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Coburg
Bürokratie

Höhe Hürden auch in Franken: Warum es Hofläden so schwer haben

Direktvermarktern aus dem Landkreis Coburg machen Vorschriften und Auflagen zu schaffen. Der Bauernverband fordert praktikable Lösungen.
 
Udo Bohl steht in seinem Laden in Schorkendorf Foto: CT-Archiv/Rebecca Vogt
Udo Bohl steht in seinem Laden in Schorkendorf Foto: CT-Archiv/Rebecca Vogt

Das Bewusstsein für die Qualität der Lebensmittel wächst. Immer mehr Konsumenten suchen - nicht erst seit den jüngsten Meldungen aus Großschlachthöfen - nach regionalen Anbietern, kaufen lieber direkt beim Erzeuger als im Supermarkt, wo sie die Herkunft der Produkte schwerer nachvollziehen können. Längst haben Landwirte reagiert und versuchen die Direktvermarktung als zusätzliches Standbein ihres Betriebes aufzubauen. Doch das ist bei allem gesellschaftlichen Interesse nicht immer so einfach, wie sie es sich gewünscht hätten.

Im Landkreis Coburg gibt es nach Angaben des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) rund 25 Landwirte, die einen Hofladen betreiben oder ihre Erzeugnisse auf Bauernmärkten verkaufen. Ihre Erzeugnisse sind regional, haben kurze Transportwege und die Bauernfamilien als direkte Ansprechpartner geben Einblick in die Herstellung der Lebensmittel. Man kennt sich.

Einkaufen auf dem Bauernhof so beliebt wie noch nie

Das macht Einkaufen auf dem Bauernhof so beliebt wie nie - und immer mehr Verbraucher wünschen sich Lebensmittel direkt vom Bauernhof.

Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Denn, was viele Verbraucher nicht wissen: Gerade Bauern, die ihre Erzeugnisse direkt vermarkten, machen immer neue Auflagen und bürokratische Vorschriften das Leben schwer, wie der BBV in einer Mitteilung feststellt.

Der Berufsverband unterstützt seine Mitglieder im Kampf gegen die wachsende Bürokratie.

Unbürokratisch im Nachbarland: Vorbild Österreich

"Die Direktvermarkter brauchen praxistaugliche Regelungen für die Erzeugung und Vermarktung ihrer regionalen Produkte", fordert Udo Bohl, Vorsitzender der Direktvermarkter und Bauernmärkte. Zum Beispiel im Bereich der Fleischerzeugung: Die Schlachtordnung schreibt vor, dass bei manchen Tierarten eine eigene Zulassung oder ein eigener Sachkundenachweis notwendig ist. "Wenn ein Rinderbetrieb auch Hühner hat, deren Fleisch er vermarkten will, braucht der Hof einen eigenen Geflügelschlachter", erklärt Udo Bohl das Problem, das viele seiner Berufskollegen vom Aufbau eines Hofladens abhält.

Ein Blick nach Österreich zeigt nach Bohls Ansicht, dass es bei allen Vorgaben der EU auch unbürokratischer geht: Dort ist nämlich erst ab einer bestimmten Zahl geschlachteter Tiere pro Jahr ein separater Sachkundenachweis erforderlich.

Um die hohen Kosten für Investition und den laufenden Betrieb für kleine regionale Schlachtstätten zu minimieren, fordert der Bayerische Bauernverband außerdem, dass dezentrale Schlachtmöglichkeiten in Zusammenschluss mit anderen Schlachtbetrieben oder Vermarktern geschaffen werden.

Problem der Kennzeichnung

Klare Vorgaben wünschen sich die Direktvermarkter auch bei der Lebensmittelkennzeichnung. Eine EU-Verordnung sieht vor, dass Nährwertangaben auf dem Etikett vorverpackter Produkte verpflichtend sind - mit wenigen Ausnahmen: Lebensmittel, einschließlich handwerklich hergestellter Lebensmittel, die direkt in kleinen Mengen von Erzeugnissen durch den Hersteller an den Endverbraucher oder an lokale Einzelhandelsgeschäfte abgegeben werden, die die Erzeugnisse unmittelbar an den Endverbraucher abgeben. Das soll den Direktvermarktern das Leben erleichtern.

"Die Ausnahmen für Direktvermarkter sind zwar gut gemeint, greifen aber häufig nicht, wenn innovative Formen der Direktvermarktung wie Online-Vertrieb, Abo-Kisten oder die Vermarktung teilweise über regionale Einzelhändler erfolgt", sagt Udo Bohl. "Wir stehen zu klaren Vorgaben im Verbraucherschutz, aber es muss auch praktikabel für die bäuerlichen Direktvermarkter sein."

Deshalb fordert der Bayerische Bauernverband für die verschiedenen Absatzwege in der Direktvermarktung eine eigene Lebensmittelkennzeichnung mit "regionaler Einfärbung". Die Verkehrsbezeichnungen eines Produkts sind Teil der verpflichtenden Lebensmittelkennzeichnung.Und für jedes Produkt gibt es eine eigene Richtlinie, wie zum Beispiel die Konfitürenverordnung. "Wo ist im Sprachgebrauch der Unterschied zwischen Konfitüre und Marmelade? Inhaltsstoffe sind so oder so anzugeben", sagt Udo Bohl.