK-Chef. Auch an Kurzarbeit sei nicht gedacht.

HUK-Coburg arbeitet an Homeoffice-Konzepten

Doch es kann gut sein, dass die HUK-Coburg in Zukunft trotz gleichbleibendem Personalstamms weniger Menschen in den Büros ihrer Verwaltungsgebäude beschäftigen wird. Denn Heimarbeit oder Homeoffice werde bleiben, prognostiziert Heitmann. "Da arbeiten wir gerade an Konzepten." Bis zu 90 Prozent der HUK-Beschäftigten waren während der Pandemie zeitweise im Homeoffice.

Manche Arbeitsplätze lassen sich nicht ins Homeoffice verlagern

Wenn auch in Zukunft die Beschäftigten mehr von daheim aus arbeiten, könnte das die Platzsituation in den HUK-Standorten "entspannen", sagt Heitmann: "Bei der HUK ist es eigentlich immer eng." Doch Konkretes kann er noch nicht sagen. Es werde gerade an Konzepten für "mobile Arbeit" getüftelt; viele Fragen seien noch zu klären: Wie lang, wie häufig, werden die Mitarbeiter von Zuhause aus arbeiten? Wird es möglich sein, Büroarbeitsplätze quasi zu teilen? Ohne die Möglichkeit, teilweise und möglichst flexibel von zu Hause aus zu arbeiten, werde es in Zukunft aber nicht gehen, meint Heitmann. "Das gehört heute zu einem attraktiven Jobangebot." Einige Arbeitsplätze lassen sich aber auch bei der HUK-Coburg nicht ins Homeoffice verlagern: Da wäre das Postzentrum, wo zum einen die eingehenden Briefe digitalisiert werden, sowie die Druckerei und der Versand.

HUK24 schon vor Corona dynamsich gewachsen

"In den letzten zehn Jahren sind wir um 20 Prozent gewachsen", sagt Heitmann. Das Wachstum soll möglichst weitergehen - aber erklärtes Ziel sei, "das zu schaffen, ohne neu zu bauen". Für die Stadt könnte das weniger Verkehr bedeuten und weniger Parkraum, der gebraucht wird. Auswirkungen auf den innerstädtischen Handel sieht Heitmann eher nicht - so viel Laufkundschaft bringe der Standort Bahnhofstraße mit 2500 Beschäftigten wohl nicht. Der Trend zum Online-Kauf mache sich da weitaus stärker bemerkbar. "Das wird getrieben durch die Amazons dieser Welt." Auch die HUK merke den Trend zum Digitalen: "Unser Internetversicherer HUK24 ist schon vor Corona dynamisch gewachsen. Durch die Pandemie hat es aber noch einmal einen Digitalisierungsschub gegeben, von dem er besonders profitiert hat."

Entscheidend - und damit nachhaltig - sei auch hier der faire Umgang mit dem Kunden, betont Heitmann. Ein Online-Portal müsse übersichtlich, verständlich und leicht zu bedienen sein, auch und vor allem dann, wenn der Kunde Fragen oder Reklamationen hat. "Nur günstig sein reicht nicht".