Es ist derzeit gar nicht so einfach, einen Konzertabend durchzuführen. Doch dank gründlicher Vorbereitung und Beachtung aller Maßnahmen war der Saal des Kongresshauses bestens für den Saisonauftakt der Musikfreunde präpariert, der mit freundlicher Unterstützung der Stadt Coburg und ihrer Kulturabteilung stattfand und in der Reihe "Podium junger Künstler international" mit dem 2006 gegründeten Oberon Trio bekannt machte.

Das Oberon-Trio gastierte schon in vielen namhaften Konzerthäusern wie der Berliner Philharmonie oder bei Festivals wie dem Augsburger Mozartfest.

International ist das Oberon Trio - ein Klavier-Trio in klassischer Besetzung - allemal, stammt doch nur die Geigerin Henja Semmler aus Deutschland, während die Cellistin Antoaneta Emanuilova aus Bulgarien und der Pianist Jonathan Aner aus Israel kommen.

"Geistertrio"

"Romantische Abgründe" verhieß das Programm, das zwei Gipfelwerke der Trioliteratur enthielt, die nur durch eine kurze Pause voneinander getrennt erklangen. Es begann mit dem Trio D-Dur von Ludwig van Beethoven, das auch "Geistertrio" genannt wird, wobei diese Bezeichnung nicht vom Komponisten stammt. Sie bezieht sich wahrscheinlich auf den fahlen, spukhaften Charakter des langsamen Satzes, der geisterhafte Klänge, jähe dynamische Ausbrüche und "schaurige" Chromatik enthält.

Zunächst fesselte der 1. Satz mit stürmisch-energischem Unisono-Auftakt, temperamentvollem, tonschönen Spiel von Violine und Cello und dem perlenden, sensiblen Spiel des Pianisten, der sich stets in der Lautstärke den Streichinstrumenten anpasste.

Nahtloses Zusammenspiel

Bewundernswert war das nahtlose Zusammenspiel der drei Solisten des Oberon Trios und ihr einheitlicher Gestaltungswille. Fesselnd und vielfarbig wurde der "Geistersatz" (Largo assai ed espressivo) dargeboten, bevor das Presto-Finale den geschmeidigen, virtuosen und musikantischen Abschluss bildete.

Elegischer Beginn

Eines der anspruchsvollsten Klaviertrios der gesamten Literatur stellt das Trio a-Moll von Peter Tschaikowsky dar. Es entstand im Winter 1881/82 in Rom und ist "À la mémoire d'un grand artiste", also der Erinnerung an einen großen Künstler gewidmet.

Gemeint ist der Pianist und Gründer des Moskauer Konservatoriums Nikolaj Rubinstein, der 1866 Tschaikowski als Lehrer an das Institut berufen hatte und im Frühjahr 1881 überraschend starb. Der elegische, schwermütige Beginn und der ebensolche Ausklang des Werks weisen auf den Anlass seines Entstehens hin.

Formal ist das Werk in zwei große Sätze gegliedert, wobei der zweite sich nochmals teilt. Man erlebte durch das hochkarätige Oberon Trio eine geschlossene, eindrucksvolle Wiedergabe der groß angelegten Komposition von bestechendem Ausdrucksreichtum und hoher Virtuosität, die man nicht so schnell vergessen wird.

Nach einer eindrucksvollen Pause am Ende der bewegenden Wiedergabe gab es lang anhaltenden Beifall, aber folgerichtig keine Zugabe, die nach einem solchen Höhepunkt auch fehl am Platz gewesen wäre.

Die nächsten Konzerte bei der Gesellschaft der Musikfreunde Coburg

Gelbe Reihe

Montag, 9. November - "Beethoven pur", Ingolf Turban (Violine), Mario Thinnes (Klavier); 19.30 Uhr, Kongresshaus Montag, 14. Dezember - "Finale furioso", Benjamin Moser (Klavier); 19.30 Uhr, Kongresshaus Sonntag, 20. Dezember - 68. Weihnachtskonzert mit dem Collegium Musicum Coburg, Leitung: Thomas Ehrle; 17 Uhr, Morizkirche (Eintritt frei).

Green Line

Donnerstag, 19. November -"Licht, Wort und Klang", Shakespeare and more mit Constanze Rückert und Elias Conrad; 19.30 Uhr, Europäisches Museum für Modernes Glas, Rödental Vorverkauf Tickets gibt es in der Buchhandlung Riemann in Coburg, Schüler und Studierende haben freien Eintritt.red