4. Das Ausstattungs-Konzept
In der raffinierten, farbenreichen Ausstattung der Kostüm- und Bühnenbildnerin Sibylle Gädeke pendelt die Inszenierung bewusst zwischen der Entstehungszeit ("Neues vom Tage" wurde 1929 in Berlin uraufgeführt) und der Gegenwart. Zum Glück lässt sich Tibor Torell nicht dazu verleiten, die durchaus vorhandenen Parallelen zwischen der Sensationsgier anno 1929 allzu plakativ mit den Auswüchsen aktueller Reality-Shows gleichzusetzen. Torells Regie beweist feines Gespür für das szenische Tempo.
5. Die Musik
Musikalisch ist Paul Hindemiths Partitur ganz bewusst als stilistisches Potpourri angelegt. Wie raffiniert Hindemith diese Vielzahl an Anklängen zwischen Giacomo Puccini und Richard Strauss, zwischen Wagner und Weill, zwischen romantischer Klangüppigkeit und neoklassischer Strenge verbunden und nebeneinander gestellt hat, lässt Coburgs junger Erster Kapellmeister Johannes Braun in seinem souveränen Dirigat prägnant hörbar werden. Das Philharmonische Orchester musiziert wendig und reaktionsschnell, der bestens einstudierte Chor des Landestheaters belebt die Szene auch darstellerisch mit großer Spielfreude.
6. Die Prognose
Der ganz große Kassenschlager für das Landestheater wird "Neues vom Tage" sicher nicht werden. Dazu ist das Werk auf den ersten Blick zu spröde, zu unkonventionell.
7. Das Fazit
Paul Hindemiths "Neues vom Tage" am Landestheater Coburg - eine temporeich und witzig auf die Bühne gebrachte Anti-Oper, die sicherlich nicht dazu verleiten muss, die Geschichte des Musiktheaters im 20. Jahrhundert grundlegend neu zu schreiben. Dennoch verdient sich diese temporeich arrangierte Erstaufführung das Prädikat hörens- und sehenswert.
Sie bringen Hindemiths Oper "Neues vom Tage" in Coburg auf die Bühne
Theater-Tipp "Neues vom Tage" Lustige Oper in drei Teilen von Paul Hindemith, Libretto von Marcellus Schiffer; 5., 12., 17. 4., 19.30 Uhr, 21.4., 18 Uhr, 23. 4., 8., 16., 23. 5., 19.30 Uhr, Landestheater Coburg Produktionsteam Musikalische Leitung: Johannes Braun; Chorleitung: Mikko Sidoroff; Inszenierung: Tibor Torell; Bühne und Kostüme: Sibylle Gädeke; Dramaturgie Dorothee Harpain
Besetzung
Laura: Rannveig Káradóttir
Eduard: Marvin Zobel
Der schöne Hermann: Milen Bozhkov
Herr M: Dirk Mestmacher
Frau M:. Kora Pavelic
Ein Standesbeamter: Marcello Mejia-Mejia
Ein Fremdenführer: Bartosz Araszkiewicz
Ein Hoteldirektor: Christian Huber
Ein Zimmermädchen: Dimitra Kotidou
Ein Oberkellner: Sascha Mai
Sechs Manager: Sascha Mai, Jaehan Bae, Christian Huber, Marcello Mejia-Mejia, Martin Trepl, Thomas Unger
Philharmonisches Orchester Landestheater Coburg
Chor des Landestheaters Coburg
Vorverkauf Tageblatt-Geschäftsstelle, Theaterkasse